Märkte & Vertrieb

Riester-Rente erneut unter Beschuss – GDV verteidigt, VZBV greift an

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es gibt doch schlechte Publicity. Kein Produkt wird so anhaltend angegriffen wie die Riester-Rente. Offenbar mit Erfolg, denn im vergangenen Jahr sank die Zahl der Riesterverträge um fast 17 Prozent, seit 2007 ist die Zahl rückläufig, wie Medienberichten zu entnehmen ist. Ist die Riester-Rente tot, wie Horst Seehofer unlängst feststellte oder ist der Markt schlicht gesättigt, VWheute hat bei GDV und Verbraucherschützern nachgefragt.
Für den GDV ist die Riester-Rente nicht gescheitert, der Verband verweist auf die Erfolge des Produktes. Peter Schwark, GDV-Altersvorsorgeexperte und Mitglied der Geschäftsführung: "Zunächst ist festzuhalten, dass wir uns in einem relativ gesättigten Markt bewegen. Es sind bereits 16,5 Mio. Riester-Verträge abgeschlossen worden. Damit ist das Riester-Produkt bereits das am meisten verbreitete Vorsorgeprodukt in Deutschland. Dass auch in 2017 immer noch fast 300.000 Riester-Verträge neu abgeschlossen wurden, zzgl. der etwa 150.000 Verträge bei anderen Anbietergruppen, ist deshalb durchaus positiv zu sehen."
Den Rückgang sieht er in den Änderungen des Produktes begründet: "Im Jahr 2017 waren eine Reihe neuer gesetzlicher Anforderungen umzusetzen, so dass einige Anbieter erst im Jahresverlauf wieder Riester-Neugeschäft angenommen haben. Andere Anbieter haben wegen der im Verhältnis zu ihrem Neugeschäft zu kostenträchtigen regulatorischen Anforderungen entschieden, ab 2017 kein Riester-Produkt mehr anzubieten."
Einen Grund für den Rückgang sieht Schwark auch in der schlechten Presse und hofft auf Nachbesserungen beim Produkt: "Es gab im letzten Jahr eine eher kritische Diskussion zur Riester-Rente. Für 2018 erhoffen wir uns dagegen aus der Erhöhung der Zulagen und der verbesserten Riester-Förderung in der betrieblichen Altersversorgung wieder etwas mehr Rückenwind für neue Vertragsabschlüsse."

VZBV widerspricht

Eine andere Meinung zum Thema hat Lars Gatschke, Referent Team Finanzmarkt, Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV): "An das negative Image haben die Anbieter selbst gut Hand angelegt", sagt der Verbraucherschützer und verweist dabei auf eine Studie seinen Hauses, die die hohen Kosten kritisierte und vom GDV postwendend als "falsch gerechnet" zurückgewiesen wurde.
Die Entscheidung bei Riester-Produkten den Markt für effiziente Produkte sorgen zu lassen, sei falsch gewesen, erklärt Gaschke. "Die aufgelegten Kriterien sorgen, gerade in Niedrigzinsphasen, nicht für kostengünstige Verträge." Auch er kritisiert wie Schwark die hohen Kosten, sieht den Fehler aber nicht nur bei der Politik: "Wenn man sich anschaut wie viele Versicherer sich bereits aus kurzläufigen Verträgen verabschiedet haben, spricht das für eine nach wie vor viel zu hohe Kostenseite." Ob die Politiker das ebenfalls so bewerten oder eher die Versicherer in der Pflicht sehen, sei an dieser Stelle dahingestellt.
Für Gaschke ist es jedenfalls nicht verwunderlich, dass "die Politik mit der Riester-Rente unzufrieden ist". Das zumindest Teile der Politik tatsächlich alles andere als zufrieden sind, kann im viel diskutierten Interview mit dem Grünen-Politiker Gerhard Schick nachgelesen werden.
In der April-Ausgabe der Versicherungswirtschaft wird sich auch Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt VZBV, dem Thema Riester-Rente und Altersvorsorge widmen. (vwh/mv)
Bild: Rente (Quelle: birgitH / www.pixelio.de / PIXELIO
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