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Spanien: Pensionsfondsverwalter verlieren Kunden

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Pensionsfondsverwalter erzielen in 2017 ein erneut enttäuschendes Ergebnis. Die vom Branchenverband Inverco vorgelegten Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr zeigen ein schwaches Neugeschäft und eine rückläufige Entwicklung bei der Anzahl der Pensionspläne. Die Politik reagiert auf die Strukturprobleme umgehend mit neuen Maßnahmen.
Die Netto-Neuzuflüsse in Pensionspläne erreichten in 2017 trotz des Wirtschaftsbooms gerade einmal 436 Millionen Euro. Zum Vergleich: Vor der Wirtschaftskrise 2008 flossen jährlich bis zu fünf Milliarden Euro netto in die Pensionspläne. Das verwaltete Vermögen der Pensionsfondsverwalter ist zwar um vier Prozent auf 111 Milliarden Euro gestiegen, jedoch beruht das vor allem auf der Entwicklung der Kapitalmärkte. "Die Reform des Rentensystems ist von zentraler Bedeutung und muss dringend verabschiedet werden", sagt der Präsident von Inverco Ángel Martínez-Aldama.
Der Blick auf die Details macht die Strukturprobleme der Pensionsfonds deutlich. Die Anzahl der Pensionspläne ist in 2017 erneut um 2,1 Prozent auf 9,7 Millionen zurückgegangen. Kein Geschäftssegment konnte sich dabei der negativen Entwicklung entziehen. Im Privatkundengeschäft ist die Anzahl um 2,5 Prozent auf 7,6 Millionen gefallen, im betrieblichen Geschäft um 0,8 Prozent auf zwei Millionen. Beim Rest sieht es mit einem Minus von 2,3 Prozent ebenfalls schlecht aus.
Die Banken dominieren das Pensionsfondsgeschäft eklatant und setzen die produktpolitischen Akzente. Der Branchenprimus ist in 2017 mit einem Marktanteil von 23,5 Prozent die Großbank Caixabank, die mit ihrem hauseigenen Bancassurance-Versicherer VidaCaixa auch den Assekuranzmarkt anführt. Die weiteren Podestplätze gehören den Bankengruppen BBVA (20,1 Prozent) und Santander (8,9 Prozent). Mit der Mapfre und der Allianz Popular befinden sich nur zwei Versicherer mit Allfinanzbündnissen in den Top Ten.
"Wir brauchen dringend ein integriertes Altersvorsorgemodell aus Umlage und Kapitalisierung", sagt Martínez. Für mehr Transparenz fordert er die Zusendung einer jährlichen Renteninformation an die Bevölkerung, die von der Regierung eigentlich schon 2011 angekündigt wurde. Kaum ein Land steckt wegen seiner Demographie mehr in der Rentenfalle, aber in der Bevölkerung wird das Problem nicht wahrgenommen. Keine der Parteien will das unpopuläre Thema benennen. Neben zusätzlichen Steueranreizen will Inverco zudem mehr Pflichtkomponenten bei der betrieblichen Altersvorsorge.
Die Regierung von Mariano Rajoy hat auf die Probleme umgehend reagiert und gerade ein Gesetz verabschiedet, um den Pensionsfonds neues Leben einzuhauchen. Künftig werden die zulässigen Verwaltungskosten gedeckelt. Zudem müssen die Pensionsfonds nicht mehr komplett bis zum Renteneintritt gehalten werden. Eingezahlte Beiträge sind bereits nach einer Haltedauer von zehn Jahren verfügbar. Der Attraktivität der dann liquideren Pensionspläne dürfte dies zweifelsohne gut tun, das politische Signal in Sachen Altersvorsorge ist allerdings fragwürdig. Inverco befürchtet massive Kapitalabflüsse. (reh)
Bild: Die CaixaBank ist der größte Pensionsfondsverwalter Spaniens (Quelle: reh)
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