Köpfe & Positionen

LMU: Das Ziel ist eine Data Science-Gesellschaft

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Aktuare kommen! Ein neuer Studiengang soll Aktuare zu Datenexperten machen, das große Ziel ist aber eine Deutschen Data Science Gesellschaft, die Institutionen. und Politik als Ansprechstelle dient. Anlässlich der German Data Science Days an der Ludwig-Maximilian Universität (LMU) in München stellt Elmar Helten die Ideen in einem Gastbeitrag vor.
Es vergeht kein Tag, an dem in den Medien nicht über die vielfältigen Einfluss- und Veränderungsmöglichkeiten (Disruption) der Digitalisierung auf unser privates und berufliches Leben berichtet wird. Dabei werden oft Begriffe und Schlagworte, wie Big Data, Data Analytics, Data Science Internet of Things oder Künstliche Intelligenz benutzt, deren Inhalte sich partiell überschneiden und die oft auch kontextabhängig, das heißt verschieden, interpretiert werden. Das ist eher entwicklungshemmend als fortschrittsfördend.
Um die technischen Fortschritte der Informatik und die daraus resultierenden neuen Möglichkeiten der Datenverarbeitung in der Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung nutzen zu können, benötigt man Mitarbeiter, die sich sowohl mit den Modellen und Methoden der Informatik und Statistik als auch mit den Rahmenbedingungen und den bisherigen Usancen der jeweiligen Anwendungsgebiete auskennen. Diese "Allrounder" gibt es aber nur selten.
Die Praxis behilft sich mit Teams. Das Problem von heterogen ausgebildeten Teammitgliedern ist jedoch nicht nur die unterschiedliche Teamfähigkeit, sondern vor allem die Verständigung. Das wird von empirisch forschenden Wissenschaftlern und Personalberatern immer wieder bestätigt. Um eine zukunftsfähige Lösung dieser durch die Digitalisierung verursachten Veränderungsprobleme zu schaffen, muss also die Aus- und Weiterbildung angepasst und ergänzt werden.
Vor zwei Jahren wurde deshalb aus Mitgliedern der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) unter der Leitung von Manfred Feilmeier und Past-President der DAV, Rainer Fürhaupter, eine Arbeitsgruppe gebildet, die durch Vorträge und Tagungen zum Thema Actuarial Data Science und durch Änderungsvorschläge zur Aus- und Weiterbildung der Aktuare Wege aufgezeigt hat, um die Innovationen von Data Science für die Anwendung in der Versicherungswirtschaft schneller zu realisieren.
Gleichzeitig wurde von den Professoren Göran Kauermann (Statistik) und Thomas Seidl (Informatik) an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein neuer Masterstudiengang "Data Science" entwickelt, dessen Inhalt sich jeweils zur Hälfte aus Wissen der Statistik und der Informatik zusammensetzt. Beim Blick auf die einzelnen Bestandteile des Studiengangs erkennt man die ideale paritätische Kombination. Darüber hinaus beginnt an der LMU in diesem Sommer für Berufstätige das Berufszertifikate-Programm "Data Science".
Eng verbunden mit dem Institut für Informatik und dem Institut für Statistik der Fakultät für Mathematik, Informatik und Statistik der LMU ist eine Gruppe junger Data Science-Mitarbeiter Münchener Unternehmen, die 2015 den Club "Munich Datageeks e.V." gegründet haben und mittlerweile über 3.000 Mitglieder zählen.
Unter Leitung der Professoren Kauermann und Seidl und unter Mitarbeit der oben genannten, am Zusammenschluss der Data Scientists und deren berufsständiger Professionalisierung interessierten Gruppen werden am 20. und 21. März in der großen Aula der LMU die ersten German Data Science Days veranstaltet.
In insgesamt acht Sektionen werden Aufgaben und Lösungsverfahren von Data Science in unterschiedlichen Anwendungsfeldern vorgetragen und diskutiert:
  • Data Science im Versicherungswesen
  • Data Science in Transportwesen und Automobilbranche
  • Data Science in E-Commerce und Medien
  • Data Science in Ausbildung und Beruf
  • Data Science in Medizin und Gesundheitswesen
  • Data Science und das Internet der Dinge
  • Data Science und Data Ethics
  • Data Science in Wissenschaft und Forschung
Ziel der Sektion Data Science in Ausbildung und Beruf ist es, in einer Podiums-und Plenumsdiskussion die Notwendigkeit der Gründung einer Deutschen Data Science Gesellschaft als kompetenter Ansprechpartner für Gesetzgeber, Behörden und Verbraucherschutz zu erörtern und bei Bedarf die Weiterentwicklung zu einem Berufsstand mit Standesregeln und Weiterbildungsverpflichtungen "en marche" zu setzen.
Autor: Elmar Helten ist emeritiert Professor an der LMU und hält an in der Versicherungswirtschaft und in der IT-Branche mehrere Mandate.
Bildquelle: German Data Science Days
German Data Science Days · Ludwig-Maximilian Universität (LMU) · Elmar Helten