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Aktien: Versicherer zwischen Lust und Frust

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Deutschen sparen oft, gut und falsch. Zahlreiche Studien bemängeln die zu geringe Risikobereitschaft, besonders im Hinblick auf Aktien. Das haben sich die Angegriffenen offenbar zu Herzen genommen, es gibt so viele Aktionäre wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr. Können die Versicherer jedoch an der Entwicklung partizipieren?
Nach aktuellen Informationen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) besitzen 4,9 Mio. Deutschen Aktien, das sind über 500.000 mehr als im Jahr 2003. Höher lagen die Zahlen nur in den Jahren 2000 und 2001, also kurz vor dem Börsencrash. "Die Entwicklung des vergangenen Jahres ist ein gutes Zeichen", kommentiert Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des DAI, "offenbar erkennen immer mehr Menschen die Vorteile der Aktienanlage für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge."
Wie viel die Ergebnisse tatsächlich im Einzelnen wert sind, bleibt unsicher, es wurde in der Umfrage nicht nach Umfang und Art des Investments gefragt. Dennoch scheint sich beim Thema Aktien hierzulande langsam etwas zu tun, auch wenn nach wie vor besonders Frauen und einkommensschwache Schichten mit dem Investment fremdeln.

Die Versicherer erkennen die Zeichen der Zeit

Natürlich haben neben den Kunden auch die Versicherer längst erkannt, dass mit Staatsanleihen und anderen Investments keine überragenden Renditen mehr zu erzielen sind. Viele Unternehmen bieten gar keine klassische Lebensversicherung mehr an oder nur noch auf Nachfrage. Das neue Lieblingskind der Branche ist, neben der bAV , die fondsgebundene Versicherung, bei denen ein Teil des angesparten Geldes in (Aktien-) Fonds angelegt wird, teilweise mit, teilweise ohne Garantien.
Laut GDV waren die fondsgebundenen Versicherungen im Jahr 2017 mit einem Anteil von zehn Prozent am Gesamtgeschäft beteiligt – klassische Versicherungen 40 Prozent, Versicherungen mit Garantien, inkl. "neue" Garantiemodelle 50 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2016 hat sich der Anteil der fondsgebundenen Versicherungen am Gesamtgeschäft verdoppelt.
Die Allianz als Primus glaubt ebenfalls an das neue Geschäft: "Mittlerweile machen bei uns diese Verträge mit neuen Garantien und Risiko-Produkte im Neugeschäft bei Privatkunden 90 Prozent aus, mit steigender Tendenz. Mit dieser Entwicklung sind wir sehr zufrieden." [Anmerkung der Redaktion: Die Angaben beziehen sich auf Q3/2017.]
Es tut sich also was auf dem Markt für Aktien, wie das Beispiel Allianz zeigt. Das die Versichere dort aber so einfach hereinspazieren können, ist noch längst nicht geklärt. Große internationale Finanzunternehmen wie Universal oder Blackrock werden sich dem Kampf um die aktienwilligen Kunden stellen. Diese Unternehmen besitzen eine jahrelang gewachsene Expertise auf dem Gebiet, die nicht jeder Versicherer vorweisen kann.
Auch das gerne angebrachte Argument mit dem Todesfallschutz greift nicht. Der in einem fondsgebundenen Produkt mitversicherte Todesfall kann über eine Risiko-LV innerhalb von Minuten online abgedeckt werden und sollte damit für die Kunden kein ausschlaggebendes Kriterium pro Versicherung sein.
Im Endeffekt müssen die Versicherer den Interessenten beweisen, dass sie die bessere Alternative im Aktiengeschäft sind. Das geht nur über Ergebnisse. (vwh/mv)
Bild: Chartanalyse (Quelle: Konstantin Gastmann / www.pixelio.de / PIXELIO)
Grafikquellen: Grafik 1 und Grafik 2 von Statista, sowie GDV
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