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Generali: Vitality-Programm scheidet die Geister

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auch die Central Krankenversicherung will bis Anfang 2019 das Vitality-Programm des Mutterkonzerns Generali Deutschland übernehmen. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende, Jochen Petin, auf einer Veranstaltung der Generali in Berlin an. Vitality will gesundheitsbewusstes Verhalten der Kunden in der Risiko- und Berufsunfähigkeitsversicherung belohnen.
Nach Angaben der Generali bildet Vitality zudem einen Eckpfeiler der "Smart-Insurance-Offensive" mit digitalen Versicherungsprodukten und Zusatzleistungen. Petin, auch Mitglied im Vorstand der Generali Deutschland, will Vitality in erster Linie für die Vollversicherten anbieten. Datenschutzbedenken räumt der CIO aus. "Wir machen alles im Rahmen dessen, was die rechtlichen Rahmenvorgaben zulassen", erklärte er. Zudem seien die Kundeninformationen transparent und jederzeit nachvollziehbar.
Mit der Entscheidung, das digitale Belohnungssystem auch in der Krankenversicherung anzubieten, begibt sich die Central auf völlig neues Terrain. Sie will damit Impulse setzen, um über gesellschaftlich wichtige Fragen, wie gesundes Verhalten, zu diskutieren und nachzudenken. Petin wehrt sich gegen den Vorwurf, dass es in der Prämiengestaltung zu Nachteilen für Nicht-Vitality-Kunden kommen könnte. Allerdings weist er darauf hin, dass sinkende Gesundheitskosten diesen Bereich schon entlasten würden. Weitere Details zu dem Central-Angebot wollte er noch nicht nennen.
Astrid Koida, Head of Vitality Germany, berichtete, dass weltweit bereits fünf Millionen Menschen Vitality nutzen würden. Das Gesundheitsprogramm wurde von dem südafrikanischen Versicherer Discovery auf wissenschaftlicher Basis entwickelt. Zu den Bestandteilen zählen nicht nur gesundes Verhalten, sondern auch die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen. "Wir motivieren die Kunden über ein Belohnungssystem. Je höher die erreichte Punktzahl ist, desto mehr Möglichkeiten kann der Einzelne erreichen". Nach einer aktuellen Untersuchung nutzen inzwischen 40 Prozent der Probanden Fitnesstracker. 70 Prozent machen Gesundheitstests. Ebenso haben 70 Prozent der Versicherungsvermittler der Generali bereits Gold- oder Platin-Status erreicht.
Im Rahmen einer Diskussionsrunde brachte der Bundestagsabgeordnete und Obmann von Bündnis90/Die Grünen im Ausschuss Digitale Agenda, Dieter Janecek, das Schlagwort von der digitalen Gesundheitsdiktatur ins Gespräch. Nach seiner Auffassung würden immer mehr persönliche Daten für rein ökonomische Zwecke ausgewertet. Persönliche Gesundheitsdaten gehörten aber keineswegs in die Hände von Versicherungen. Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, Christiane Woopen, stellte die Frage, warum die Versicherer unbedingt die Definitionshoheit über Daten haben wollten.
Das sei eine Art Monopolbildung zur Stärkung von Amazon. Außerdem führe der zunehmende Algorithmenwahn aufgrund enormer Datenmengen zu mehr fehlerhaften Bewertungen. Die digitale Technik dürfte keinesfalls den Menschen dominieren. Dieser müsste nach wie vor Entscheidungen selbst treffen können. Woopen erinnerte zudem daran, dass es viele chronisch kranke Menschen gebe, wie zum Beispiel Rollstuhlfahrer, die Schritt-Vorgaben bei Belohnungssystemen gar nicht erfüllen könnten.
Auch nach Auffassung von Hanno Beck, Verhaltensökonom an der Hochschule Pforzheim, habe allein der Kunde die Entscheidung darüber, was er an Daten zur Verfügung stellen wolle. Außerdem könnten Versicherungen nicht Gesundheitspolitik ersetzen. Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Sporthochschule Köln, wertete es als Anmaßung, Menschen falsches Gesundheitsverhalten vorzuwerfen, ohne Details zu kennen. "Die Selbstbestimmung über Daten ist ein extrem hoher Wert", verdeutlichte der Sportmediziner. (wo)
Bildquelle: Generali
Generali · Vitality
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