Unternehmen & Management

Dirksen über Run-off: "Reaktion der Makler war ruhig"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ende Juni 2017 hat die Düssseldorfer Arag ihre Lebensparte in den Run-off geschickt. Rund 322.000 Verträgen mit Kapitalanlagen über 2,8 Mrd. Euro wurden dabei von der Frankfurter Leben übernommen. "Wir haben die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen", sagt Arag-Vorstand Renko Dirksen im Exklusiv-Interview mit VWheute.
VWheute: Herr Dirksen, beim Verkauf des LV-Geschäftes hörte man, dieser sei "definitiv nicht aus der Not heraus" entstanden. Warum haben sie sich zum externen Run-off entschieden?
Renko Dirksen: Der Arag Konzern entwickelt sich ausgesprochen erfolgreich und dynamisch. Wir wachsen seit einigen Jahren besser als der deutsche Markt. Zudem ist die Arag sehr stark internationalisiert und erwirtschaftet dort nachhaltig gute Erträge.
Diese erfolgreiche Entwicklung wird vom Sach- und Krankenversicherungsgeschäft getragen. Es war daher klar: Wenn die Arag ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken will, wird die Zukunft des Unternehmens nicht im Lebensversicherungsgeschäft entschieden – so wie es bei vielen Wettbewerbern der Fall ist.
Vielmehr kann es nur darum gehen, das Sach- und Krankenversicherungsgeschäft in Deutschland auszubauen und das Rechtsschutzgeschäft weiter zu internationalisieren. Diese sehr klare Ausgangslage zog zwangsläufig Fragen nach der Aufstellung des Unternehmens nach sich. Wir haben es in der Hand gehabt, unsere Schlagkraft national wie international deutlich zu stärken oder gerade eben nicht. Das haben wir für uns entschieden.
VWheute: Wie waren und sind die Reaktionen der Kunden auf den Run-off; hat die Reputation der Arag gelitten und wie fanden die Makler den Schritt?
Renko Dirksen: Nur um genau zu sein: Wir können nicht sagen, wie die Reaktion der Kunden in der Run-Off-Phase ist. Wir wissen nur, wie die Kunden auf die Verkaufsentscheidung durch die Arag SE reagiert haben. In diesem gesamten Prozess haben wir sehr viel Sorgfalt auf die Kommunikation unserer Entscheidung gelegt und dabei ganz eng mit der Käuferseite zusammengearbeitet.
Die gesamte Führungsmannschaft hat viel erklärt und erläutert, um unsere Motive so transparent wie möglich darzulegen. Wir haben unmittelbar nach der Bekanntgabe des Verkaufes vielleicht knapp 100 Rückfragen von Kunden bekommen, die zumeist kurz vor ihrem Vertragsablauf standen und einen normalen Informationsbedarf hatten. Auch im Maklermarkt waren die Reaktionen ruhig, weil wir unseren Partnern den Schritt ausführlich erklärt haben.
Zudem bieten wir unseren Kunden weiterhin leistungsfähige Altersvorsorgeprodukte, die wir in Kooperation mit der Alten Leipziger vertreiben. Wir sind mit dieser Zusammenarbeit ausgesprochen zufrieden. In der Rückschau würde ich sagen, dass die Neuausrichtung der Arag ihrer Reputation nicht geschadet hat, ganz im Gegenteil.
VWheute: Der Chef der Ideal sprach davon, dass der Run-off ein Kollateralschaden für die Branche sei. Dietmar Bläsing sagte: "Wir versichern Kunden und keine Akten, die man bei Nichtgefallen einfach weiterverkauft." Was sagen sie zu solchen Äußerungen, ist sich jeder Versicherer selbst der Nächste?
Renko Dirksen: Die Arag ist in der Branche ganz gut vernetzt und wir kennen keine Entscheidungsträger in der Versicherungswirtschaft, die sich ihrer Verantwortung für ihre Kunden nicht sehr klar bewusst sind. Wir haben auf der Basis unserer strategischen Aufstellung und unserer sehr erfolgreichen Geschäftsentwicklung eine Entscheidung getroffen, die genau zu uns passt.
Im gesamten Verkaufsprozess stand die nahtlose Weiterführung aller Kundenbeziehungen zu unveränderten Bedingungen ganz klar im Vordergrund. Wir sind unverändert davon überzeugt, dass die Frankfurt Münchener Lebensversicherung mit ihrer klaren Ausrichtung auf die schwierigen Rahmenbedingungen einer Tiefzinsphase den Aarag Lebensversicherungs-Kunden ein gutes Umfeld zur Weiterführung ihrer Verträge bietet.
VWheute: Hat sich der Run-off für die Arag gelohnt?
Renko Dirksen: Wir haben die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Das erste Geschäftsjahr ohne eigenen Lebensversicherer zeigt: Die Arag bleibt auf ihrem Erfolgskurs.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Renko Dirksen, Vorstand Konzernentwicklung/Betriebsorganisation bei der Arag SE, spricht heute zu diesem Thema auf der 5. SZ-Fachkonferenz: Run-Off in Hamburg. (Quelle: Arag)
ARAG · Run-off · Renko Dirksen