Politik & Regulierung

Ombudsmann Hirsch rügt Reiseversicherer und zwielichtige Anwälte

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Etwa 50 Prozent der 2017 beim Ombudsmann für die Versicherungswirtschaft eingegangenen Beschwerden betraf die Themenfelder Rechtsschutz und LV. Knapp 80 Prozent der gut 19.000 Eingaben wurden für zulässig geklärt. Im Verhältnis zu den rund 400 Millionen Verträgen in der Lebens- und Kompositversicherung sei das ein sehr geringer Anteil, erläutert Günter Hirsch, der die Schlichtungsstelle seit zehn Jahren führt.
Etwa die Hälfte der 2017 beim Ombudsmann für die Versicherungswirtschaft eingegangenen Beschwerden betraf die Themenfelder Rechtsschutz- und Lebensversicherung. Knapp 80 Prozent der gut 19.000 Eingaben wurden für zulässig geklärt. Im Verhältnis zu den rund 400 Millionen Verträgen in der Lebens- und Kompositversicherung sei das letztlich nur ein sehr geringer Anteil, erläutert Günter Hirsch, der die Schlichtungsstelle seit nunmehr zehn Jahren führt.
Bei den Rechtsschutzversicherungs-Fällen ging es häufig um Kostenschutz bei der Durchsetzung eines Widerrufs von Darlehens- oder Lebensversicherungs-Verträgen, beziehungsweise – ausgelöst durch eine bestimmte Anwaltskanzlei – um Wandlung des Kfz-Kaufvertrags und/ oder Schadenersatz infolge der Diesel-Affäre. Auf Platz zwei folgt die Lebensversicherung. Auf beide Sparten entfiel jeweils etwa ein Viertel der eingegangenen Beschwerden. Ungefähr jede siebte Reklamation hatte die Kraftfahrzeugversicherung zum Gegenstand.
Abschlüsse über das Internet
Nach wie vor gibt es zahlreiche Problemfälle. 2016 wurden bereits über viereinhalb Millionen Versicherungsverträge in Deutschland über das Internet abgeschlossen. Hirsch, ehemaliger Präsident des BGH, berichtet über Beschwerden zu Versicherungen, die online als Annex zu Reisebuchungen gebucht wurden. Insoweit waren sowohl der Abschluss der Versicherungsverträge als auch deren Inhalt rechtlich fragwürdig.
"Den Kunden ist teilweise überhaupt nicht bewusst gewesen, dass sie eine Reiseversicherung gebucht hatten. Andere wollten zwar die konkrete Reise versichern, stellten dann jedoch fest, dass sie eine Jahresversicherung geschlossen hatten, die sich unter Umständen auch noch um ein weiteres Jahr mit deutlich erhöhten Prämien verlängerte, wenn sie nicht rechtzeitig kündigten", moniert Hirsch. Hinzu komme, dass verschiedener Vermittlergesellschaften in völlig intransparenter Weise an dem Online-Vertragsschluss beteiligt waren. Diese Beschwerden erledigten sich weitgehen durch Einlenken des Versicherers.
Anwälte handeln zweifelhaft
Ein neues Phänomen bewegt den Ombudsmann aktuell. Etliche Anwaltskanzleien haben standardisierte Verfahren entwickelt und suchen im Internet nach potentiellen Klägern. "Bei mir gingen schon massenhaft Beschwerden von Anwälten ein, die ihre Dienste über das Internet Rechtsschutzversicherten insbesondere im Hinblick auf den Widerruf von Lebensversicherungen und die VW-Abgasmanipulationen anbieten." Dabei werden den Mandanten kostenlos Kurzhinweise zur Rechtslage gegeben verbunden mit dem Angebot, auf einen Klick hin zu prüfen, ob sie Ansprüche gegen den Lebensversicherer bzw. VW haben. Gegebenenfalls werden die Anwälte dann per Mausklick mit der Wahrnehmung der Rechte im Rahmen der bestehenden Rechtsschutzversicherung beauftragt.
Innerhalb weniger Minuten erfolgt somit eine Rechtsberatung, eine kursorische Prüfung potentieller Ansprüche des Versicherten sowie die Bevollmächtigung des Anwalts. "Von einem anwaltlichen Vertrauensverhältnis kann bei einer Mandatierung ohne jeden persönlichen Kontakt und ohne individuelle Beratung kaum mehr gesprochen werden", merkt Hirsch an. Spezifische Probleme träten bei derartigen Beschwerden beispielsweise auf beim konkreten Umfang der Bevollmächtigung oder bei der standardisierten Geltendmachung von Ansprüchen, die die jeweiligen konkreten Umstände des Einzelfalles außer Betracht ließen. Diese neuen anwaltlichen Geschäftsmodelle stellten die Rechtsschutzversicherer vor völlig neue Herausforderungen und würden den Ombudsmann zusätzlich belasten. (wo)
Bild: Günter Hirsch (Quelle: privat)
Ombudsmann · Beschwerdezahl · Günther Hirsch
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