Politik & Regulierung

Fehlendes Komma kostet Versicherer 1,8 Mio. Schilling

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherer müssen in Niedrigzinsphasen sparen. Das sollten sie aber nicht an Kommata tun, denn das kann sehr schnell teuer werden. Das musste ein österreichischer Versicherer schmerzlich feststellen. Der Fall liegt schon ein paar Jahre zurück, ist aber hochaktuell. Wie so oft in Versicherungsstreitigkeiten geht es auch in diesem Fall um den Unfallbegriff.
Ein junger Mann wird bei einem Fußballspiel von einem Ball wuchtig an der Brust getroffen. Er erlitt schwere Prellungen im Brustbereich, die eine Verengung der Herzgefäße verursachten, diese Verengung löste final einen Herzinfarkt aus. Die Folge des Infarkts war eine Invalidität von 70 Prozent.
Der Mann wollte von seiner Versicherung eine Invaliditätsleistung, er begründete das mit den Bedingungen, die eine solche Leistung vorsehen würden. Die Versicherung entgegnete, dass nur Versicherungsschutz bestünde, wenn der Unfall durch den Herzinfarkt eingetreten sei, zuerst der Fehler im Herz, dann die Ball-Brust-Kollision. Der Fall ging vor den österreichischen Ombudsmann und schließlich vor Gericht, später berichtete die Kleine Zeitung in Österreich.

Das fehlende Komma

Vor Gericht wurden die Bedingungen bemüht, in denen stand: "Herzinfarkt ist als Unfallursache nicht aber als Unfallfolge versichert." Das Gericht wurde zum Grammatikrat und urteilte, man könne den Satz auf zwei Arten lesen, nämlich:
  1. "Herzinfarkt ist als Unfallursache, nicht aber als Unfallfolge versichert" – versichererfreundliche Version: zuerst Herzinfarkt, dann Unfall.
  2. "Herzinfarkt ist als Unfallursache nicht, aber als Unfallfolge versichert" – versicherungsnehmerfreundliche Version: der Herzinfarkt ist als Folge des Unfalls, lies: Ballaufprall, versichert.
  3. Die Richter entschieden sich für die Version, die den Beschädigten begünstigt, die Invaliditäts-Leistung in Höhe von 1,8 Mio. Schilling (rund 131.000 Euro) wurde fällig. (vwh/mv)
    Bild: Justitia (Quelle: Lupo / www.pixelio.de / PIXELIO)
    Unfallversicherung · Urteil · Richter
    Auch interessant
    Zurück
    13.03.2019VWheute
    Mercer: Mitar­beiter bemän­geln fehlende Verant­wort­lich­keiten In Zeiten unternehmerischer Unsicherheiten spielen Klarheit und Stabilität bei den …
    Mercer: Mitar­beiter bemän­geln fehlende Verant­wort­lich­keiten
    In Zeiten unternehmerischer Unsicherheiten spielen Klarheit und Stabilität bei den Mitarbeitern deutscher Unternehmen eine zunehmend wichtige Rolle. Laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Mercer ist …
    19.02.2019VWheute
    Jens Richter über­nimmt die Leitung der Ecclesia-Nieder­las­sung in Berlin Die Ecclesia Gruppe will ihre Präsenz in Berlin weiter ausbauen. Demnach …
    Jens Richter über­nimmt die Leitung der Ecclesia-Nieder­las­sung in Berlin
    Die Ecclesia Gruppe will ihre Präsenz in Berlin weiter ausbauen. Demnach gründet die Ecclesia Mildenberger Hospital GmbH (EMH) zum 1. März 2019 ein eigenes Büro in der Bundeshauptstadt. Die …
    01.02.2019VWheute
    Die häufigsten Power­point-Fehler in der Versi­che­rungs­branche Irren ist menschlich. Doch in Unternehmenspräsentationen oder Kundengesprächen möchte…
    Die häufigsten Power­point-Fehler in der Versi­che­rungs­branche
    Irren ist menschlich. Doch in Unternehmenspräsentationen oder Kundengesprächen möchte man lieber überzeugen anstatt Fehler zu machen. Laut einer aktuellen Umfrage sieht jedoch knapp ein Drittel (32,6 Prozent) der …
    20.12.2018VWheute
    BGH lässt Gnade walten: Karls­ruher Richter stützen die privaten Kran­ken­ver­si­cherer Die Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe haben …
    BGH lässt Gnade walten: Karls­ruher Richter stützen die privaten Kran­ken­ver­si­cherer
    Die Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe haben entschieden: Die bisherige Praxis der Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung ist rechtens. Demnach mache eine fehlende …
    Weiter