Schlaglicht

Digitale Allianz: Die perfekte Illusion des Oliver Bäte

Von Tagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass Oliver Bäte zu den stillen Vertretern der Branche gehört, kann man wahrlich nicht behaupten. Ob Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft. Immer wieder setzt sich der Allianz-Chef durch gekonnt platzierte Botschaften in Szene. Wie es sich für einen Top-Manager gehört, mag man meinen. Doch das kommt nicht überall gut an, gerade dann, wenn sein ohnehin kritisch beäugter Kurs zur digitalen Kernsanierung technisch wie organisatorisch stockt.
Wenn der Allianz Konzern heute seine vorläufigen Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr vorstellt, wird die Stimmung positiv sein. Trotz verhaltener Aussagen des Vorstands im Herbst rechnen Analysten für 2017 mit einem operativen Gewinn im oberen Bereich der Zielspanne. Für 2018 erwarten Experten einen weiteren Sprung nach oben, samt steigender Dividenden.
Während der Münchener Versicherungsriese rein bilanziell gut dasteht, ruckelt es im Innenraum gewaltig. Im Mittelpunkt der Unruhe: die Strategie zur Digitalisierung. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der 2016 von Bäte installierte Chief Digital Officer Solmaz Altin seinen Posten wohl räumen wird. Über die tatsächlichen Gründe kann nur spekuliert werden. Naheliegend wäre, dass der Türkei-affine Manager bislang nicht die Fortschritte bei der Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen und Produkten gemacht, die man erwartet hat.
Und dass Altin unter dem IT-Vorstand Christof Mascher agiert, dürfte nur bedingt zuträglich sein im Hinblick auf Handlungsspielräume und unternehmerische Freiheiten. Auf der anderen Seite indes wird von einem möglichen Aufstieg auf der Allianz-Karriereleiter gesprochen.
Nicht zuletzt Meldungen wie diese geben kleine, aber doch eindeutige Hinweise darauf, dass sich der Versicherer an verschiedenen Stellen reibt. Wie könnte es auch anders sein, hat man sich in den vergangenen Jahren zunehmend vom stillen Riesen zu einem aufsehenerregenden Global Player entwickelt – mit allen Vor- und Nachteilen.
Die Allianz geht mit der digitalen Erneuerung unter dem CEO Bäte einen harten, vielfach umstrittenen, von außen betrachtet aber definitiv holprigen Weg. Bewusst oder unbewusst. Tatsache ist: immer wieder muss sich der Konzernboss für seinen eingeschlagenen Kurs rechtfertigen.
Einmal kündigt der Spitzenmanager an, Personal abzubauen sowie an anderer Stelle aus- und weiterzubilden, um ein anderes Mal den Druck herunterzufahren und dem „Faktor Mensch“ zu versprechen, dass die technische Entwicklung die persönliche Beratung niemals ersetzen könne. Immer aber merkt man, ohne Digitalisierung ist für den Manager Bäte alles nichts. Daran muss er sich nun auch messen lassen.
Wenn Bäte von Wettbewerb spricht, meint er Märkte wie Asien oder die USA. Für den Erfolg im großen Ganzen zählt aber auch der kleine Mann. (mst)
Bildquelle: ak
Allianz · Oliver Bäte