07.02.2018Märkte & Vertrieb

Verbraucherschützer warnen vor Widerspruch von Lebensversicherung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg warnen vor Rückabwicklern von Lebens- und Rentenversicherungen. Dabei werde oftmals noch nicht einmal geprüft, ob eine Rückabwicklung tatsächlich sinnvoll sei. Vielmehr scheint dieser Markt zunehmend zu einem lukrativen Geschäft für die Dienstleister selbst zu werden, kritisieren die Verbraucherschützer weiter. Auch die Branche selbst warnt vor diesem Geschäftsgebaren.
So berufen sich die Rückabwickler auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes aus den Jahren 2014 (Az.: IV ZR 76/11) und 2015 (Az.: BGH IV ZR 384/14). Demnach können die Verbraucher, welche zwischen 1995 und 2007 eine private Kapitallebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen haben, dem Vertrag unter bestimmten Voraussetzungen noch immer widersprechen. Dies gelt auch dann, wenn der Vertrag zuvor bereits gekündigt worden ist.
Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg stoßen sich dabei vor allem an den hohen Vergütungen der Rückabwickler. So erfolge das Angebot einer Widerspruchsprüfung nicht nur auf die Initiative der Dienstleister selbst. Im Erfolgsfall verlangen die Dienstleister einen Anteil von bis zu 50 Prozent der Rückzahlungen, welche die Verbraucher aufgrund eines erfolgreichen Widerspruchs aus den rückabgewickelten Verträgen erhalten, kritisieren die Verbraucherschützer.
"Aus unserer Sicht schaden diese Dienstleister dem Verbraucher mehr, als dass sie ihm nützen. Denn häufig wird nicht einmal geprüft, ob der Widerspruch eines Vertrages für den Kunden finanziell überhaupt sinnvoll ist. Dies ist nämlich nicht per se der Fall", kritisiert Sandra Klug, Leiterin des für Versicherungen zuständigen Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg.
Unterstützung erhalten die Verbraucherschützer dabei auch aus der Branche selbst: "Wer heute noch einen laufenden Vertrag aus der Zeit von 1995 bis 2007 hat, sollte den nur vorzeitig beenden, wenn er dringend Geld benötigt. Einen anderen sinnvollen Grund gibt es angesichts des aktuellen Niedrigzinsumfeldes und der hohen garantierten Ansprüche dieser Altpolicen einfach nicht", betont Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt, auf Anfrage von VWheute.
"Der einzige Weg, schnell und sicher Mehrwert gegenüber der verlustreichen Kündigung zu bekommen, bietet weiter der Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt. Hier braucht es keinen langen Gerichtsprozess und teuren rechtlichen Beistand. Die Aussichten auf ein gutes Angebot sind bei Zweitmarktanbietern angesichts der aktuellen Marktsituation derzeit gut wie nie", lautet die Empfehlung des Experten. (vwh/td)
Bildquelle: Alexander Klaus / PIXELIO (www.pixelio.de)
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