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Fosun will Finanzunternehmen kaufen; China marschiert

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"China im Kaufrausch" titelte kürzlich eine große deutsche Wirtschaftszeitung. Ursächlich war der Einstieg des chinesischen Autokonzerns Geely bei Mercedes. Kaum ein Topmanager zweifelt daran, dass das nur der Anfang einer großen und andauernden Einstiegswelle aus China sei, die besonders die Finanz und damit auch die Versicherungswelt betreffen wird. Das Investmentunternehmen Fosun ist ein gutes Beispiel.
Guo Guangchang, der chinesische Warren Buffett und Fosun-Chef, plant weitere Käufe im Westen, wie er in der Financial Times Chinese ankündigte. Vor einiger Zeit kursierten Gerüchte, nach denen Fosun im Zuge der Antikorruptions-Kampagne der Regierung unter den Druck geraten sei und der Chef nicht ins Ausland reisen dürfe. Das war wohl eine Falschmeldung, denn weder Guo noch sein Unternehmen Fosun hat finanzielle und politische Hindernisse für seine geplanten Investitionen im Ausland, wie der Chef bestätigt.
Guo: "Unsere Auslandsinvestitionen wurden immer durch die chinesische Regierung und die Behörde der Investitionsländer genehmigt. Die chinesische Regierung orientiert sich bei der Entscheidung ausschließlich an gesetzlichen Bestimmungen." Anfang Februar hat Fosun für 120 Mio. Euro die französische Luxusmarke Lanvin gekauft und steht offenbar weiter fest in der Gunst der Regierung. Das können andere Unternehmen nicht behaupten, HNA, größter Aktionär der Deutschen Bank, und Chinas größtes Kulturunternehmen Wanda müssen sich behördlichen Untersuchungen stellen, der Versicherer Anbang steht unter Zwangsverwaltung . Diese Probleme hat Fosun nicht, vielleicht auch, weil es meist zurückhaltender auftritt als die zuvor genannten Unternehmen.
Wegen dieses praktizierten Understatements ist es besonders bemerkenswert, wenn Guo offen bekennt, dass Fosuns "Finanzkraft stark" sei und man "im Ausland weiter wachsen werde". Das Finanzunternehmen hat bei seinen Auslandsinvestments besonders Finanzunternehmen im Blick. Der US-Versicherer Ironsshore, das deutsches Bankhaus Hauck & Aufhäuser, der portugiesischen Versicherer Caixa Seguros gehören inzwischen dem Shanghai-Investor.

Asien kommt

Dass nicht nur die Chinesen einen Blick auf die Finanz- und Versicherungsbranche geworfen haben, dürfte spätestens klar geworden sein, als die Swiss Re bekanntgab, mit dem japanischen Unternehmen Softbank in Verhandlungen über einen Einstieg zu stehen. Im letzten Jahr machten bereits Gerüchte die Runde, das zuvor genannte Unternehmen HNA wolle bei der Allianz einsteigen.
Wehren könnte sich ein börsennotierter Versicherer gegen einen Einstieg kaum, ist doch der Aktienmarkt frei und nahezu unbeschränkt. Und warum sollte sich ein Versicherer gegen einen chinesischen Investor stellen? Unternehmen aus China sind in Bereichen wie Onlinehandel, mobilem Bezahlen oder Elektromobilität längst Weltspitze und können hiesigen Unternehmen sicherlich noch im einen oder anderen Bereich Dinge beibringen.
Stephan Scheuer, Handelsblatt, schrieb vor kurzem: "Deutschen Firmen fehlt der Mut, Neues entschieden anzupacken. Wenn sie sich bewegen, dann oft, weil sie von außen unter Druck geraten." Hand hoch, wer bei diesem Satz an Versicherer und Insurtechs gedacht hat.
Vielleicht tut der Branche hierzulande etwas frisches Blut ganz gut, und warum nicht aus China. Oder um es mit den Worten von Adidas-Vorstandschef Kasper Rorstedt zu sagen: "Ich habe als CEO weder das Recht noch die Pflicht, mir die Nationalität von Aktionären auszusuchen." (hy/mv)
Bild: Wilhelmine Wulff / www.pixelio.de / PIXELIO
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