Politik & Regulierung

Generation Y: "Rente" muss rocken

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"We are still confused, but on a higher level" resümierte kürzlich Professor Bert Rürup eine politische Podiumsdiskussion bei einem Altersvorsorge-Kongress in Berlin. Wenn der deutsche Renten-Guru es nicht versteht, wie soll es dann die Generation Y kapieren? Was unternimmt die Deutsche Rentenversicherung, um junge Leute zwischen 17 und 27 Jahren an das Rentensystem heranzuführen?
Seit 60 Jahren gibt es die Deutsche Rentenversicherung. Es gab 60 Reformen, davon 25 große und sechs Jahrhundertreformen. Keine Reform hat zwei Legislaturperioden überlebt. Was in drei oder sechs Legislaturperioden geschieht, interessiert Johannes Vogel von der FDP. Der ehemalige Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen gilt als profilierter Rentenexperte der Partei, mit 35 Lebensjahren wohl einer der jüngsten der Republik.
"Die meisten Menschen erhalten zwar jährlich Rentenbescheide, aber sie können ihre Gesamtansprüche kaum selbst errechnen." Ein Online-Vorsorgekonto, wie es die Dänen ihrer Bevölkerung anbieten, würde für mehr Transparenz sorgen und das Thema Vorsorge auch viel bewusster in der breiten Öffentlichkeit verankern.
Während viele Versicherungsgesellschaften seit Monaten hunderte Millionen Euro in Innovations-Marken, InsurTechs und Apps investieren, gibt sich die Deutsche Rentenversicherung in Bezug auf web-basierte Mitglieder-Services eher konservativ und unterscheidet sich kaum vom verstaubten digitalen Image der Agentur für Arbeit.
Dabei liegt auf der Hand, dass die Generation Y und später auch Millenials nur durch elektronische Kommunikation zu begeistern sind. Die 2016 erhobene Jugendstudie von metallrente.de zeigt, dass die Jungen grundsätzlich bereit sind, für das Alter vorzusorgen. Die wenigsten haben hierfür aber eine tragfähige Strategie. "Es fällt vielen jungen Erwachsenen in Deutschland schwer, das sogenannte Drei-Säulen-Modell - die Mischung aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge - zu verstehen“, so die Studie.
Die Mehrzahl der jungen Leute ist optimistisch - die Generation Y zweifelt allerdings immer mehr an der privaten Vorsorge, sie will das Leben zunächst genießen und spart deshalb weniger für das Alter. Betriebliche Altersversorgung ist in der Zielgruppe deutlich bekannter als RiesterRente.
Vogel mahnt vor allem vor dem Hintergrund einer sich veränderten Arbeitskultur in Deutschland dringenden Handlungsbedarf an: "Es gibt keine Alternativen zu Baukastensystemen. Ein zukunftsfähiges Rentensystem sollte so aufgebaut werden, dass es typischen Zick-Zack-Lebensläufen der digitalen Ökonomie gerecht wird, in der Menschen zwischen Festanstellungen, Freelancer-Tätigkeiten und Selbständigkeit wechseln."
Das alles ist prekär, sind die heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen doch die erste Generation, die von weitrechenden Rentenreformen der letzten Jahre in vollem Umfang erfasst werden. Die Metallrente-Studie hierzu: "Sie können sich erheblich weniger auf wohlfahrtsstaatliche Leistungen zur Alterssicherung verlassen als jede Generation vor ihnen. Ohne frühzeitige private Altersvorsorge droht ihnen nach dem Erwerbsleben das Abrutschen in die Altersarmut. Und da das Sparen fürs Alter abnimmt" - auch das ein Ergebnis der Studie – "wird die Armut im Rentenalter ein ganz reales Szenario." (Sascha Schulz)
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