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Talanx verspricht Zukäufe und klagt über US-Steuerreform

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx in Hannover will anorganisch wachsen. "Wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt, werden wir einen Zukauf ins Auge fassen“, sagte der scheidende Konzernchef Herbert K. Haas in einem abendlichen Gespräch mit Journalisten. Im Visier hat er die USA, Kanada, Japan, Australien und Südafrika. Mehr Kopfschmerzen bereite dem Konzern jedoch zurzeit die US-Steuerreform.
Sein besonderer Blick gelte jedoch den USA, auch wenn sich dort, wie Haas meinte, schon viele die Finger verbrannt haben. Die Kriegskasse ist mit fünf Mrd. Euro gefüllt, wobei der Betrag noch durch Kapitalerhöhungen aufgestockt werden könnte. Am Versicherer XL Catlin auf den Bermudas, an dem auch die große Allianz interessiert ist, wagt sich die Talanx nicht zuletzt wegen der erforderlichen zehn Mrd. Euro nicht heran. Dabei käme der Versicherer der Talanx vor dem Hintergrund der US-Steuerreform durchaus zupass, da dieser von den geplanten Erhöhungen nicht betroffen wäre. Haas, vorsichtiger Schwabe der er ist, will dennoch nicht alle Eier in einen Korb legen.
Die geplante Verdoppelung der Steuer in den USA für die Geschäfte von US-Töchtern mit ihren ausländischen Mutterkonzernen erfordert laut Haas eine Verlagerung von Kapital in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar in die USA. Das Geld ist zwar im Konzern vorhanden, bringt jedoch größere Umschichtungen in der Gruppe mit sich. Erwogen wird auch die Übernahme von Beständen von US-Geschäft bei deutschen Talanx-Gesellschaften durch eine Tochter, die in den USA versteuert.
In die Pläne des Konzerns, das Auslandsgeschäft weiter zu stärken, passt die Berufung des 51-jährigen Torsten Leue als Nachfolger von Haas. Leue leitete bisher das internationale Geschäft der Talanx und hat sich bereits Meriten mit der Stärkung der Präsenz in Polen verdient. Laut Haas gehört Polen inzwischen zu den Juwelen der ausländischen Aktivitäten. Am 8. Mai wird Leue den Platz des 63-jährigen Haas einnehmen, der auf Wunsch des mit 79 Prozent die Mehrheit an der Talanx haltenden HDI Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit zwei Jahre vor Ablauf seines Vertrages an die Aufsichtsratsspitze wechselt.

Transportgeschäft fährt wieder in die Gewinnzone

Nachdem 2016 die Transportversicherung Verluste einfuhr, hat diese infolge von Bestandsbereinigungen und Prämienerhöhungen im vergangenen Jahr mit Gewinn abgeschlossen. Dafür ist jedoch die Feuerversicherung in die roten Zahlen abgerutscht, wie Christian Hinsch, stellvertretender Vorstandschef und unter anderem verantwortlich für das Geschäft mit Industrieversicherungen berichtete. Die Sparte, traditionell eine Domäne des Konzerns, sei wegen der zahlreichen Naturkatastrophen und eines Großfeuers in den USA tief in die Verlustzone geraten. Bereits nach neun Monaten habe die Feuerversicherung eine Combined Ratio von 176 Prozent ausgewiesen.
Daher handelt Hinsch jetzt neue Verträge aus. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Preiserhöhungen. Im Visier hat Hinsch im Schnitt mindestens 15 Prozent, schränkt jedoch ein, dass dies nicht in einem Rutsch erfolgen müsse und auch nicht der Rasenmäher eingesetzt werde. Besonders groß klaffe die Lücke zwischen Prämien und Schäden in Deutschland, ein Trend der sich seit zwei Jahren abgezeichnet habe. Sollten Kunden die Prämienerhöhung nicht akzeptieren wollen, will Hinsch lieber auf das Geschäft verzichten und auch Kapazitäten aus dem Markt nehmen.
Allerdings sei dies noch nicht nötig gewesen. Die Devise "more for less“ habe sich bislang bewährt. Mit Sorge betrachtet Hinsch allerdings das Vordringen von Konkurrenten auf den europäischen Markt, dem weltweit größten, was die Industrieversicherung angeht.
Das Auslandsengagement des Konzerns ist aus laut Hinsch aus dem Schoß der Industrieversicherung geboren worden. Es ging darum die deutschen Kunden ins Ausland zu begleiten. Dennoch sei das Ausland lange der Schwachpunkt gewesen, und erst durch die Übernahme von Gerling habe das Auslandsgeschäft Schwung aufgenommen. (cs)
Bildquelle: Talanx
Talanx · Herbert K. Haas