Märkte & Vertrieb

Vermittler: Weiterbildungspflicht trennt Spreu vom Weizen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Seit dem 23. Februar ist die neue IDD-Welt auch in der Weiterbildung von Vermittlern Alltag. Das bedeutet, dass aus der freiwilligen Verpflichtung zur Weiterbildung über die Brancheninitiative "gut beraten" eine gesetzliche Pflicht wird, die gegenüber den Aufsichtsbehörden nachgewiesen werden muss. Wie aber ist gegenwärtig der Stand der Weiterbildungsbemühungen von Vermittlern?
Fast 131.500 Weiterbildungskonten, die bei "gut beraten" eingerichtet wurden, gab es zu Beginn des Jahres 2018. Rein rechnerisch wären es damit rund 60 Prozent der knapp 221.000 registrierten Vermittler, die sich weiterbilden und dies über "gut beraten" registrieren und verwalten lassen. Über andere anrechenbare Qualifikationsbemühungen gibt es keine Statistiken.
Und auch die 60 Prozent sind keine wirklich belastbare Zahl, wie Katharina Höhn betont. Laut der Hauptgeschäftsführerin des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV), das als wirtschaftlicher und haftungsrechtlicher Träger im Rahmen der Initiative "gut beraten" fungiert, seien auch angestellte Außendienstler und Mitarbeiter von Versicherungen in der "gut beraten"-Statistik enthalten, die aber nicht registriert seien.
Wenn man diese herausrechnet – 35.284 Weiterbildungskonten für angestellte Außendienstler, 9.258 Mitarbeiter von Versicherungsunternehmen und 3.151 von sonstigen Teilnehmern – dann kommt man auf 83.750 Konten für Versicherungsvertreter, Makler und Mehrfachagenten. Damit stellen sie zwar 64 Prozent aller Weiterbildenden. Aber den 20.434 Maklern, die sich weiterbilden, stehen 46.786 registrierte Makler gegenüber.
Das sind gerade einmal knapp 44 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich mehr als die Hälfte der Makler bisher nicht weiterbildet – zumindest nicht über "gut beraten". Bei den Vertretern sieht es mit 42 Prozent, die sich weiterbilden, ähnlich aus.

Vertreter müssen sich regelmäßig weiterbilden

Auch wenn die Zahlen Unschärfen aufweisen und die Situation sicher nicht komplett richtig darstellen, scheint es doch eine Vielzahl von Vermittlern zu geben, für die die Weiterbildungspflicht eine ziemliche Umstellung bedeuten dürfte. Zumal laut Bafin-Rundschreiben vom 15.01.2018 künftig auch gebundene Vermittler, die nicht der Erlaubnispflicht unterliegen, ähnlich wie freie Vermittler eine angemessene Qualifikation besitzen und sich regelmäßig fortbilden müssen.
Herausfordernd für die Versicherungsunternehmen dürfte auch ein anderer Passus des genannten Bafin-Schreibens sein. Denn es legt fest, dass sich auch Führungskräfte weiterbilden müssen, die erheblichen und gestalterischen Einfluss auf den Versicherungsvertrieb nehmen, auch wenn sie nicht unmittelbar an der Beratung von Kunden oder dem Abschluss von Versicherungsverträgen beteiligt sind.
"Das erweiterten den Personenkreis, die sich weiterbilden müssen, erheblich gegenüber den ursprünglichen Verlautbarungen, was für die Versicherer einen höheren Weiterbildungsaufwand bedeutet", so Höhn weiter. Als Bildungsverband wünscht sich der BWV dabei ein proaktives Herangehen. Allein die Digitalisierung erfordere ein Mehr an Weiterbildung, so dass es positiv sein, wenn sich so viele Mitarbeiter wie möglich bewegen und ihrem Bedarf entsprechend weiterbilden.
Die Vermittlerverbände führen keine exakten Statistiken darüber, wie viele ihrer Mitglieder sich wie weiterbilden. Wilfried E. Simon, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM), konnte zumindest sagen, dass sich 90 Prozent der angeschlossenen Makler regelmäßig weiterbilden. Gerald Archangeli, Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und Vorsitzender des Trägerausschusses von "gut beraten", weiß nur, dass das Interesse an Weiterbildung unten den BVK-Mitgliedern sehr stark ausgeprägt ist. "Schließlich ist die Weiterbildung ein zentrales Element des BVK-Berufsbildes für Versicherungsvermittler“, begründet er.
In der BVK-Bildungsakademie gibt es seit Juni 2014 6.000 Teilnahmen. Von den 12.500 Direktmitgliedern hat also statistisch gesehen knapp jedes zweite eine Veranstaltung der Verbandsakademie besucht. Der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) geht davon aus, dass "praktisch alle Mitglieder" sich regelmäßig weiterbilden, wie der geschäftsführende Vorstand Hans-Georg Jenssen berichtet.
Zwar nicht alle über "gut beraten", da mancher die formalen Anforderungen gescheut habe. Bei den Mitarbeitern, die nicht ständig im Vertrieb tätig sind, gebe es – legt man "gut beraten" mit seinen 30 Stunden zugrunde – noch etwas Nachholbedarf. "Da nunmehr nur 15 Stunden gesetzlich vorgeschrieben sind, gehen wir davon aus, dass dies für die Gesamtheit unserer Mitglieder kein Problem darstellt", fügt er an.
Der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung leitet aus seiner Mitgliederbefragung ab, dass mit Stand 2016 60 Prozent der AfW-Mitglieder ein Konto bei "gut beraten" besaßen und 2017 86 Prozent die 15-stündige Weiterbildungsverpflichtung begrüßten, wie Vorstand Frank Rottenbacher erklärt.

Weiterbildung muss mehr als "Punktesammeln" sein

Welche Rolle "gut beraten" bei der Verbesserung der Weiterbildung unter der Vermittlerschaft spielt, darüber gehen die Meinungen ziemlich auseinander. Rottenbacher hofft, dass der durch die Punktevergabe erzeugte "Sammelcharakter" von Weiterbildung verschwindet und durch die IDD die Inhalte wieder mehr in den Vordergrund rücken.
"Statt einfach Punkte zu sammeln sollten Vermittler überlegen, welche Weiterbildung sie wirklich bei der Realisierung ihrer beruflichen Ziele voranbringt", rät er. "Also wenn Weiterbildung, dann nicht die wertvolle Zeit in irgendwelchen Vorträgen absitzen, sondern sinnvoll für die eigene Geschäftsentwicklung einsetzen." Für Simon hat es durch "gut beraten" keine durchgängige Aufwärtsbewegung gegeben.
"Das Niveau reichte von qualitativ hohem Niveau bis hin zum gemeinschaftlichen Anschauen von Fußball-WM-Spielen", lautet seine Kritik. "Letzteres kann natürlich nicht als Weiterbildung qualifiziert und darf künftig nicht als solche anerkannt werden. In diesen Bereich gehören auch reine Produktschulungen neuer Tarife. Das ist keine Weiterbildung, sondern gehört zum Grundhandwerkszeug eines jeden Vermittlers." (epo)
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Bildquelle: Petra Bork / PIXELIO (www.pixelio.de)
Makler · Vermittler · Weiterbildung
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