Politik & Regulierung

Equal Pay: Größte Gehaltslücke bei den Versicherern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist in Deutschland bislang noch immer die Regel - vor allem zwischen den Geschlechtern. Vor dem Hintergrund des Equal Pay Day am kommenden Sonntag hat das Statistische Bundesamt zwischen Mann und Frau im vergangenen Jahr genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als die Männer.
Dabei bestehen nach wie vor enorme Lohnunterschiede zwischen den alten Bundesländern im früheren Bundesgebiet sowie ostdeutschen Bundesländern. Während der unbereinigte Gender Pay Gap im früheren Bundesgebiet um einen Prozentpunkt auf 22 Prozent gesunken ist, liegt diese in den Bundesländern der ehemaligen DDR lediglich bei sieben Prozent.
Die wichtigsten messbaren Gründe für den unbereinigten Gender Pay Gap sehen die Statistiker vor allem in den unterschiedlichen Branchen und Berufen, in denen Frauen und Männer tätig sind, sowie ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. Hinzu kommt, dass Frauen häufiger als Männer teilzeit- oder geringfügig beschäftigt.
Allerdings kann auch ein gleicher Bildungsabschluss die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern nicht schließen, konstatiert die Online-Jobplattform Stepstone in ihrem aktuellen Gehaltsreport. Demnach verdienen Männer mit einer abgeschlossenen Ausbildung ein Durchschnittsgehalt von 48.358 Euro. Frauen mit dem gleichen Bildungsweg erhalten jedoch 20 Prozent weniger. Bei Fachkräften mit Masterabschluss liegt der Gehaltsunterschied mit 22 Prozent noch höher. Männer mit Promotion verdienen sogar 25 Prozent mehr als Frauen, die promoviert haben.

Deutliche Gehaltslücken in den Finanzberufen

Die größte Gehaltslücke gibt es laut Stepstone hingegen in den Finanzberufen sowie im Vertrieb und Marketing. So verdienen männliche Fachkräfte im Berufsfeld Finanzen, Versicherung und Banking im Schnitt 69.437 Euro. Weibliche Fachkräfte verdienen im Durchschnitt jedoch nur 52.289 Euro: Hier klafft also eine Lücke von 33 Prozent.
Mit 23 Prozent ist der Gender Pay Gap im Vertrieb ebenfalls besonders groß. Männer verdienen mit durchschnittlich 63.054 Euro fast 12.000 Euro mehr im Jahr als Frauen (51.270 Euro). Auch im Marketing sind die Gehaltsunterschiede groß mit 23 Prozent besonders groß. Während im Jahresdurchschnitt etwa 63.054 Euro auf den Konten der männlichen Marketing-Mitarbeiter ankommen, erhalten ihre Kolleginnen lediglich ein durchschnittliches Jahresgehalt von 51.270 Euro.
Allerdings gibt es auch Berufszweige, in denen die Männer weniger verdienen als ihre weiblichen Kolleginnen. Spitzenreiter sind hierbei die Berufe der Tourismus- und Freizeitindustrie, wo Frauen laut Gehaltsportal gehalt.de im Schnitt sechs Prozent mehr verdienen als Männer. Auch in öffentlichen Verwaltungen liegt die Gehaltslücke derzeit bei drei Prozent zugunsten der Frauen. Dahinter folgen Ingenieurbüros (-2,6 Prozent), die Chemiebranche (-1,7 Prozent) und Unternehmensberatungen (-1,3 Prozent).

Deutschland gehört zu Europas Spitze

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland jedenfalls zur traurigen Spitze, was das Thema Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern angeht. In einem Vergleich der europäischen Statistikbehörde Eurostat auf der Datenbasis aus dem Jahr 2016 ist Estland mit 25,3 Prozent der "Spitzenreiter", gefolgt von Tschechien mit 21,8 Prozent und Deutschland mit 21,5 Prozent. Schlusslichter sind hingegen Italien und Rumänien mit einem Gehaltsunterschied von lediglich 5,3 bzw. 5,2 Prozent.

Gleiches Gehalt in den Dax-Vorständen

Positives Vorbild sind beim Thema Gehalt hingegen die Vorstände der Dax-Konzerne. Laut aktueller Studie "Vorstandsvergütung im DAX 2017" von Willis Towers Watson verdienen weibliche Vorstandsmitglieder im Schnitt genauso viel wie ihre männlichen Kollegen. Allerdings sind Frauen in den Führungsetwagen noch klar in der Minderheit. "In sämtlichen Dax-Vorständen ist der prozentuale Anteil der Frauen mit 13,4 Prozent moderat gestiegen. Im Vorjahr waren es noch 11,5 Prozent", konstatiert Frank Hoyck, Leiter Talent & Rewards bei Willis Towers Watson.
Zudem ist die erwartete durchschnittliche Direktvergütung der Dax-Vorstände nach Angaben von Willis Towers Watson im Schnitt von von 5,57 auf 5,95 Millionen Euro gestiegen. Die Direktvergütung umfasst die Grundvergütung, den Jahresbonus sowie die langfristig variable Vergütung der DAX-Vorstandsvorsitzenden. Bis zum Stichtag 14. März 2018 haben 22 Unternehmen ihre Vergütungsdaten veröffentlicht.
Spitzenreiter ist dabei – wie im Vorjahr – Bill McDermott, Vorstandsvorsitzender von SAP, mit rund 11,0 Millionen Euro. Am unteren Ende der Spanne landete Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon, mit rund 2,5 Mio. Euro. Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte landet einer Vergütung von gut 5,9 Mio. Euro im Mittelfeld. (vwh/td)
Bildquelle: Andreas Hermsdorf / PIXELIO www.pixelio.de )
Destatis · Eurostat · Gehalt · Gender Pay
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