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Hannover Rück: Trump zwingt zu Kapitalumleitungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Vorlage der Jahresbilanz 2017 der Hannover Rück brachte den Erwartungen entsprechend kaum Neues. Schließlich waren die Jahreszahlen samt Ausblick für 2018 bereits Anfang Februar veröffentlicht worden. An den wesentlichen Aussagen hat sich bei der Bilanzvorlage nichts geändert: das Gewinnziel von mehr als einer Mrd. Euro wurde mit 958,6 Mio. Euro wegen des schadenreichsten Jahres der Geschichte verfehlt.
Dennoch wieder eine unveränderte Ausschüttung von fünf Euro je Aktie, deutliches Wachstum der Bruttoprämien um 8,8 Prozent auf 17,8 Mrd. Euro. Das mit fast einer halben Milliarde in die Verlustzone geratenen versicherungstechnische Ergebnis wurde durch den Verkauf aller Aktien und eines dadurch kräftig gestiegenen Kapitalanlageergebnisses etwas aufgefangen.
Für das neue Jahr 2018 bleibt es bei dem angestrebten Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro. Dazu kommt ein Beitragswachstum von mindestens fünf Prozent und eine Kapitalanlagerendite von 2,7 Prozent, wobei der Aktienanteil wieder langsam aufgebaut werden soll. Den Aktionären wird neben der Dividende wieder eine Sonderausschüttung versprochen.
Vorstandschef Ulrich Wallin räumte in der anschließenden Diskussion ein, dass sich das Unternehmen auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen muss. Dies gilt insbesondere für die neue Steuerpolitik von US-Präsident Donald Trump, aber auch im Hinblick auf den bevorstehenden Brexit. Das Geschäft in den USA wird in Hannover gezeichnet und unterliegt damit der im Vergleich hohen deutschen Besteuerung.
Eine Verlagerung des Geschäfts auf eine neu zu gründende US-Tochter für das Sachversicherungsgeschäft, um in den Genuss der auf 21 Prozent gesenkten Unternehmenssteuer in den USA zu kommen, ist für Vorstandschef Wallin jedoch kein Thema. Schließlich sitzen die Fachleute in Hannover. Zudem weise der Standort Kostenvorteile auf.
Steuerersparnisse würden daher durch höhere Kosten aufgefressen. In der Personen-Rückversicherung, bei der das Geschäft bislang in Hannover und in Irland zediert worden ist, müssen jedoch neue Wege beschritten werden. Denn die alte Praxis ist laut Wallin jetzt nicht mehr gangbar. Daher kommt der Hannover Life Reassurance auf den Bermudas, die dem US-Steuerrecht unterliegt, neue Bedeutung zu. Das Geschäft wird von Hannover und Irland auf die Bermudas übertragen. Dies erfordert jedoch den Transfer von Eigenkapital zu der Bermuda-Tochter, da das Geschäft mehr Kapital bindet.
Auch bei einem Brexit werden Kapitalverschiebungen notwendig. Die Hannover Rück hat zwei Töchter in Großbritannien – eine Schaden-Erstversicherung und eine Lebens-Rückversicherung. Solange Großbritannien in der EU ist, brauchen die Töchter kein eigenes Kapital. Dies ändert sich jedoch mit dem Brexit, denn dann wird Kapital nach britischem Recht erforderlich. Weitere Auswirkungen erwartet Wallin bei einem Brexit jedoch nicht.
Weiter gefordert ist die Hannover Rück bei dem seit Jahren belastenden US-Mortalitätsgeschäft. Hintergrund ist die Übernahme eines Pakets der Scottish Re 2009. Entgegen der Erwartungen lag die Sterblichkeit höher als kalkuliert. Die Bestandsbereinigung der verlustreichen Sparte zeigt jedoch wie Wallin versicherte allmählich Wirkung, zumal das Neugeschäft profitabel sei.
Die Ablösung verlustträchtiger Verträge hat im vergangenen Jahr 45 Mio. Dollar gekostet und wird auch im laufenden Jahr die Bilanz belasten Insgesamt wurde zudem den Rückstellungen ein mittlerer dreistelliger Millionen-Dollar-Betrag zugewiesen. Ein großer Kunde ging im vergangenen Jahr verloren, weil er Beitragserhöhungen nicht akzeptieren wollte. Darüber zeigte sich Wallin aber nicht traurig. (cs)
Bildquelle: Hannover Rück
Hannover Rück · Ulrich Wallin