26.02.2018Märkte & Vertrieb

Auf der Suche nach mehr Effizienz im Gesundheitswesen

Von VW-RedaktionVW heute
Zu Beginn der neuen Legislaturperiode gibt es viele neue Forderungen an die Politik. Weitere Reformen des Gesundheitswesen scheinen unausweichlich, soll auch in Zukunft gelten: Deutschland hat das beste Gesundheitssystem der Welt. Auf dem Kassengipfel in Berlin nutzen die Vertreter von Verbänden und Krankenkassen die Gelegenheit zur Abrechnung.
Welche Regierung die 19. Legislaturperiode prägen wird, steht derzeit noch in den Sternen beziehungsweise hängt vom Votum der SPD Mitgliederbefragung ab. Sicher ist lediglich, die Themen Gesundheit und Pflege stehen weiter ganz oben auf der Agenda. Das wurde auch am zweiten Tag des MCC-Kongress Kassengipfel deutlich. Die paritätische Finanzierung der Krankenkassenbeiträge steht weiter in der Diskussion und wird zu einem intensiven Disput zwischen den beteiligten Parteien führen. Das Thema Bürgerversicherung ist auch noch nicht ganz in der Versenkung verschwunden und wird vor allem von der SPD beständig ventiliert. Davon unbeeindruckt schlägt das Stichwort Digitalisierung immer neue Schneisen in die althergebrachten Strukturen. Ob E-Health-Gesetz, elektronische Patientenakte, Telematik-Infrastruktur und Tele-Behandlung, Ansätze für Kostenersparnisse und mehr Effizienz im Gesundheitswesen liegen zwar auf der Hand, sie sind aber noch nicht wirklich realisiert.

Macht Digitalisierung alles besser

In der neuen Legislaturperiode könnte nun das E-Health-Gesetz erweitert werden, wie erste Signale aus dem Gesundheitsministerium zeigen. Dazu hat sich in den letzten Jahren ein weiteres Thema in den Forderung geschoben: Die Vereinheitlichung des ambulanten und stationären Sektors. Die Politik scheint gewillt, die starren Grenzen aufzubrechen und die Rahmenbedingungen für eine sektorenübergreifende Qualitätsorientierung zu etablieren. Damit könnten unnötige Zusatzausgaben für die Krankenversicherungen vermieden werden, zeigten sich die Gesundheitsexperten auf dem Kongress überzeugt. "Umbau statt Abbau" ist dabei für den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, das Gebot der Stunde. Gassen setzte sich kritisch mit der fachärztlichen Versorgung und den stationären Überkapazitäten auseinander und sah vor allen Dingen in der Neugestaltung vollstationärer Strukturen zu ambulanten Zentren einen wichtigen Lösungsansatz. An die Politik stellte Gassen in diesem Zusammenhang eine Reihe von Forderungen:
In der anschließenden Diskussionsrunde über das Gesundheitswesen debattierten Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e.V., Roger Jaeckel, Leiter der Projektgruppe ASV und Andreas Gassen über das Thema "Kliniklandschaften im Visier - Notwendige Investitionen und Strukturen in Gefahr?". Moderiert wurde die Runde von Karin Vanis, Redakteurin im ehemaligen Hauptstadtstudio des ZDF. Hier im Video die wichtigsten Aussagen:

Neuer starker Mann im Gesundheitswesen

Jens Spahn wird neuer Gesundheitsminister. Der merkelkritische, konservative Politiker (37) soll in der wohl kommenden Regierung von CDU und SPD das Gesundheitsministerium führen, wie mehrere Medien berichteten. Er wird damit Chef eines Ressorts mit rund 15 Mrd. Euro Etat und trägt Verantwortung über ein Gesundheitssystem, das für über 80 Millionen Menschen zuständig ist. Spahn besitzt in seinem neuen Aufgabengebiet Erfahrung, war er doch vor seiner Zeit als Finanzstaatssekretär stark in gesundheitspolitische Fragen und Debatten involviert. Das Gesundheitsministerium gilt als schwierige politische Aufgabe, was nicht zuletzt der Kassengipfel in Berlin zeigte.
Merkel geht mit der Ernennung auf ihrer innerparteilichen Kritiker zu, die einen Ministerposten für den wegen seiner mitunter populistischen Attacken, unter anderem Burka-Verbot und Islam-Gesetz, in konservativen Kreisen beliebten Spahn gefordert hatten. Wie er zur PKV/GKV-Debatte und anderen drängenden Fragen steht, welche Ziele er verfolgen wird und was die Ernennung für die PKV bedeutet, wird ein Thema der nächsten Tage sein. Auch auf VWheute.
Anmerkung der Redaktion: Der Absatz über Jens Spahn wurde nachträglich zum vorangegangenen Text hinzugefügt.
(vwh/ak)
Bild: Als reges Diskussionsforum zu den drängendsten Fragen im Gesundheitswesen präsentierte sich der Kongress Kassengipfel in Berlin. (Quelle: Alexander Kaspar)
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