Märkte & Vertrieb

Deutschland wird führendes Flottenland

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auf disruptive Innovationen wie das teil- oder vollständig autonom fahrende Auto stellen sich die Kraftfahrzeugversicherer nach Meinung von Thomas O. Winkler zu wenig ein. "Wir haben riesige Datenmengen über Fahrer, Nutzer, Fahrzeug, den Schadenfall und die Kosten desselben – aber es wird nicht wirklich analysiert", kritisierte der Chief Underwriter Kraftfahrt bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG am Mittwoch auf der Business Forum 21-Jahrestagung.
Bei Diskussionen um die Auswirkungen selbstfahrender Autos geht es oft um scheinbar neue Schadenursachen wie das Hacken der Systeme, Fehlbedienung oder auch Falschprogrammierung. Der bisherige Haftungsrahmen erfasst diese Sachverhalte nicht oder nur bedingt, so dass letztlich der Fahrer beziehungsweise der Autoversicherer für solche Unfälle haften.
Winkler vertritt die Ansicht, dass einiges von den künftig möglichen Schadenszenarien im Grunde nicht so neu ist – und heute in den Schadenabteilungen kaum berücksichtigt wird. "Ich habe meine Zweifel, ob jemand hier in der Lage ist, nachzuvollziehen, ob ein Auto das richtige Update hat. Und ich kenne niemanden, der sich das wirklich anguckt", so Winkler. Ist das Auto einmal zugelassen, werden die weiteren Updates der Fahrzeugsoftware nicht mehr behördlich überprüft. Sind falsche oder ausgebliebene Updates schadenursächlich, könnte dies ein Produktionsfehler sein und damit bestünde die Möglichkeit, beim Hersteller Regress zu nehmen.

Wer bezahlt den Schaden

"Regress wird ein Thema werden, aber dafür müssen wir Schadendaten aufnehmen und nutzen. Solange es noch ein Unternehmen gibt, dass im Schadenfall nur überprüft, ob der Schädiger versichert war, die Prämie bezahlt und keinen Alkohol getrunken hat, wird uns das nicht gelingen", so Winkler. Seiner Einschätzung nach mangelt es an technischem Sachverstand. "Der klassische Schadensachverständige reicht nicht."
Für das Wachstum im Flottengeschäft sind die Aussichten laut Marc A. Odinius, Geschäftsführer der Dataforce GmbH, günstig. Für 2018 seien 870.000 Neuzulassungen und damit nochmals mehr als im Rekordjahr 2017 zu erwarten. Damit könnte Deutschland vor Großbritannien zum größten Flottenmarkt Europas werden, so Odinius.
Ertragsmäßig bleibt es indes mau. "Mit einer Geschäftsjahres-Schadenquote von 95 Prozent sind die Flottenrisiken im Markt weiterhin nicht auskömmlich", sagte Harald Seliger, Leiter Kraftfahrt Vertrag bei der R+V. 2017 dürfte die Schaden- und Kostenquote bei 107 (106,3) Prozent gelegen haben. Im Flottengeschäft sei "noch lange nicht" mit einem Wert von unter 100 Prozent zu rechnen. (lie)
Bild: Thomas O. Winkler (l.) und Marc A. Odinius (Quelle: lier)
Gothaer · Schadenquote · Flottenversicherung · Autonomes Fahren
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