Schlaglicht

Versicherer: Frauen sind mittendrin, aber nicht dabei

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In Deutschland sind Frauen längst gleichberechtigt. In der heutigen Arbeitswelt spiegelt sich dies dennoch nicht wider: Frauen sind in den Führungsetagen der deutschen Konzerne deutlich unterrepräsentiert. Auch bei der Bezahlung sind Frauen mit Personalverantwortung deutlich schlechter gestellt. Um mehr Gleichberechtigung geht es daher auch am Sonntag beim Equal Pay Day.
Die Versicherungswirtschaft ist zwar schon lange keine reine Männer-Domäne mehr, den-noch sind Frauen in Managementpositionen auch hier unterrepräsentiert. Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Innendienst stieg in den letzten zehn Jahren über alle Führungsebenen hinweg von 21 Prozent auf 27 Prozent. In der ersten Führungsebene hat sich der Anteil in den letzten zehn Jahren auf gut 15 Prozent verdoppelt. Der Frauenanteil in den Vorständen der 60 größten Versicherungsunternehmen hat sich fast vervierfacht, jedoch ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau: von 2,5 Prozent in 2006 auf 9,3 Prozent in 2017.
Auf der Suche nach Ursachen und Lösungsansätzen für den Frauenmangel auf Managementebene hat der AGV unter den Managerinnen der Branche eine umfangreiche Erhebung durchgeführt. Frauen, die in Führung sind, können bei diesem Thema bestens mitreden. Sie haben sich in einer männerdominierten Geschäftswelt durchgesetzt und wissen häufig auch aus Erfahrungen mit dem eigenen Team, weshalb viele Frauen sich gegen Karriere entscheiden.
Über 80 Prozent der 1.038 befragten Managerinnen kommen aus der zweiten oder dritten Führungsebene unterhalb des Vorstandes. Die im Durchschnitt 45-jährigen Teilnehmerinnen stammen vorwiegend aus den operativen Versicherungsbereichen Komposit, Vertrieb und Kundenbetreuung. Der Großteil der Managerinnen hat einen akademischen Hintergrund: Über zwei Drittel der Teilnehmerinnen haben studiert– die Hälfte davon Wirtschaftswissenschaften. Auch Jura und Mathematik gehören zu den häufig gewählten Studienfachrichtungen. 70 Prozent der Managerinnen gaben dazu übereinstimmend an, dass der Wille zu führen aus ihnen selbst heraus kam. Aber auch die Bedeutung des Vorgesetzten ist nicht zu unterschätzen. Für über die Hälfte spielte auf dem Karriereweg die eigene Führungskraft eine zentrale Rolle.

Wenig Zeit für Netzwerke

Netzwerke und Vitamin B sind schon seit jeher wichtige Essenzen, um Karriere zu machen. In der heutigen Zeit ist dies mit Hilfe von Social Media einfacher denn je. Dennoch gehören rund 40 Prozent der Teilnehmerinnen keinem organisierten Netzwerk an. Die, die einem Netzwerk angehören, nutzen am häufigsten Xing und Facebook. Nur 37 Prozent bezeichnen sich selbst als aktive Netzwerkerin in beruflichen Angelegenheiten. Ein Drittel bereitet aktuell den nächsten Karriereschritt durch gezieltes Netzwerken vor. Dazu gehört der regelmäßige Austausch mit Entscheidern und Führungskräften oder auch Kollegen, bei dem Interesse an einer neuen Aufgabe signalisiert wird.
Diejenigen, die sich als inaktiv einstufen, begründen dies vorwiegend mit Zeitmangel. Hier spielt sicherlich die Mehrbelastung weiblicher Führungskräfte eine Rolle. Laut einer DIW-Studie bringen sich weibliche Führungskräfte sowohl bei der Hausarbeit als auch Familienarbeit in gleichem Maße wie der Partner ein, während die männlichen Führungskollegen dies überwiegend an die Partnerin delegieren.

Freude und Leid im Führungsalltag

Was macht den Managerinnen Spaß bei ihrer Führungsaufgabe? Veränderungen mitzugestalten, Mitarbeiter zu entwickeln und zu fördern sowie Verantwortung zu tragen, sind die drei Top-Antworten. Finanzielle Anreize nennen die Managerinnen an letzter Stelle. Dieses Ergebnis deckt sich mit anderen Studien, die zum Ergebnis kommen, dass Gehalt für Frauen im Vergleich zu Männern auf der Prioritätenliste weiter hinten steht. Dies mag zum Teil die bereinigte Lohnlücke in Höhe von durchschnittlich sechs Prozent erklären, wenn Frauen aus diesem Grund ihr Gehalt eventuell weniger hart verhandeln als die männlichen Kollegen (siehe POLITIK & REGULIERUNG).
Was bewerten die Managerinnen negativ an ihrem Führungsjob? Drei Viertel der Frauen nennen insoweit politische Machtspiele im Management. Die Hälfte kritisiert auch den Hierarchiedünkel auf Managementebene. Die Managerinnen bemängeln hier die fehlende Zusammenarbeit im Führungskreis und dass die Führungskräfte nicht an einem Strang ziehen.

Was ist für die Zukunft zu erwarten?

Last but not least: Was sind nach Auffassung der Managerinnen die maßgebenden Gründe für den Frauenmangel auf Managementebene? Als die zwei wichtigsten Ursachen werden die männlich geprägte Führungskultur sowie Probleme bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie angeführt.
Hier tut sich viel in der Branche. Eine moderne, durch weniger Hierarchie gekennzeichnete Unternehmenskultur und flexible Arbeitsmodelle stehen auf der Agenda vieler Versicherer. Laut einer AGV-Sonderumfrage "Telearbeit/Mobiles Arbeiten" aus dem Jahr 2017 bieten etwa 90 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, außerhalb des Büros zu arbeiten. Sei es von zu Hause oder von unterwegs.
Ein Blick in die Zukunft lässt hoffen. Mehr als die Hälfte der Managerinnen kann sich eine Position über der aktuellen Führungsebene vorstellen. Viele sehr gut qualifizierte Frauen stehen damit in den Startlöchern für die nächste Herausforderung.
Autorinnen: Betina Kirsch, Geschäftsführerin des AGV, und Anna Teifel, Referentin des AGV.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Bildquelle: Mercer
AGV · Gleichberechtigung
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