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Allianz: Euroraum mit Licht und Schatten

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der jährliche "Euro-Monitor" der Allianz SE zeichnet auch dieses Jahr ein insgesamt positives Bild von der wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum. Der Gesamtindikator auf Basis von 20 Einzelindikatoren liegt mit 6,8 Punkten im guten Mittelfeld einer Skala von eins bis zehn. Dieser Wert ist gemäß der Studie der höchste Stand seit 2001 und liegt nach gut zehn Jahren erstmals über dem Vorkrisenniveau.
Dies zeige die wirtschaftliche Stabilität des Euroraumes - entgegen den Befürchtungen mancher Experten während der Finanzkrise, betonte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Ursächlich für den speziell seit 2012 zu verzeichnenden Aufschwung seien, neben der guten konjunkturellen Entwicklung, insbesondere den krisenbedingten Strukturreformen der Arbeits- und Produktmärkte in den ehemaligen Programmländern zu verdanken. Heise brach dabei im Rückblick auf die Krisenjahre erneut eine Lanze für den Euro: "Nicht die Währung war das Problem, sondern die Wirtschaftspolitik." Als Beispiele nannte er übermäßige Staatsverschuldung, Außenhandelsdefizite und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.
Also alles gut? Nicht ganz - die Ergebnisse des "Euro-Monitor" zeigen neben Licht auch Schatten: So registrieren die Autoren einen wieder abnehmenden Reformeifer in den Euroländern, der Anlass zur Sorge gebe. Rückschritte waren beispielsweise beim Abbau struktureller Haushaltsdefizite, der Exportentwicklung und der Entschuldung von Unternehmen zu beobachten. Angesichts der aktuell günstigen Konjunkturdaten wären hier noch mehr Fortschritte möglich.
Stattdessen wurde ein zurückgehender Fortschrittsindikator im Euroraum ermittelt, merkt die Studie kritisch an. Das betreffe auch Deutschland, das weiterhin auf Platz eins des Rankings der Euroländer liegt. "Derzeit ist hierzulande kein großer Fortschritt mehr zu erkennen. Man kann sich daher nicht sicher sein, dass das Land auch noch im kommenden Jahr Spitzenreiter bleibt", so Heise. Zumal der aktuelle Koalitionsvertrag hier leider keine positiven Wirkungen erwarten lasse.
Als Pluspunkt zu vermerken sei, so Allianz-Volkswirt Rolf Schneider, der zusammen mit seiner Kollegin Katharina Utermöhl den "Euro-Monitor" vorstellte, dass der Euroraum wieder verstärkt auf dem Wege der Konvergenz ist. Dies gelte vor allen beim Leistungsbilanzsaldo, beim staatlichen Finanzierungssaldo und bei der Arbeitslosenquote. Zu wenig Konvergenz besteht allerdings nach wie vor bei den staatlichen Schuldenquoten und der Schuldenquote nichtfinanzieller Unternehmen. Dies sei eine latente Gefahr und ein potenzieller Katalysator für einen erneuten Divergenzprozess in wirtschaftlich weniger erfolgreichen Zeiten.
Dass der wirtschaftliche Erholungsprozess im Euroraum etwas mit der Geldpolitik der EZB zu tun haben könnte, wurde von Heise klar verneint: "Nicht das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank hat die Konjunktur angekurbelt, sondern eine verbesserte Wirtschafts- und Sozialpolitik einzelner Länder". Aus seiner Sicht wäre jetzt auch für schwächere Volkswirtschaften wie zum Beispiel Italien ein moderater Zinsanstieg zu verkraften und angesichts einer sich andeutenden Überhitzung sogar sinnvoll.
Das gelte natürlich auch für Deutschland, wo die Sparer und Kapitalanleger besonders unter den Niedrigzinsen zu leiden haben. Das Festhalten der EZB am Inflationsziel als Grund für die derzeitige Zinspolitik müsse man zunehmend kritisch betrachtet werden. Gespannt darf man auch auf die weitere Entwicklung Frankreichs sein. Derzeit noch Schlusslicht im Ranking des "Euro-Monitor", ist nach Ansicht Heises eine erhebliche Verbesserung zu erwarten, wenn die von Präsident Emmanuel Macron angeschobenen Reformen ihre Wirkung entfalten. (mvb)
Bild: Rolf Schneider (links) und Michael Heise (rechts). (Quelle: mvb)
Allianz Global Investors · Michael Heise · Euro Monitor
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