Unternehmen & Management

Langen: "Weltweites Handelsvolumen bleibt hoch"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
US-Präsident Donald Trump scheint mit seinen Plänen für Strafzölle Ernst zu machen. Die EU selbst setzt zwar auf Deeskalation, hat aber bereits ihrerseits eine Liste möglicher Strafzölle für US-Waren in der Hinterhand. Thomas Langen von Atradius Deutschland rechnet allerdings trotz protektionistischer Maßnahmen damit, "dass das weltweite Handelsvolumen hoch bleibt".
VWheute: Welche Auswirkungen haben protektionistische Maßnahmen auf das Geschäft eines Kreditversicherers, wie sehr hängt Ihr Erfolg am Welthandel?
Thomas Langen: Wir gehen davon aus, dass das weltweite Handelsvolumen hoch bleibt, auch wenn es zu mehr protektionistischen Maßnahmen kommen sollte. Unternehmen, die von Handelsbarrieren betroffen sind, sehen sich gezwungen, neue Märkte für ihre Produkte und Dienstleistungen zu erschließen. Unsere Kreditversicherungslösungen bieten ihnen hierfür handfeste Vorteile.
Zum einen ist die Lieferung auf Zahlungsziel die nach wie vor gängigste Zahlmethode – und im harten, internationalen Wettbewerb häufig ein wichtiges Kriterium, damit ein Lieferant einen Auftrag überhaupt bekommt. Damit geht er aber ein hohes Risiko ein, denn seine Liquidität ist dann letztlich vom Zahlungsverhalten seines Abnehmers abhängig.
Sollte es beim Abnehmer zu einem Zahlungsverzug oder gar zu einer Insolvenz kommen, entschädigt Atradius und fängt die Auswirkungen für den Lieferanten auf. Die Kreditversicherung ist das ideale Mittel, um die sehr attraktive Zahlungskondition 'auf Rechnung' mit mehr Sicherheit zu verbinden
Zudem kennen wir durch unsere Präsenz in 160 Büros in mehr als 50 Ländern die Besonderheiten einzelner Märkte sehr genau. Damit geht der Mehrwert weit über den eigentlichen Deckungsschutz hinaus. Mit unserem weltweiten Wissen um Ausfallrisiken können wir Unternehmen bei der Auswahl von neuen attraktiven Exportdestinationen unterstützen.
VWheute: Wie stark ist Atradius im Bereich Stahl und Aluminium involviert?
Thomas Langen: Atradius hat ein ausgewogenes Risikoportfolio und versichert Forderungen in allen Branchen. Die Metallbranche, zu der die Bereiche Stahl und Aluminium gehören, hat dabei einen Anteil von rund zehn Prozent unseres weltweiten Deckungsvolumens.
VWheute: Könnten Länder, deren Wirtschaft schwächelt, durch einen abnehmenden Welthandel in Zahlungsschwierigkeiten kommen, erwarten Sie das und welche Folgen hätte das?
Thomas Langen: Es besteht die Möglichkeit, dass ein Land finanziell unter Druck gerät, sobald eine Importsteuer auf sein wichtigstes Exportgut erhoben wird. Handelsbarrieren könnten zudem protektionistische Maßnahmen anderer Länder provozieren und den internationalen Handel beeinträchtigen.
Generell gehen wir für das Jahr 2018 aber davon aus, dass die Weltwirtschaft weiter wächst, die Umsätze insgesamt steigen und die Insolvenzen insgesamt in etwa auf Vorjahresniveau bleiben.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland bei Atradius (Quelle: Atradius)
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