Politik & Regulierung

Kein Schmerzensgeld bei Giraffen-Anprall

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Giraffen, Panzerglasscheibe, Anprall – VWheute hat wieder ein genauso kurioses wie versicherungstechnisch lehrreiches Rechtsurteil aufgetrieben, das Sie hoffentlich ebenso unterhält wie bildet. Ein Haftpflichtversicherer mit geschliffener Argumentation rundet den Fall ab.
Die Klägerin besuchte den Tierpark München an einem Augusttag, dabei stieß sie mit dem Kopf an eine Absperrscheibe des Giraffengeheges und zog sich Verletzungen zu. Sie erlitt eine ein Zentimeter große Prellmarke am Nasenbein, Nasenbluten und Kopfschmerzen. Sanitäter des Tierparks hatte sie erstversorgt und sie war drei Tage arbeitsunfähig.
Da die geschädigte Frau die Scheibe aufgrund von Sonneneinstrahlung und einer damit einhergehenden Spiegelung nicht habe sehen können, verklagte sie den Tierpark wegen fehlender Warnhinweise auf 500 Euro Schmerzensgeld, eine Pauschale für den Regulierungsaufwand und den Eintrittspreis.

Haftpflichtversicherer lehnt ab

Der Haftpflichtversicherer des Zoos hatte den Schaden zuvor abgelehnt, die Begründung überzeugt. Durch die zwischen im Abstand von 1,70 Meter aufgestellten Stahlsäulen eingespannten Glasscheiben wurde der Verkehrssicherungspflicht, nämlich Trennung von Wildtieren und Besuchern, Genüge getan. Die Besucher könnten weiterhin "nicht ernsthaft erwarten", dass eine solche Abgrenzung nicht existiere. Der Boden im Besucherbereich unterscheide sich sichtlich von dem im Gehege, wo Heu und Stroh an der Scheibe aufgeschichtet sind. Im Eingangsbereich hänge darüber hinaus ein gelbes Verbotsschild, das alle Besucher bildlich auffordere, nicht gegen die Scheibe zu klopfen.
Das Gericht folgte der Argumentation des Zoos. "Eine Gefahrenquelle begründet eine Haftung des Verantwortlichen erst, wenn sich aus der zu verantwortenden Situation vorausschauend für einen sachkundig Urteilenden die naheliegende Gefahr ergibt, dass Rechtsgüter Dritter verletzt werden können. Anderenfalls fällt eine gleichwohl eintretende Schädigung in den Risikobereich des Verletzten."
Das sei bei vorliegendem Fall nicht so, denn "[…]der durchschnittliche Besucher wird auch von vornherein voraussetzen, dass eine solche Abtrennung vorhanden ist, handelt es sich doch bei den im Gehege befindlichen Giraffen um Wildtiere mit nicht unerheblichem Gefährdungspotenzial."
Die komplette Pressemitteilung inklusive Begründung der Ablehnung können Sie auf der Homepage unserer Partnerwebseite VersR einsehen. (vwh/mv)
Bild: Justitia (Quelle: I-vista / www.pixelio.de / PIXELIO)
Haftpflichtversicherung · Schadenersatz · München · Urteil · Giraffe · Zoo
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