Schlaglicht

Generali-Run-Off: Druck auf Liverani wird größer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Thema "Run-off" sorgt bei der Generali Deutschland weiter für mächtig Wind. Die Pressestelle erklärt zwar, dass es noch kein konkretes Datum über die Entscheidung darüber, wie und wann die Generali Lebensversicherung in den "Run-Off" geschickt wird, gibt. Gemunkelt wird aber bereits über den 1. Juli 2018 als entsprechenden Stichtag.
Ganz so einfach, wie sich das der Vorstandsvorsitzende Giovanni Liverani möglicherweise gedacht hat, läuft der Verkauf der Altbestände der Generali Lebensversicherung nicht ab. Um sich von den hohen Belastungen aus hochverzinslichen Altersvorsorge-Verträgen loszusagen, will der italienische CEO schon seit längerem rund vier Millionen Verträge verkaufen.
Doch der Aufschrei in der Öffentlichkeit, der Politik und sogar bei der Konkurrenz war groß. Gerade letztere, wie Allianz und andere, erklärten postwendend, dass ein solcher Schritt für sie keineswegs in Frage kommt. Das ist durchaus verständlich, denn das Vertrauen in die Lebensversicherung als langfristige Altersvorsorge ist durch den Schritt der Generali und anderer Unternehmen gefährdet. Der Imageverlust lässt sich schon jetzt an sinkenden Neugeschäftszahlen ablesen.
Der Ergo-Konzern, der fast zum gleichen Zeitpunkt wie der italienische Versicherer ebenfalls den Verkauf der Bestände von Hamburg-Mannheimer und Victoria ins Auge gefasst hatte, zog die Reißleine. Gemeinsam mit IBM wird nun im Gegensatz zum externen Verkauf eine interne IT-basierte Abwicklungsplattform geschaffen. Diese übernimmt die Betreuung der mehreren Millionen Verträge. Viele Kunden von rund 90 Millionen Policen in Deutschland stellen sich die berechtigte Frage, ob sie den Werbesprüchen der Anbieter überhaupt noch Glauben schenken können, ihre Prämien über Jahrzehnte dort sicher anzulegen oder angelegt zu haben.
Das Bundesaufsichtsamt versicherte zwar, dass es einen Verkauf an Dritte sehr genau prüfen werde. Doch der Vertrauensschaden ist erst einmal da. Externe Plattformen, die inzwischen wie Pilze aus der Erde schießen, sich schönreden und auf das große Geschäft spekulieren, stehen bereit, um das Geschäft abzuwickeln. Es fällt auf, dass in den letzten Wochen immer mehr Experten das neue Geschäftsmodell als höchst profitabel preisen und dessen Vorzüge auch oder gerade für die Kunden hervorheben.
Anja Karliczek, CDU-Finanzexpertin und neue Bildungsministerin, warnte die Versicherer jüngst vor einem "Vertrauensbruch gegenüber ihren Kunden". Die Politikerin sucht nach rechtlichen Möglichkeiten, damit Versicherte einem Verkauf ihrer Verträge künftig zustimmen müssten. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen, befürchtet gar, dass sich der Service verschlechtert und mehr Rendite zulasten der Versicherten rausgepresst werde.
Aufhorchen lassen nun Aussagen aus der Münchener Deutschland-Zentrale der Generali. Danach gibt es neben dem Verkauf der Bestände an eine externe Plattform oder eine irgendwie gestaltete interne Lösung, noch eine neue, dritte Variante. Diese wurde von Generali-Chef Liverani selbst öffentlich ins Gespräch gebracht und seitens der Pressestelle bestätigt. Als neuen Ansatz kann er sich eine Partnerschaft mit einem externen professionellen Abwickler, bei dem zum Beispiel die Generali einen kleinen Minderheitsanteil behalten könnte, vorstellen. Für ihn sei das deshalb eine interessante Option, wenn im Ergebnis die Generali die Run-off-Bestände selbst nicht besser verwalten könnte, den Prozess aber weiter begleiten wolle.
Damit sind neuen, weitreichenden Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Ergo-Chef Markus Rieß hatte erst kürzlich verkündet, dass er seine neue Abwicklungs-Plattform auch für andere Gesellschaften öffnen könnte. Es wäre für den umtriebigen Ergo-CEO sicher als Erfolg zu verbuchen, wenn ihm hier ein Riesen-Coup mit der Generali gelinge.
Allerdings hatte Rieß auch erwähnt, nur zu verwalten und sich nicht an einem Unternehmen zu beteiligen. Die Generali will das mit dem Hinweis darauf, dass sich dazu Liverani nicht geäußert habe, unkommentiert lassen. Offiziell heißt es bei der Generali immer noch, dass auch eine interne Abwicklung der Bestände eine Option sei, die nach wie vor geprüft werde. Die Entscheidung berücksichtige sowohl die finanziellen Aspekte als auch die Interessen der Kunden und des Vertriebsnetzwerkes.
Liverani steht nicht nur seitens des italienischen Mutter-Konzerns mächtig unter Druck, den größten Deal dieser Art in der deutschen Lebensversicherungs-Geschichte endlich unter Dach und Fach zu bringen. Immer öfter wird der 1. Juli genannt, wenn auch nur spekulativ. Zwar heißt es immer wieder, dass man nicht unter Zeitdruck stehe. Der Allein-Aktionär mit Hauptsitz im norditalienischen Triest will aber schon möglichst bald viel Cash sehen. Von über einer Milliarde Euro ist die Rede.
Aber auch der Exklusiv-Vertriebspartner, die DVAG, wartet auf eine Lösung. Zum 1. Juli 2018 wird der gesamte Exklusiv-Vertrieb der Generali mit seinen über 2.000 Vermittlern auf die Deutsche Vermögensberatung übertragen. Damit wächst die vertriebliche Verantwortung der DVAG. Es sind dann deren Mitarbeiter, die den Kunden klarmachen müssen, dass die einstmals von ihnen vermittelten Verträge nicht mehr durch sie betreut werden können. (wo)
Bild: Giovanni Liverani (Quelle: Generali)
Lebensversicherung · Generali · Run-off · Giovanni Liverani
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