Märkte & Vertrieb

Wirth: "Die Bafin installiert systemwidrig die Versicherer als zusätzliche Aufsicht“

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der AfW sieht die Makler durch die Bafin bedroht. Ursächlich ist ein Rundschreiben der Aufseher zum Versicherungsvertrieb. Kurz dargestellt fürchtet der Verband eine Benachteiligung der Makler und möchte die eigene Klientel dem Zugriff der Versicherer entziehen. VWheute hat mit AfW-Vorstand Norman Wirth gesprochen, der deutliche und klare Worte an die Bafin richtet.
VWheute: Herr Wirth, wir sprechen wegen einem Bafin-Rundschreiben , dem ihr Verband eine umfassende Erwiderung entgegenstellte. Ein Punkt ihrer Kritik betrifft die Bestimmung zur Qualifikation von Vermittlern, die sie für zu "schwammig und missbrauchsanfällig" halten. Zudem sehen sie die Makler benachteiligt. Können Sie das erläutern und was schlagen Sie vor?
Norman Wirth: Der AfW fordert aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit, dass sich auch die gebundenen Vermittler ebenfalls der IHK-Sachkundeprüfung unterziehen müssen. Dies hatte die Versicherungswirtschaft bereits dem Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages am 18.10.2006 im Rahmen einer Expertenanhörung zugesagt. Dies ist flächendeckend nicht der Fall und der AfW hält entsprechend die Bestimmung zur Qualifikation der gebundenen Vermittler weiterhin für zu schwammig und missbrauchsanfällig. Hier liegt eine nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung zu den Versicherungsmaklern vor. Auch ein zum Beispiel nur auf eine Sparte spezialisierter Makler muss die IHK-Sachkundeprüfung ablegen und kann sich nicht nur auf das Spezialteilgebiet beschränken.
VWheute: Generell scheinen Sie der Meinung zu sein, dass Bafin und Gesetzgeber den Makler nicht schätzen, seine Position als Wahrer der Kundeninteressen nicht erkennen. Woran liegt das, was kann getan werden?
Norman Wirth: Wir sind nicht der Meinung, dass der Gesetzgeber Makler nicht schätzt. Gerade im Gesetzgebungsverfahren zum IDD-Umsetzungsgesetz konnten wir nach erheblicher Aufklärungsarbeit bei vielen Bundestagsabgeordneten erreichen, dass der Status des Maklers als unabhängiger Sachwalter seines Kunden in den Fokus der Aufmerksamkeit kam. Das wiederum führte dazu, dass Eingriffe in diesen Status, die von der Exekutive in den Gesetzesentwurf hineingeschrieben wurden, dann von der Legislative, dem Gesetzgeber, wieder gestrichen wurden – aus Wertschätzung und Achtung für den Maklerstatus.
Etwas anders sehe ich das, mit Verlaub, bei der Bafin – wiederum Exekutive. Regelmäßig erleben wir, so auch bei dem Entwurf des aktuellen Versicherungsvertriebsrundschreibens, das hier die Grenzen zwischen Ausschließlichkeit und Versicherungsmaklern überschritten werden. Das mag einfacher sein, weil es dann immer den Oberbegriff Vertrieb erfasst. Letztlich ist aber die deutsche Vertriebswelt komplex und differenziert und es wäre sehr wünschenswert, wenn die Bafin hier die besondere Rechtsstellung der Versicherungsmakler mehr beachten würde.
VWheute: Möchte der Gesetzgeber aus ihrer Sicht erreichen, dass die Makler von den Versicherern überwacht werden? Was verspricht er sich davon und wäre die Bafin ein besserer Aufseher?
Norman Wirth: Nicht der Gesetzgeber installiert hier über die Bafin die Versicherer als zusätzliche Aufsicht sondern die Bafin installiert über dieses Rundschreiben – und das war auch schon in den Vorrundschreiben so – systemwidrig die Versicherer als zusätzliche Aufsicht.
VWheute: Wer sollte wie die Makler beaufsichtigen/überwachen?
Norman Wirth: Bundesweit die IHKen. Wir haben für Versicherungsvermittler erst seit zehn Jahren ein neues Zulassungs- und Aufsichtssystem durch die IHKen und Gewerbeämter. Dieses System hat sich weitgehend bewährt. Es ist kein überzeugendes Argument für eine grundlegende und mit erheblichem finanziellem und bürokratischem Aufwand verbundene Änderung ersichtlich, wie sie gelegentlich ins Spiel gebracht wird. Die IHKen haben inzwischen großes Know-how und sind mit erheblichem Engagement in der Fläche tätig. Die IHKen können das und wollen das. (vwh)
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz
Bild: Norman Wirth (Quelle: AfW)
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