Unternehmen & Management

Wenning will mehr Geschäft mit weniger Aufwand

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit dem Claim "Geschäftschancen realisieren" hat die Münchener Rück ihre gestrige Jahresbilanz-Pressekonferenz überschrieben und Vorstandschef Joachim Wenning präzisierte: "Wir wollen mehr Geschäft mit weniger Aufwand". Weniger Aufwand heißt weniger Mitarbeiter. Nach Tagen der Spekulation konkretisierte der Vorstand hier nun auch diese Zahlen: Rund 900 Beschäftigte werden den Konzern verlassen.
Neue Besen kehren gut und deshalb wird die Münchener Rück, zum ersten Mal seit vielen Jahren, am Stammsitz und in den USA rund 900 Stellen streichen. Davon allein 450 in München. Geschehen soll dies über Abfindungen, natürliche Fluktuation und Vorruhestandsregelungen. Nicht betroffen ist der Erstversicherer Ergo, der ohnehin sein eigenes Umstrukturierungsprogramm fährt. Die so eingesparten 200 Mio. Euro sollen vornehmlich in die Digitalisierung fließen.
Wegen der hohen Zahl an Naturkatastrophen ist der Gewinn, der bis 2015 zuverlässig die drei Mrd. Euro erreichte, auf nunmehr 392 Mio. zurückgegangen. Allein die Hurricane "Harvey", "Irma" und "Maria" verschlangen 2,7 Mrd. Euro und verhagelten so die Bilanz des Rückversicherers. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand wieder mit einem Gewinn von 2,1 bis 2,5 Mrd. Euro.
Als Teil der strategischen Prioritäten ist neben der Ergebnisstabilisierung und Steigerung der Ertragskraft und der Reduktion der operativen Komplexität die digitale Transformation möglicherweise als die wichtigste der drei Säulen zu benennen. Über die gruppenweite Zusammenarbeit sollen weitere digitale Kompetenzen gehoben werden. Welche Konsequenzen diese Strategie haben wird, erläuterte Wenning hier im Video:
Welche Auswirkungen Naturkatastrophen, Umstrukturierung und Digitalstrategie auf das Zahlenwerk der Münchener Rück hat, verdeutlichte Finanzchef Jörg Schneider:
Von Ballast getrennt hat sich Erstversicherer Ergo mit Markus Rieß an der Spitze. "Es läuft alles wie geplant, vielleicht sogar ein bisschen besser", fasste Rieß die Ergebnisse seines Hauses zusammen. Bis zum Jahr 2020 soll Ergo einen Nettogewinn von rund 530 Mio. Euro erreichen, aktuell waren es 273 für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017. Für den Gesamtkonzern erwartet man bis zum Jahr 2020 wieder einen Jahresüberschuss von annähernd 2,8 Mrd. Euro. Im Video erläutert Sanierer Markus Rieß die bisher umgesetzten Schritte und Ergebnisse:
Zurückhaltend äußerte sich der Vorstand zum Thema Übernahmen. Zwar habe man durchaus "strategischen Appetit zu anorganischem Wachstum" aber in der Königinstraße, dem Hauptsitz der Münchener Rück, ist man deshalb nicht auf der Suche "nach einem billigen Jakob", so der Vorstand auf Nachfrage. Aufkommende Kritik, die Strategie sei einfallslos und auch das Thema Digitalisierung werde nur stiefmütterlich behandelt, wiesen Wenning & Co. zurück.
"Wir haben keine Handlungsnot", sagte Wenning mit Blick auf die Tatsache, das Merger & Acquisition ab sofort an ihn berichten und Torsten Jeworrek, Vorstand für das Rückversicherungsgeschäft, sekundiert: "Die Preise für Übernahmen sind zur Zeit völlig utopisch" und deshalb wolle man auch "nicht dumm auf Wachstum setzen". Potenzial sieht Jeworrek neben den Entwicklungsmärkten China und Indien auch bei den sogenannten mature markets: "Die USA sind ein Klassemarkt", so Jeworrek weiter und Kanada sei sogar das größte und profitabelste Geschäftsfeld. Trotzdem will man sich und die Kunden auf den Prüfstand stellen, denn der Weg vom Schadendienstleister zum Servicedienstleister biete neue Geschäftsmodelle.
Keine Auswirkungen auf das Geschäft wird nach Einschätzung des Vorstands der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union haben. Lediglich die Neu-Lizensierung wird mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu Buche schlagen. Die Insel bliebt auch weiter im Fokus der Munich Re: Kurz- bis mittelfristig sollen alle Aktivitäten unter einem Dach zusammengefasst werden und das ist wörtlich zu nehmen: In London wird derzeit ein Grundstück für einen Neubau gesucht.
Unklar ist noch, welche Auswirkungen die von US-Präsident Donald Trump angeschobene Steuerreform haben wird. Als erste Reaktion wurde Kapital auf die Bermudas transferiert, im Board rechnet man mit einem Benefit von 60 bis 70 Mio. US-Dollar mehr Gewinn in den Staaten.
Im direkten Leistungsvergleich mit den Wettbewerbern schnitten lediglich zwei Rückversicherer besser als die Münchener ab: Hannover Rück und Scor. Dennoch soll die Dividende weiter bei 8,60 Euro stabil bleiben und ab April startet das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm. Eine Mrd. Euro sind dafür reserviert. (vwh/ak)
Bildquelle: Alexander Kaspar
Munich Re · Joachim Wenning
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