Politik & Regulierung

AOK: Krankenhäuser müssen sich spezialisieren

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Bundesverband der AOK und das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) sehen bei den Krankenhäusern in Deutschland noch manchen Nachholbedarf. Die beiden größten Probleme: Zu viele Patienten und Mängel in der Behandlung. Dabei habe die Krankenhausreform vor zwei Jahren bislang nur mäßigen Erfolg gezeigt, kritisiert die Krankenkasse.
Ein Beispiel: die Behandlung von Patienten mit Darmkrebs. Demnach hätten aktuelle Analysen des WIdO gezeigt, dass die Versorgung der Patienten durch eine Zentralisierung deutlich verbessert werden könnte. 2015 sind in Deutschland rund 44.000 Darmkrebsoperationen in mehr als 1.000 Krankenhäusern vorgenommen worden. Doch von allen Kliniken, die diese Operation angeboten haben, führte ein Viertel den Eingriff maximal 17 Mal im Jahr durch, ein weiteres Viertel hatte zwischen 18 und 33 Eingriffe.
"Bei Kolonkarzinom-Operationen liegt das Risiko schon in der Klinik zu sterben bei nicht spezialisierten Krankenhäusern um 21 Prozent höher, bei einem Rektumkarzinom unterscheidet sich das Risiko sogar um 65 Prozent", konstatierte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO), bei der Vorstellung des neuen AOK-Krankenhausreports in Berlin.
"Nicht nur bei Krebsoperationen, auch bei anderen planbaren Eingriffen wie Hüftprothesenoperationen und sogar in der Notfallversorgung ist eine stärkere Zentralisierung nötig und möglich, wie die Analysen des WIdO zeigen. Wenn sich die Therapiequalität erhöht und Überlebenschancen besser werden, sollten etwas längere Fahrstrecken kein Thema sein. Wir wissen aus Befragungen, dass die Menschen schon jetzt längere Wege in Kauf nehmen, um in guten Krankenhäusern versorgt zu werden", ergänzt Klauber.
Ein weiteres Beispiel ist aus Sicht der AOK die Notfallversorgung in den deutschen Krankenhäusern. So wäre es notwendig, Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt nur in Krankenhäuser mit einer Herzkathetereinheit einzuliefern und dort zu behandeln. Von den fast 1.400 Krankenhäusern, die Patienten mit Herzinfarkten behandeln, weisen weniger als 600 eine solche Einheit auf, konstatiert der gesetzliche Krankenversicherer.
Das gleiche gelte auch für die Behandlung von Schlaganfällen, so die Experten weiter. So verfügen lediglich rund 500 der 1.300 Kliniken, die Schlaganfälle derzeit behandeln, über entsprechende Schlaganfalleinheiten (Stroke Units). Gleichzeitig müsste in beiden Fällen garantiert sein, dass das Krankenhaus rund um die Uhr über entsprechende Fachärzte verfügt.
"Die Diagnose, dass die mangelnde Konzentration von stationären Fällen zu unnötigen Todesfällen führt, wird von der Politik mittlerweile akzeptiert, auch wenn es mit der Therapie noch hapert", kritisiert Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin.
Würden also die Neurologen und Kardiologen so auf die Krankenhäuser verteilt werden, dass immer genau ein Facharzt verfügbar ist, würde es für jeweils nur rund 600 Krankenhäuser reichen. "Die Therapie kann also nicht lauten, jetzt noch die jeweils anderen rund 800 Krankenhäuser mit Schlaganfall- und Herzkathetereinheiten auszustatten", betont Busse.
Dabei habe die Situation auch Auswirkungen auf das Pflegepersonal in den Krankenhäusern, konstatiert die AOK weiter. "Wir haben nicht genügend Personal, um alle heute existierenden Klinikstandorte so auszustatten, dass sinnvolle Personalanhaltszahlen oder Personaluntergrenzen gut umgesetzt werden können. Dieses Personal wird auch nicht kurzfristig auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sein, egal ob es 8.000 oder 80.000 sind", erläutert Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. (vwh/td)
Bildquelle: Paul-Georg Meister / PIXELIO (www.pixelio.de)
Krankenhaus · AOK-Bundesverband
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