Politik & Regulierung

DSGVO sorgt für Weiterbildungsbedarf bei Vermittlern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Bereits im Mai 2016 ist die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten, ab 25. Mai 2018 muss sie von allen Unternehmen verbindlich angewendet werden – natürlich auch von Versicherungsvermittlern. Wer noch nicht fit ist, kann noch schnell eine Weiterbildung buchen. So bietet unter anderem die Vema im Extranet eine achtteilige Online-Serie zu den aktuellen Datenschutzanforderungen.
Mit der DSGVO steigen die Datenschutzanforderungen an Unternehmen. Setzen Unternehmen die Vorgaben nicht entsprechend und hinreichend um, drohen Sanktionen wie Bußgelder, Schadensersatzprozesse und kostspielige wettbewerbsrechtliche Abmahnungen. Bußgelder können dann entweder in einer Höhe von bis zu vier Prozent des globalen Umsatzes oder von bis zu 20 Mio. Euro verhängt werden, je nachdem was höher ist. Bisher waren Bußgelder von maximal 300.000 Euro möglich. Damit wurde der Bußgeldrahmen durch die DSGVO deutlich erhöht.

Gerichte werden sensibel reagieren

Experten gehen davon aus, dass sich Wettbewerber und auf Abmahnungen spezialisierte Rechtsanwälte mit den Änderungen durch die DSGVO befassen und Verstöße entsprechend abmahnen lassen. Und obwohl die Gefahr, wegen Datenschutzverstößen wettbewerbsrechtlich abgemahnt zu werden hoch ist, wird es vielen – vor allem kleinen – Unternehmen schwerfallen, sich permanent damit zu befassen. Dennoch muss sich auch der Geschäftsführer von Vermittlerbetrieben mit den Neuerungen vertraut machen. Denn die Gerichte werden künftig noch sensibler bei Datenschutzverstößen reagieren und dieses entsprechend personalisieren.

Checkliste gibt erste Anhaltspunkte

Erste Anhaltspunkte können Tipps und Hinweise geben, die beispielsweise von spezialisierten Anwaltskanzleien wie der Hamburger Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte in Partnerschaft mbB gegeben werden. Sie veröffentlicht hier eine Checkliste, womit sich speziell Makler noch unbedingt beschäftigen müssen, bevor es Ende Mai losgeht. Zwar sei auch kurz vor Einführung der Verordnung noch einiges unklar, betont der Autor Björn Thorben M. Jöhnke, Fachanwalt für Versicherungsrecht.
"Leider hat der Gesetzgeber mit der DSGVO noch viele Fragen offengelassen, nämlich gerade diejenigen nach der praktischen Umsetzung der DSGVO, vor allem im Unternehmen." Fraglich ist auch, ob die sogenannte E-Privacy-Verordnung rechtzeitig anwendbar sein wird. Diese Verordnung soll die allgemeinen und abstrakten Vorgaben der DSGVO bereichs- und risikospezifisch konkretisieren, wie Jöhnke betont. Derzeit seien die rechtlichen Neuerungen aus dieser Verordnung weder vollumfänglich bekannt noch würden sie überhaupt vollständig feststehen.
Trotz – oder gerade wegen – dieser Unsicherheiten empfiehlt es sich für Vermittlerbetriebe, sich mit den Grundzügen und den wichtigsten Anforderungen der DSGVO vertraut zu machen. Einige Weiterbildungsanbieter haben entsprechende Seminare im Angebot, von denen hier eine Auswahl vorgestellt werden soll. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um Online-Angebote, die sich zeitschonend in den Arbeitstag integrieren lassen.

DMA informiert über Datenschutz

Die Deutsche Makler Akademie (DMA) lädt am 16. April von 10.00 bis 10.50 Uhr zu einem Online-Seminar in Sachen Datenschutz. Es kostet 39 Euro und kann online gebucht werden. Es wird dafür ein Weiterbildungspunkt für "gut beraten" vergeben. Schon am 8. März veranstaltet das Forum-Institut von 9 bis 18 Uhr ein Präsenz-Seminar in Köln, allerdings zum stolzen Preis von 990 Euro plus Mehrwertsteuer. Es richtet sich auch eher an Versicherungsunternehmen, ist aber auch für Vertriebler geeignet, wie das Institut betont.
Ein Online-Seminar kann auch bei der Deutschen Versicherungsakademie (DVA) gebucht werden. Allerdings erst am 24. und 25. Oktober jeweils von 10.00 bis 11.30 Uhr. Es kostet 89 Euro plus Mehrwertsteuer und befasst sich vorrangig mit dem Beschäftigtendatenschutz, also nicht mit dem Schutz von Kundendaten. Bei Profino (Alsterspree Verlag GmbH) können Interessenten einen Kurzvortrag zum Thema Datenschutz und DSGVO, gehalten von der Unternehmensberatung RWM Group, anhören und ansehen – kostenlos

Lernprogramm mit Zertifikat

Online wird auch beim Bildungsanbieter VIWIS gelernt. Das Lernprogramm zum EU-Datenschutzgesetz vermittelt zeit- und ortsunabhängig die Grundlagen des neuen Gesetzes. Es kann jederzeit auch am Tablet oder am Smartphone absolviert werden und besteht aus verschiedenen Modulen, die einzeln oder komplett genutzt werden können. Die Gesamtdauer beträgt 45 Minuten, integriert sind ein Erklärfilm und ein Lexikon, das alle Begriffe rund um das DSGVO erklärt.
Am Ende gibt es ein Abschlusstest mit Zertifikat zum Ausdrucken. Die Kosten richten sich nach der Teilnehmerzahl und betragen ab fünf Euro pro User. Bei weniger als 500 Nutzern (Mindestzahl sind 100) fallen zehn Euro pro Teilnehmer an. Dazu kommen jährliche Pflegegebühren von 20 Prozent. Eine Individualisierung des Lernprogramms ist auf Anfrage möglich, die Kosten richten sich nach Aufwand. "Natürlich kann das Lernprogramm auch in ein Lernmanagementsystem integriert werden. Kunden erhalten dann von uns ein Lernpaket", erklärt VIWIS-Marketingchefin Claudia Otto.
Die VEMA Versicherungs-Makler-Genossenschaft eG bietet über ihre Akademie bzw. über den Akademie-Teil im Extranet eine achtteilige Online-Serie zum Thema sowie einen Workshop an den VEMAtagen in Fulda. Referentin ist in allen Fällen die VEMA-Datenschutzbeauftragte Anja Börner. Der Workshop findet am 26.04. 15.15 Uhr unter der Überschrift "Anforderungen aus der Europäischen Datenschutzgrundverordnung" statt. Die Online-Schulungen können zu folgenden Terminen gebucht werden (jeweils 14 Uhr):
  • Teil 1: Grundlagen des Datenschutzes (1/2) - Lösungen der VEMA, 05. März
  • Teil 2: Grundlagen des Datenschutzes (2/2), 09. April
  • Teil 3: Technische und organisatorische Maßnahmen, 24. Mai
  • Teil 4: Organisation im Betrieb (1/2), 11. Juni
  • Teil 5: Organisation im Betrieb (2/2), 09. Juli
  • Teil 6: Datenpanne - Haftung und Sanktionen, 13. August
  • Teil 7: Erfolgskontrolle und Überwachung, 10. September
  • Teil 8: Datenschutzmanagement integriert in die Unternehmensprozesse, 15.Oktober. Für die angebundenen Makler entstehen dafür keine Kosten.
(epo)
Bildquelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)
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