Schlaglicht

Weiterbildung unter IDD: Innendienst ist auch betroffen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Umsetzungszeitraum der IDD endete am Freitag. Die Regeln werden die Branche verändern, auch die Weiterbildung. Während in den meisten Unternehmen die Umsetzung meist auf den Vertrieb ausgerichtet ist, scheint die Umsetzung im Innendienst der Versicherer mit großen Hemmnissen belegt zu sein. Professor Matthias Beenken und Reinhardt Lüger von 3L Consult erklären in einem Gastbeitrag die Hintergründe.
Häufig wird in Abrede gestellt, dass die Anforderungen, die den Vertrieb betreffen, so auf den Innendienst zutreffen, es sei denn er sei ganz unmittelbar beispielsweise als Kundenservicecenter am Vertrieb beteiligt. Das Ganze stelle auch kein Problem dar, da die Unternehmen sowieso alle Mitarbeiter regelmäßig fortbilden würden. Auch hört man häufiger, dass die IDD in ihrer Gesamtheit doch noch nicht in Kraft getreten sei, weil die EU-Kommission eine Verschiebung der Anwendbarkeit auf den 1. Oktober 2018 angekündigt hat. Dabei ist das deutsche Umsetzungsgesetz in den wesentlichen Teilen am 23.2.108 in Kraft getreten.
Die Unternehmen, die sich der Umsetzung der Vorgaben zur Qualifizierungsverpflichtung von Innendienst-Mitarbeitern stellen, richten ihr Augenmerk scheinbar zuallererst auf die Erfüllung des Begriffs "angemessene Qualifikation", und hier auf die grundsätzlichen Anforderungen aus der Anlage 1 des VersVermV-Entwurfes. Diese Anlage 1 ist allerdings in dem ersten Entwurf nicht mit der Anlage 1 der IDD identisch, die einen umfangreicheren und differenzierteren Anforderungskatalog enthält.

Warum die Reserviertheit bei der Umsetzung?

Es ist davon auszugehen, dass das Bundeswirtschaftsministerium diese Abweichung noch beseitigen und die Anlage 1 IDD zur Grundlage der VersVermV machen wird. Diese Anlage bietet sicherlich einen Orientierungsrahmen, aber die Inhalte der Weiterbildung dienen eindeutig zum Erhalt, der Anpassung und der Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit.
Die Ursachen für die teilweise vorherrschende Reserviertheit in der Umsetzung mögen mannigfaltig sein: Andere PE- oder strategische Schwerpunkte in der Unternehmenspolitik, fehlende Informationen, offene Fragen im Umgang mit der einzuführenden Lernerfolgskontrolle, Angst vor Konsequenzen in und aus der Umsetzung, fehlende Ressourcen bei steigenden Kosten, um an dieser Stelle nur einige aufzuführen.

Mitarbeiter müssen die Notwendigkeit der Qualifizierung selbst erkennen

Das VAG sagt zwar, dass die Versicherer sicherzustellen haben, dass die im Vertrieb tätigen Mitarbeiter angemessen qualifiziert und regelmäßig weitergebildet sein müssen. Es liegt dennoch am einzelnen Mitarbeiter selbst, die Notwendigkeit einer Qualifizierung zu erkennen und die Bereitschaft, diese auch in dem definierten Zeitraum durchzuführen. Da es keine altersbedingten Einschränkungen zu der Weiterbildungsverpflichtung gibt, sind die Unternehmen gut beraten, entsprechende vertragliche Regelungen mit dem Mitarbeiter einzugehen, oder über Betriebsvereinbarungen zu agieren.
Auch diese Aufgaben sind nicht neu in den Versicherungsunternehmen. Die Weiterbildungsverpflichtung stellt die Unternehmen vor keine unüberwindlichen Hürden, sondern baut auf den bereits vorhandenen Verfahren auf. Dass diese an einigen Stellen angepasst werden müssen, ist Tagesgeschäft der HR-Bereiche. Aktuell qualifizierte Mitarbeiter zu haben, die kundenorientiert handeln und denken, die Auswirkungen der Digitalisierung im Sinne des Unternehmens beherrschen, die ihre Handlungskompetenz immer auf dem neuesten Stand halten, sind zukunftsorientiert ausgerichtete Mitarbeiter. Die Vorgaben der Insurance Distribution Directive liefern dazu einen wesentlichen Baustein, der seit dem 23.02.2018 in der Praxis erlebt werden kann. Es spricht nichts dagegen, sondern nur dafür.
Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der kommenden März-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Bild: Matthias Beenken, Professor für Betriebswirtschaftslehre (Quelle: FH Dortmund)
IDD · Matthias Benken