Märkte & Vertrieb

IDD ist idealer Anlass um IT-Systeme zu erneuern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Anforderungen der Insurance Distribution Directive Richtlinie (IDD) umzusetzen, war für die Branche eine Herkulesaufgabe. Wie die Nürnberger Versicherung die Vorgaben realisiert hat und welche Chancen aus ihnen gewonnen werden können, erklärt Marlene Steinmann, Projektleiterin IDD bei der Nürnberger, in einem exklusiven Gastbeitrag für VWheute.
Die IDD wurde erst im Sommer 2017 in die deutschen Gesetze übertragen. Notwendige Verordnungen sind bis heute noch im Entwurfsstadium. Trotz dieser Rechtsunsicherheit mussten wir frühzeitig beginnen, anhand der Richtlinie absehbare Lücken zu identifizieren, um unseren Handlungsbedarf transparent zu machen. Und dieser besteht nicht nur im Vertrieb: Zahlreiche andere Bereiche, wie beispielsweise die Produktentwicklung und die Aus- und Weiterbildung sind ebenfalls unmittelbar von der Vermittlerrichtlinie betroffen.
Auswirkungen hat sie auf fast alle Bereiche in unserem Haus. Die Projektsteuerung ist dadurch vor hohe fachliche, organisatorische und vor allem bereichsübergreifende Anforderungen gestellt. Denn werden die Anforderungen der Richtlinie nicht eingehalten, ist mit drastischen Sanktionen zu rechnen.
Um den Vorgaben der IDD fortlaufend gerecht zu werden, müssen auch künftig die regulatorischen Entwicklungen beobachtet und umgesetzt werden. Ihre Einführung schafft langfristig neue Aufgabenfelder in unserem Unternehmen. Dies bedeutet für die einzelnen Fachbereiche sowie für die Abteilung Compliance und Recht einen enormen Folgeaufwand.

IDD als Möglichkeit nutzen

Die IDD bietet aber auch zahlreiche Chancen. Denn die Anforderungen können als Anlass genommen werden, Produkte anzupassen, neue zu entwickeln sowie die Vertriebswege des Unternehmens zu stärken. Wir konzentrieren uns daher beim Umsetzen auf Maßnahmen, die den Vertrieb nachhaltig unterstützen. Bei uns steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir das Potenzial der Richtlinie effizient für unsere Kunden und Vermittler nutzen können.

Innovative Ideen verwirklichen

Anpassungen der elektronischen Beratungsprozesse im Vertrieb sollten den Außendienst optimal beim Umsetzen der IDD unterstützen. Die IDD stellte somit den idealen Anlass dar, nicht mehr zeitgemäße und komplizierte Prozesse sowie Inhalte zu überarbeiten und IT-Systeme zu erneuern. Diese Änderungen mussten mit viel Aufwand im Außendienst umgesetzt werden. Damit kann nun eine standardisierte und zugleich auf den Kunden individuell ausgerichtete Beratung garantiert werden.
Ein Interessenkonflikt zwischen Versicherungsunternehmen und IDD bestand außerdem in den Anreizen für die Vermittler. Gebühren, Provisionen und nichtmonetäre Vorteile dürfen laut Richtlinie nur gezahlt werden, sofern sie sich nicht nachteilig auf die Qualität der Dienstleistung für den Kunden auswirken.
Um einen Konflikt zwischen Vergütung, Vermittlung oder gar vorgegebenen Verkaufszielen zu vermeiden, führten wir eine umfangreiche Analyse durch, bei der alle von der Eiopa entworfenen Szenarien im Hinblick auf Nürnberger Vergütungsarten beurteilt wurden. Wir integrierten Maßnahmen zur Risikominimierung, die dafür sorgen, dass die Vergütung des Vermittlers nicht mit den Kundeninteressen kollidiert.
Eine große Chance für eine Qualitätssteigerung birgt auch die Pflicht zur Weiterbildung, die für alle am Vertrieb beteiligten Mitarbeiter gilt – sowohl im Innen- als auch im Außendienst. Hier mussten wir zuerst die Personengruppen identifizieren, die von dieser Regelung betroffen sind.
Wir haben bewusst einzelne Angestellte nicht aus Aufgabengebieten herausgenommen, die nach den neuen Vorgaben eine Weiterbildung erfordern. Sondern es war uns wichtig, die IDD als Fortbildungsoffensive zu nutzen und einer möglichst großen Zahl an Mitarbeitern die Gelegenheit zu geben, sich zum Vorteil unserer Kunden weiterzuentwickeln.
Versicherungsunternehmen sollten das Potenzial, das die Herausforderung IDD birgt, erkennen und nutzen. Mit ihr kann die Kommunikation mit dem Kunden transparenter und hochwertiger gestaltet werden. Das ist zwar sicher ein langfristiger Prozess. Doch diesen Wandel, der die gesamte Versicherungsbranche betrifft, verzeichnet die Nürnberger als positive Entwicklung im Sinne ihres Leitbildes: klar, unkompliziert, solide.
Bild: Marlene Steinmann spricht heute auf dem Juristischen Kolloqium zur Umsetzung von IDD. (Quelle: Nürnberger)
IDD · Marlene Steinmann