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Talanx überrascht Aktionäre mit höherer Dividende

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Versicherungskonzern Talanx in Hannover hat bei der Vorlage der bereits weitgehend bekannten endgültigen Jahreszahlen für eine kleine Überraschung gesorgt. Trotz des Gewinneinbruchs infolge einer Häufung von Naturkatastrophen sollen die Aktionäre eine Dividende von 1,40 Euro erhalten, fünf Cent mehr als im Vorjahr. Hauptnutznießer ist der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie, dem rund 72 Prozent der Talanx-Aktien gehören.
Mit der leichten Erhöhung blieb der drittgrößte deutsche Versicherer seiner Dividendenpolitik treu, denn seit dem Börsengang hat die Talanx jedes Jahr die Dividende angehoben – wenn auch nur in Trippelschritten. Vielleicht sind die fünf Cent auch ein Abschiedsgeschenk von Vorstandschef Herbert K. Haas, der den Chefposten im Mai nach fast zwölf Jahren an seinen Vorstandskollegen Torsten Leue abgibt und an die Spitze des Aufsichtsrates rückt. Die Börse reagierte freundlich: Die Talanx-Aktie legte bis zum Mittag um mehr als drei Prozent zu und war damit Favorit im MDax.

Kräftiges Plus bei den Prämien

Nach den endgültigen Zahlen hat die Talanx im vergangenen Jahr bei den Bruttoprämien ein kräftiges Plus von 6,3 Prozent auf 33,1 Mio. Euro erzielt. Treiber waren die Schaden-Rückversicherung (Hannover Rück)und das Internationale Privat- und Firmenkundengeschäft sowie Industrieversicherung. Im Internationalen Privatkundengeschäft hat die Talanx ihr Ziel, mehr als 50 Prozent der Prämien in der Erstversicherung im Ausland zu generieren bereits ein Jahr früher als geplant erreicht.
Mit der internationalen Diversifizierung kommt der Konzern laut Haas damit schneller voran als gedacht. Auch 2018 dürfte der Anteil steigen, denn in Brasilien steht ein vielversprechendes Joint Venture mit der Banco Santander an und in Kolumbien erfolgte mit der Generali Seguros Generales ein strategischer Markteinstieg.
Die konzernweite Großschadenbelastung durch Hurrikane, Erdbeben in Mexiko, Brände in Kalifornien summierten sich auf netto 1.620 Mio. Euro (2016: 883 Mio.) und sprengten damit das Großschadenbudget. Die Schaden-/Kostenquote rutschte mit 100,4 Prozent (2016: 95,7 Prozent) leicht in die Verlustzone.
Das Kapitalanlageergebnis verbesserte sich um 11,3 Prozent auf 4,45 Mrd. Euro. Dazu trugen im Wesentlichen die Realisierung von Gewinnen in Höhe von 1,25 Mrd. Euro zur Finanzierung der Zinszusatzreserve im deutschen Lebensversicherungsgeschäft (809 Mio. Euro) sowie die Aktienverkäufe in der Rückversicherung (227 Mio. Euro) bei. Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 672 Mio. Euro (2016: 903 Mio.).

950 Vollzeitstellen sollen abgebaut werden

Für das laufende Jahr peilt der Vorstand einen Gewinn von 850 Mio. Euro an. Die Prämieneinnahmen sollen um mehr als zwei Prozent zulegen. Schneller als geplant kommt die Umsetzung des Modernisierungsprogramms KuRS in der Privat- und Firmenversicherung Deutschland voran. Dies beinhaltet auch einen Abbau von 950 Vollarbeitsplätzen, von denen bereits 400 weggefallen sind. Bis 2021 sollen 254 Mio. Euro Kosten eingespart werden.
Haas räumte ein, dass er bei der Talanx Deutschland zu spät gegengesteuert hat, als diese in schwieriges Fahrwasser geraten sei. Auch an den Versäumnissen im Bereich Digitalisierung in der Schaden-/Unfallversicherung gibt er sich die Schuld.Als kleines Trostpflaster betrachtet Haas es, dass der von ihm 2014 nach Hannover geholte Vorstand Jan Wicke den Kurs bei Talanx Deutschland umgekehrt hat. (cs)
Bild: Herbert K. Haas, scheidender Vorstandschef der Talanx. (Quelle: Talanx)
Talanx · Herbert K. Haas · Torsten Laue
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