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Erneute PKV-Beitragserhöhungen –Skandal oder systeminhärent?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der berühmte Sturm im Wasserglas? Eine Finanzzeitschrift meldete, dass auf Privatversicherte steigende Beiträge zukommen und begründete das mit Zahlen aus dem Finanzministerium. Das stimmt, ist aber im System begründet und kein Grund für einen erneute PKV-Debatte, sagen der PKV-Verband und, überraschenderweise, der Verbraucherzentrale Bundesverband VZBV.
Die bösen Zahlen kommen aus dem Finanzministerium und lassen die Privatversicherten bangen. Bei allen 36 Anbietern lag im Jahr 2017 der aktuarielle Unternehmenszins unterhalb von 3,5 Prozent, wie Euro am Sonntag meldet. Das ist wichtig, weil die Versicherer die Altersrückstellungen ihrer Kunden am Markt anlegen, sinkt die Rendite dieser Anlagen unter den genannten Wert, ist das ein Faktor, der zu einer Neukalkulation der Beiträge führen kann - und wohl auch wird. Die Anfrage an das Bundesfinanzministerium hatten Abgeordnete der Partei die Linke gestellt.

Der Verband bestätigt und wiegelt ab

Alles bekannt, kein Grund zur Panik sagt der PKV-Verband. "Die in der Antwort des Bundesfinanzministeriums an die Linken-Fraktion genannten Auskünfte zum Rechnungszins und zu den sogenannten AUZ-Werten sind seit längerem bekannt. Die Nettoverzinsung beträgt für 2016 trotz der anhaltenden Niedrigzins-Phase im PKV-Branchendurchschnitt immer noch 3,71 Prozent - über solche Werte wären andere Anleger wohl sehr froh. […] Auch in der Niedrigzinsphase wachsen die Alterungsrückstellungen, allein 2017 erneut um plus 13 Milliarden Euro", erklärt Stefan Reker, Stefan Reker, Geschäftsführer und Leiter des Bereiches Kommunikation.
Der ständigen Kritik an den Beitragserhöhungen hält Reker Worte und Zahlen entgegen. Die Daten würden eine "maßvolle Beitragsentwicklung in der Privaten Krankenversicherung zeigen", wie mitgelieferte Grafik des Bundesgesundheitsministeriums zeigen soll.

VZBV auf der Seite der PKV

Überraschenderweise bekommt der Verband Hilfe von den Verbraucherschützern. Lars Gatschke, Referent Team Finanzmarkt bei der VZBV, sieht in den Zahlen des Finanzministeriums keinen neuen Aufreger: "Beitragserhöhungen in der PKV sind naturgegeben". Der Leistungsumfang sei festgelegt, geschehen daher Änderungen in der Demografie oder dem technischen Fortschritt, komme es "zwangsläufig zu Anpassungen".
Wenn eine Beitragserhöhung nötig wird, müssten alle Faktoren neu bewertet werden, "auch der Rechnungszins". Wenn ein ursprünglich kalkulierter Rechnungszins nicht mehr ausreiche, müsse das Unternehmen diesen "neu kalkulieren" und den neuen Wert berücksichtigen. Diese Entwicklungen "würden momentan anstehen" und seien "im System vorgesehen".
Ganz ohne Kritik kommt der VZBV aber dann doch nicht aus. Der Markt sei für Neukunden wegen der Beitragserhöhungen nicht zu verstehen und der eigene Beitrag schwer zu prognostizieren. Gatschkes Lösung: "Wir fordern wegen der Intransparenz eine jährliche Beitragserhöhung, sodass jeder Kunde die Entwicklungen auf dem Markt einsehen und nachverfolgen kann. Zudem fordern wir, dass die Altersrückstellungen zu einem neuen Anbieter komplett mitgenommen werden können, um auch bei Altverträgen den Wettbewerb zu fördern."
Wer einen solchen Vorschlag für die wirren Gedanken eines Verbraucherschützers hält, der sollte sich einmal anhören, was Debeka Vorstand Roland Weber fordert. Der Vorstand der Koblenzer, die heute gute Zahlen präsentierten (siehe SCHLAGLICHT), möchte ebenfalls mehr Spielräume bei Prämiensteigerungen. Damit sollen sprunghaften Anstiege vermieden werden, die den Anschein vermittelt, die PKV sei besonders teuer.
Bild: Sturm im Wasserglas (Quelle: Günther Gumhold / www.pixelio.de / PIXELIO
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