Schlaglicht

Krankenversicherer zwischen Freud und Leid - Debeka glänzt mit Zuwächsen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach frohlockt. Zwar hat sein Lieblingsthema, die Bürgerversicherung, keinen Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden, doch mit der Einrichtung einer Kommission von CDU und SPD zur Vorbereitung einer gemeinsamen Honorarordnung könnte die Lunte an das duale System gelegt werden. Gestern nun hat die Debeka ihre Konzern-Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 vorgelegt. Zum Koblenzer Unternehmen gehört auch der größte deutsche private Krankenversicherer.
Zwar gilt das deutsche Gesundheitssystem nach wie vor als führend in der Welt, dennoch ist Politikern aller Parteien klar, dass es in beiden Systemen Veränderungen geben muss. Umstritten bleibt allerdings, wie weit das gehen kann und sollte. Dass Debeka-Chef Uwe Laue die Bürgerversicherung ablehnt und das duale System, also das Nebeneinander von GKV und PKV, für das allein Seligmachende hält, ist nicht neu. Oft genug hat er sich dazu öffentlich geäußert. Auch kann er sich nicht vorstellen, dass es zu einer Anpassung der Ärztehonorare kommen könnte.
Doch Hiobsbotschaften aus der Branche kann auch der PKV-Verbandschef nicht leugnen. So haben zu Beginn des Jahres, wie auch schon 2017, Meldungen die Runde gemacht, wonach einige Gesellschaften wieder saftige Beitragserhöhungen bei ihren Versicherten einfordern (siehe MÄRKTE & VERTRIEB). Betroffen davon ist jedes Jahr rund ein Drittel aller Versicherten, will ein Experte errechnet haben. In der Spitze sollen sich die Beiträge für Neukunden 2018 sogar um bis zu 38 Prozent verteuern. Begründungen haben die Gesellschaften schnell zur Hand. Sie verweisen darauf, dass das die erste Erhöhung seit vielen Jahren sei und aus gesetzlichen Gründen erst nach Überschreiten einer bestimmten Schwelle Beitragserhöhungen erlaubt seien. Ebenso trage der medizinische Fortschritt Schuld daran. Steigende Kosten im Gesundheitswesen und die niedrigen Zinsen werden ebenfalls angeführt. Nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV erhöhen sich die Beiträge für Vollversicherte 2018 hochgerechnet um durchschnittlich 3,05 Prozent. Die GKV verlange sogar 3,28 Prozent mehr. Die Wissenschaftler bewerten extreme Beitragsausschläge daher als Ausreißer.

Gerichte sehen Beitragserhöhungen skeptisch

Parallel dazu machen Gerichtsurteile die Runde, wonach jährliche Steigerungen der Beiträge nicht statthaft waren, weil die Treuhänder, die die jeweiligen Erhöhungen ermittelten, nicht unabhängig gewesen seien. Jetzt setzen die Privaten ihre ganze Hoffnung auf den BGH. Sie halten das Treuhänder-Verfahren für absolut gesetzeskonform. Es habe sich seit vielen Jahrzehnten bewährt. Die Versicherer gehen davon aus, dass der Bundesgerichtshof die bewährte Praxis höchstrichterlich bestätigen wird. Allerdings sind die umfangreichen Berichte darüber dem Image nicht unbedingt dienlich.
Die neueste negative Botschaft betrifft die Veröffentlichung des Bundesfinanzministeriums, wonach der aktuarielle Unternehmenszins 2017 erstmals unter 3,5 Prozent gesunken ist. Kritik kommt auch von anderer Seite. GKV-Präsidentin Doris Pfeiffer warnt eindringlich: "Die offensichtlichen Probleme der privaten Krankenversicherung dürften nicht auf dem Rücken der Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung gelöst werden." Dabei hatte sie vor allem die in den letzten Wochen diskutierten Überlegungen im Blick, dass privatversicherte Beamte individuelle Wechseloptionen in die gesetzliche Krankenversicherung bekommen sollen.
Mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde die gestrige Veröffentlichung der Bilanzzahlen des Versicherungsriesen Debeka, der bundesweit an sechster Stelle steht. Aufhorchen lässt die Aussage, dass die gesamten Beitragseinnahmen mit 6,4 Prozent auf 5,98 Mrd. Euro fast viermal stärker als in der Branche gestiegen sind. Wesentlichen Anteil daran hatte nach Angaben des Unternehmens auch die Krankenversicherung mit einem Plus von 9,3 Prozent. Inzwischen hat die Debeka weit mehr als sieben Millionen Kunden mit fast 18 Millionen Verträgen über alle Sparten hinweg. Die Beitragseinnahmen aus dem Versicherungsgeschäft stiegen erstmals auf über 10 Mrd. Euro. Sowohl die Bilanzsumme als auch die Kapitalanlagen erhöhten sich 2017 deutlich um über fünf Prozent auf fast 100 Mrd. Euro. Im wichtigsten Segment der Debeka, der privaten Krankenversicherung, konnte das Unternehmen, so Vorstandschef Uwe Laue, seine Position als Marktführer weiter festigen. Die Bekanntgabe der Zahlen dürfte ihm besondere Freude bereitet haben. 79.000 Zugänge führten dazu, dass die Debeka den Bestand an privaten Vollversicherungen um weitere 29.213 auf 2,36 Mio. von insgesamt 8,8 Mio. in Deutschland erhöhen konnte. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen. 2017 mussten die Beiträge zum ersten Male nach sechs Jahren angepasst werden.
Auch im vergangene Jahr hat die Debeka für ihre Lebensversicherungskunden die Zinszusatzreserve mit 1,1 Mrd. Euro bedient und verfügt jetzt über ein Polster von 4,1 Mrd. Euro. Die aufsichtsrechtlich relevanten Quoten der Eigenmittelausstattung im Verhältnis zu den eingegangenen Verpflichtungen (Solvency II) lagen im vergangenen Jahr bei allen Debeka-Unternehmen "deutlich über 100 Prozent", heißt es nur vage angedeutet in der Presseveröffentlichung. Die Lebensversicherung nutze zwar Übergangsmaßnahmen, weise aber im vierten Quartal 2017 eine Quote von über 100 Prozent ohne diese Maßnahmen auf. Für die kommenden Jahre sieht die Debeka gute Chancen für das Sozialpartner-Modell im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes. Dafür wurde gemeinsam mit vier weiteren genossenschaftlich geprägten Versicherungsvereinen "Das Rentenwerk" gegründet. (wo)
Anmerkung der Redaktion: Den oben genannten Karl Lauterbach finden sie heute auch im Interview (siehe KÖPFE & POSITIONEN)
Bild: Uwe Laue (Quelle: Debeka)
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