15.03.2018Märkte & Vertrieb

Cyber-Policen sind auf dem Vormarsch

Von VW-RedaktionVW heute
Auch die Auslagerung der Daten auf einen Cloud-Dienstleister entbinden nicht vom Datenschutz und dem sicheren Umgang mit Cyber-Risiken im eigenen Unternehmen. Dies stellten verschiedene Experten auf der 6. Fachtagung "Fokus Cyber und Financial Lines" des Gesamtverbandes der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) klar. Versichern lassen sich Cyber-Risiken für Unternehmen, die Clouds nutzen, aber nur schlecht.
Mathieas Kohl, der für die Versicherung des Medizin- und Sicherheitstechnikherstellers Drägerwerke zuständig ist, warnte die Teilnehmer, sich im Cyber-Schadenfall auf ihren Cloud-Dienstleister zu verlassen. "Man muss sich nur einmal bei den großen Cloud-Anbietern die Verträge ansehen. Die haben ein sehr geringes Haftungsrisiko." "90 Prozent meiner Kunden nutzen einen Cloud-Dienstleister und möchte das Thema standardmäßig unsublimentiert in ihre Cyberdeckung mit hineinnehmen", sagte Johannes Behrends von der Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH.
"Grundsätzlich sind die Versicherungssummen bei den zurzeit 20 Versicherern, die in Deutschland Cyber-Schutz anbieten, für die meisten Unternehmen ausreichend. Nur bei Dax-Unternehmen muss man bei der Eindeckung über den Tellerrand sehen." Wegen der Randsam-Fälle zeichneten viele Versicherer zwar inzwischen "sehr restriktiv". Es gebe oft nur noch 25 Mio. Euro statt 100 Mio. Euro Deckung, aber "hohe Towerlösungen sind mit Exzedenten" noch möglich.
Oliver Delvos von der AIG Europe Ltd. und Ole Sieverding von Hiscox betonten, dass der Deckungsumfang bei dem noch jungen Produkt Cyberdeckung permanent wachse. Was den Kunden fehle, sollten sie individuell mit dem Versicherer klären. Behrends berichtet, dass bei den Kunden in Sachen Cyber-Schutz ein "komplettes Umdenken" feststellbar sei. Habe man bis 2015 nur über die Gefahren aufgeklärt, werde nun auch abgeschlossen. Das Prämienvolumen verdoppele sich sei her. "Cyber-Deckungen sind in Schwung", so der Makler. "Die Nachfrage ist so groß, dass alle personell anbauen wollen."
Dass das Thema Cyber-Sicherheit bei den Untenehmen inzwischen angekommen ist, zeigt eine aktuelle Online-Umfrage des GVNW unter 100 Mitgliedsfirmen. Danach schätzen 79,5 Prozent der Befragten dieses Risiko als "sehr hoch" oder "hoch" ein. Nicht einmal ein Prozent der Unternehmen hält es noch für "sehr gering".
Knapp 42 Prozent haben sich dagegen aber noch nicht versichert. 65,5 Prozent der Nichtversicherten steckt noch in der Risikoanalyse bzw. -bewertung. Knapp jeder Fünfte hat sich bisher nicht versichert, weil er Auflagen und Sanktionen wegen der Verletzung von Vertragsverpflichtungen fürchtet bzw. keine risikoadäquate Deckung bekommt oder die Prämien für unverhältnismäßig hoch hält.
62 Prozent aller Befragten wünschen sich ihren Cyber-Schutz als separate Police. Gut neun von zehn Befragten sind dabei ausreichende Summen bzw. Sublimits sowie Versicherung der gesetzlichen Haftung "sehr wichtig" bzw. "wichtig". Eine Deckung für ihre vertragliche Haftung halten immer noch 86 Prozent für zumindest ein "wichtiges" Kriterium.
"Und dies ist nicht gedeckt", sagte Holger Tittko vom GVNW. Nur knapp die Hälfte der Unternehmen ist mit den Deckungsangeboten aber auch zufrieden. Am häufigsten kritisierten die Unternehmen, dass sie "keine Lösungen, sondern Produkte" angeboten bekämen.
In verschiedenen Beiträgen ging es zudem auch um die Versicherung von Bußgeldern bei Verstößen gegen die neue Datenschutz-Grundverordnung. Hier streiten sich die Experten, inwieweit eine solche Strafzahlung versicherbar ist bzw. ob dies ein sittenwidriges Geschäft wäre. (lie)
Bildquelle: Markus Vogelbacher / PIXELIO (www.pixelio.de)
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