Schlaglicht

Private Krankenversicherer am Scheideweg

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die privaten Krankenversicherer atmen tief durch. Denn trotz immer wiederkehrender politischer Debatten werden sie vom Worst-Case einer Einheitskasse verschont bleiben. Die Ruhe ist allerdings nur mit Vorsicht zu genießen: durch die neue Regierung könnte es zu Einschnitten kommen, die das ohnehin schon schwierige Neugeschäft mit Blick auf die Vollversicherung erheblich zuspitzen.
Beihilfeempfänger stellen branchenweit derzeit die größte Berufsgruppe im Neugeschäft dar. Sollte bei der Groko, wie in Hamburg bereits geschehen, bundesweit ein beihilfefähiger Tarif in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eingeführt werden, könnte dies zwar negative Auswirkungen auf das Wachstum der Branche als Ganzes nach sich ziehen, de facto wären hiervon aber nur einige wenige "Beamtenversicherer" betroffen, die das Neugeschäft quasi unter sich aufteilen.
Anders sieht es hingegen bei den Selbstständigen aus. Diese müssen derzeit in der GKV in der Regel einen Mindestbeitrag von rund 350 Euro zahlen, da bei der Beitragsberechnung ein Mindesteinkommen von 2.231 Euro unterstellt wird. Deshalb entscheiden sich viele für den Eintritt in die PKV. Sollte sich die Beitragsberechnung für Selbstständige in der GKV ändern und sich somit die Beitragsbelastung reduzieren oder gar eine Versicherungspflicht für Selbstständige eingeführt werden, hätte dies für die allermeisten PKV-Unternehmen ein rückläufiges Neugeschäft zur Folge.
Gefahr von Wanderbewegungen
Wenn es um das Thema Bürgerversicherung und die Rückkehr von Privatversicherten in die GKV oder aber um mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen PKV-Unternehmen geht, entspinnt sich regelmäßig eine heftige Diskussion um das Thema Alterungsrückstellungen.
Eine Portabilität dieser Rückstellung würde jedoch nicht das Problem des aus Sicht vieler Kritiker mangelnden Wettbewerbs um Bestandsversicherte lösen. Vielmehr könnte sie im Gegenteil existenzielle Probleme für die Unternehmen und damit für die Privatversicherten schaffen, da die heute gültige Vererbung von Alterungsrückstellungen bei Verlassen des Kollektivs ein sicherheitsförderndes Instrument ist.
Bei einer Portabilität der Alterungsrückstellungen würde jede Beitragsanpassung die Gefahr von Wanderungsbewegungen implizieren. Die Unternehmen wären gezwungen, langfristige Kapitalanlagen gegen mittel- und kurzfristige zu tauschen. Dies ginge mit deutlichen Renditeeinbußen einher, was den Druck auf eine Absenkung des Rechnungszinses zusätzlich erhöhen und zu entsprechenden Beitragsanpassungen führen würde, die sich schon alleine deshalb ergeben, weil gute Risiken eine höhere Wechselneigung haben als schlechte und sich somit die Bestandsstruktur verschlechtert.
Dass bei der Austarierung von Reformen äußerste Sensibilität gefragt ist, zeigt sich an der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die aktuellen Forderungen von Seiten der SPD nach einer einheitlichen Vergütung für Privat- und Kassenpatienten, um die viel zitierte Zweiklassenmedizin abzuschaffen, hätte den Nachteil, dass sich die Leistungsausgaben und damit auch die Beiträge für die knapp 73 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland erhöhen dürften.
Mit einer neuen GOÄ für Privatversicherte wären aber, ähnlich wie bei der Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) im Jahr 2012, wohl auch mehr oder weniger starke Beitragserhöhungen für die Privatversicherten verbunden.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Autor: Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung Assekurata
Bildquelle: Axa
PKV · Krankenversicherer
Auch interessant
Zurück
30.10.2018VWheute
Kunst­ver­si­cherer am Schei­deweg: Immer weniger Original-Ausstel­lungen vermiesen das Geschäft Auf der 11th Art & Finance Conference ging es …
Kunst­ver­si­cherer am Schei­deweg: Immer weniger Original-Ausstel­lungen vermiesen das Geschäft
Auf der 11th Art & Finance Conference ging es unter Einsatz der üblichen Consulting- Schlagwörter um Banksys Schredder-Aktion und um den Kunstversicherungsmarkt und die sich darum…
17.08.2018VWheute
Gene­rali-Vorstand Sommer: "Branche steht am digi­talen Schei­deweg" Wie wirken sich die digitalen Möglichkeiten auf die Branche aus? Diese Frage …
Gene­rali-Vorstand Sommer: "Branche steht am digi­talen Schei­deweg"
Wie wirken sich die digitalen Möglichkeiten auf die Branche aus? Diese Frage geistert bekanntlich schon seit Jahren durch die Etagen der Konzerne. Für Generali-Vorstand Rainer Sommer ist jedenfalls klar: "Die …
01.02.2018VWheute
D&O am Schei­deweg zwischen Preis und Deckung In der D&O-Versicherung zeichne sich ein "grausames Spektakel" ab. Davon ist Michael Hendricks von …
D&O am Schei­deweg zwischen Preis und Deckung
In der D&O-Versicherung zeichne sich ein "grausames Spektakel" ab. Davon ist Michael Hendricks von Hendricks und Partner Rechtsanwälte, überzeugt. Auf der Euroforum Haftpflichttagung in Hamburg äußerte der Experter zudem die …
08.09.2016VWheute
Indus­trie­ver­si­cherer am Schei­deweg "Industrieversicherer bieten Firmen im heutigen Gefahrenumfeld einen erheblichen Mehrwert", sagt BDI-Präsident…
Indus­trie­ver­si­cherer am Schei­deweg
"Industrieversicherer bieten Firmen im heutigen Gefahrenumfeld einen erheblichen Mehrwert", sagt BDI-Präsident Ulrich Grillo. Doch das Corporate Business leidet unter fallenden Preisen und hohen Wettbewerbsdruck. Hinzu kommt: "An Explosion …
Weiter