Politik & Regulierung

Weniger Finanzreserven für die gesetzliche Pflegeversicherung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die finanziellen Rücklagen der gesetzlichen Pflegeversicherung sind erstmals seit 2007 wieder rückläufig. Dies geht aus einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann von der Linksfraktion an das Gesundheitsministerium sein. Ursächlich für den Rückgang soll die jüngste Pflegereform sein. Alles Teil des Plans oder Grund zur Sorge?
Demnach sank die Finanzreserve im vergangenen Jahr auf 6,92 Mrd. Euro. Das entspricht 2,2 Monatsausgaben der Versicherungen für alle Pflegeversicherten. Im Jahr 2016 verfügte die Pflegeversicherung über ein Polster von 9,36 Mrd. Euro, was 3,8 Monatsausgaben entspricht.
Die neue Pflegereform aus dem Jahr 2017 ist wohl für die Schrumpfung verantwortlich. Sie schüttet mehr Leistungen aus, was natürlich erst einmal gut ist, aber naturgemäß die Reserven schwinden lässt. Eine Maßnahme der Reform ist eine genauere Einschätzung der Pflegebedürftigkeit. In Folge der Reform wurde der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um 0,2 Prozentpunkte vom Bruttolohn angehoben. Diese und die Erhöhung ein Jahr zuvor sollen den Beitragssatz bis ins Jahr 2022 stabil halten.
Unterfinanzierte Pflege
"Grundsätzlich ist Pflege in der Bundesrepublik unterfinanziert. Dies zeigt sich in hohen Eigenanteilen der Versicherten, da von vorneherein nur ein Teil der Kosten übernommen wird", sagte Zimmermann (Linke) gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Ein Problem für die gesetzlichen Kassen, die Ende 2017 Rücklagen von 28 Mrd. Euro besaßen, sind die hohen Schulden von Versicherten. In der Pflegeversicherung lagen die Rückstände laut einem Bericht bei rund einer Mrd. Euro – VWheute berichtete.

Finanzreserven der Krankenkassen auf Rekordwert

Gänzlich gegen dem Trend entwickeln sich hingegen die finanziellen Rücklagen der gesetzlichen Krankenversicherer. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben die Krankenkassen im Jahr 2017 einen Überschuss von rund 3,15 Mrd. Euro erzielt. Dieser Überschuss lag damit nahezu doppelt so hoch wie im Vorjahr (2016: 1,62 Mrd. Euro). Die Finanzreserven der Krankenkassen stiegen damit bis Ende 2017 auf rund 19,2 Mrd. Euro.
Demnach standen den Einnahmen in Höhe von rund 233,72 Mrd. Euro standen Ausgaben von rund 230,56 Mrd. Euro gegenüber. Damit sind die Einnahmen der Krankenkassen um 4,3 Prozent und die Ausgaben insgesamt um 3,5 Prozent gestiegen. Die liquiden Mittel des Gesundheitsfonds beliefen sich zum Stichtag 15. Januar 2018 auf rund 9,1 Mrd. Euro, hieß es vom Bundesgesundheitsministerium weiter.
"Mit Rekordreserven von 19,2 Mrd. Euro stehen die gesetzlichen Krankenkassen zum Abschluss der letzten Wahlperiode auf einer guten Grundlage. Das zeigt, dass es richtig war die Versicherten mit notwendigen Verbesserungen, etwa im Bereich der Prävention, der Hospiz- und Palliativversorgung oder der Stärkung von Stationspflege und Hygiene im Krankenhaus zu unterstützen und zugleich den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für 2018 abzusenken. Alles spricht dafür, dass die gesetzliche Krankenversicherung auch im Jahr 2018 schwarze Zahlen schreibt", kommentierte Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe. (vwh/mv/td)
Bildquelle: bjearwicke sxc
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