21.02.2018Märkte & Vertrieb

"Die Rente ist sicher!" Bis 2025 und dann?

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Zukunftsmarkt Altersvorsorge - aktuelle Entwicklungen in einem dynamischen Markt. So lautet die harmlose Überschrift des diesjährigen Vorsorgekongress´ zu den Themen Gesetzliche Rente, Private Altersvorsorge und betriebliche AV in Berlin. Wie dynamisch die Entwicklung ab dem Jahr 2025 tatsächlich wird, versuchten mehr als 100 Experten aus Politik, Versicherungsbranche und Ökonomie zu eruieren.
Vor 60 Jahren gegründet hat das deutsche Rentensystem bereits sechs sogenannte Jahrhundertreformen überstanden und weitere werden, davon ist Bert Rürup, ehemaliger Wirtschaftsweiser und heute Präsident des Handelsblatt Research Instituts sicher, folgen. Noch nie hat eine Reform mehr als zwei Legislaturperioden gehalten, denn Rentenpolitik besteht im Kern aus beständigen Nachsteuern gefundener Kompromisse, der ständigen Herausforderung nach einer gerechten Verteilungsfrage.
Mit Blick auf die sogenannte "Mütterrente" sagte Rürup: "Dies ist Klientel-Politik und sie ist ungerecht". Sorge bereitet dem Ökonomen die Digitalisierung. Diese schaffe zwar neue Arbeitsplätze, sorge aber auch für eine "Entbetrieblichung" der Arbeit mit durchaus dramatischen Konsequenzen für die betriebliche Altersvorsorge. Was damit gemeint ist erläutert Rürup hier im Interview mit VWheuteTV.
Dabei sind die konjunkturellen Aussichten so gut wie selten, referierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank in seinem mit Spannung erwarteten Vortrag. "Neue Regierung - neuer Schwung für Deutschland?" hatte Kater seinen Exkurs überschrieben und wenn man die Wirtschaftsnachrichten verfolgt, kann man konstatieren, ja "es läuft" in Deutschland, sogar die Holzpaletten werden knapp.
Dabei ist das Ende der Industriearbeit aber schon abzusehen und damit steht möglicherweise auch eine Erosion der betrieblichen AV ins Haus, so Kater weiter. Auch wenn derzeit eine weltweit synchrone Konjunktur anläuft und auch eine Zinswende am Horizont erscheint, ist nicht alles Sonnenschein was in der Wirtschaft läuft. So stellt sich weiter die Frage nach den wirklich sicheren Anlagen, den "save assets". Was die aktuelle Gemengelage jedoch für die Renten und Altersvorsorge konkret bedeutet beantwortet der Experte ausführlich hier im Interview.
Konkret wurde auch der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) beim Thema "Deutschlandrente". Ein Allheilmittel gegen die Altersarmut ist sie zwar nicht, so Schäfer in seiner Rede, aber ein wichtiger Schritt, denn:
Einige Bruchlinien wurden allerdings schnell in der ersten Diskussionsrunde zum Thema Betriebsrentenstärkungsgesetz deutlich. Hier diskutierten Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung BDA, Annelie Buntenbach vom DGB, Peter Maier, Leiter der Abteilung Steuern, Altersvorsorge und Statistik BVI, Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und Thomas Jasper von Willis Towers Watson.
Hoch ging es her bei der abschließenden großen politischen Diskussionsrunde zu der Fragestellung nach den rentenpolitischen Herausforderungen der neuen Bundesregierung. Als Vertreter der Partei Die Linke forderte Matthias Birkwald ein Rentenniveau von mindestens 53 Prozent. Ralf Kapschack (SPD) verteidigte in seinem Beitrag die gesetzliche Rente als Dreh- und Angelpunkt, diese sollte, wie auch die Mütterrente, aus Steuergeldern finanziert werden. Einen Mix verschiedener Elemente favorisierte hingegen Markus Kurth von den Grünen, dabei sollten jedoch die Grundlagen verbreitet werden und auch längere Arbeitszeiten konnte sich Kurth in dem Zusammenhang vorstellen.
Jörg Meuthen von der Alternative für Deutschland bekannt freimütig, dass seine Partei hier noch in der Diskussion sei und noch keine einheitliche Position verkünden könnte, allerdings befürwortete Meuthen eine Rentenreform innerhalb des bestehenden Systems. FDP-Vertreter Johannes Vogel forderte seinerseits, dass die private Vorsorge nicht schlechtgeredet werden dürfte und an die Großkoalitionäre gerichtet wünschte sich der Rentenexperte mehr Flexibilisierung. In der von Bert Rürup moderierten Schlussrunde skizzierten alle Beteiligten noch einmal ihre Positionen. Hier im ausführlichen Video:
Der MCC-Kongress Zukunftsmarkt Altersvorsorge - aktuelle Entwicklungen in einem dynamischen Markt wird heute fortgesetzt, VWheute berichtet weiter. (vwh/ak)
Bild: In der großen politischen Diskussionsrunde stießen die Meinungen hart aufeinander. (Quelle: Alexander Kaspar)
Rente
Alexander Kaspar
Der Autor ist freier Journalist.