07.02.2018Schlaglicht

Munich Re hakt 2017 ab, Ergo performt besser als gedacht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Naturkatastrophen des vergangenen Jahres haben sich wie erwartet auf die Geschäftsbilanz der Munich Re ausgewirkt. Demnach erzielte der Rückversicherer im Jahr 2017 erwartungsgemäß lediglich einen "kleinen Gewinn" von 392 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen satten Rückgang von 85 Prozent (2016: 2,580 Mrd.). Auf die Erneuerungsrunde zum Jahreswechsel und die Dividende hatte dies jedoch nur geringe Auswirkungen.
"Auf unsere Dividende ist Verlass. Dank unserer Kapitalstärke konnten wir die hohen Schäden aus Naturkatastrophen gut verkraften. Wir werden in 2018 die digitale Transformation von Munich Re entschieden vorantreiben und Chancen für profitables Wachstum auch im traditionellen Geschäft entschlossen nutzen. Die Preise für Rückversicherungsschutz haben bei der Januar-Erneuerung in weiten Teilen des Markts leicht angezogen, ein Trend, der sich bei den kommenden Erneuerungsrunden verstärken dürfte", kommentierte Finanzvorstand Jörg Schneider bei der Präsentation der vorläufigen Geschäftszahlen.
Demnach sollen die Aktionäre des Münchener Rückversicherers vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats und der Hauptversammlung wie im Vorjahr eine Dividende von 8,60 Euro pro Aktie erhalten. Gleichzeitig haben die Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" den Preisrutsch, der die Branche jahrelang geprägt hatte, durchbrochen. Immerhin seien die Preise in der Erneuerungsrunde um 0,8 Prozent gestiegen, heißt es bei der Munich Re. "Ein Trend, der sich bei den kommenden Erneuerungsrunden verstärken dürfte", prognostiziert Schneider.
Demnach stiegen die gebuchten Bruttobeiträge im Geschäftsfeld Rückversicherung leicht auf 31,569 Mrd. Euro (2016: 31,463 Mrd.). Die Schaden-Kostenquote stieg indes durch die Schäden aus den Naturkatastrophen auf 1141 Prozent (2016: 95,7 Prozent). Der Gewinn ging deutlich auf 120 Mio. Euro (2016: 2,540 Mrd.) zurück. Die Gesamtbelastung aus Großschäden im Jahr 2017 beziffert die Munich Re auf 4,314 Mrd. Euro (2016: 1,542 Mrd.).
Dabei fielen allein die Schäden aus Naturkatastrophen mit 3,678 Mrd. Euro (2016: 929 Mrd. Euro) zu Buche. Die Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" waren mit zusammen 2,7 Mrd. Euro die teuersten Schadenereignisse des Jahres. Die von Menschen verursachten Großschäden lagen mit 636 Mio. Euro leicht über dem Vorjahreswert (2016: 613 Mio.). Überraschend kommt der Gewinneinbruch dennoch nicht, gab der Rückversicherer doch bereits im September 2017 eine entsprechende Gewinnwarnung bekannt.

Mehr Tote bei weniger Schadenereignissen

Insgesamt verzeichnete die Munich Re im vergangenen Jahr 710 Schadenereignisse (2016: 780) mit rund 10.000 Todesopfern (2016: 9.650). Zum Vergleich: der Zehn-Jahresdurchschnitt (2007-2016) liegt bei 605 Schadenereignissen mit einem versicherten Schaden von 49 Mrd. US-Dollar (Gesamtschaden: 170 Mrd.). Rund zwei Drittel der Todesopfer des vergangenen Jahres waren nach Angaben der Munich Re bei Naturkatastrophen in Asien zu beklagen, gefolgt von elf Prozent in Afrika und Nordamerika, sowie vier Prozent in Europa.
Die meisten Todesopfer forderten dabei die schweren Überschwemmungen in Indien, Nepal und Bangladesch. Rund 2.700 Menschen kamen dabei ums Leben. Zudem forderte ein Erdbeben im Iran rund 600 Todesopfer, ein Erdrutsch in Sierra Leone forderte etwa 500 Tote. Auffällig sei jedoch, dass in Entwicklungs- und Schwellenländern weitaus mehr Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben kommen als in Industrieländern, in denen mehr Aufwand für Schutzmaßnahmen betrieben wird, heißt es bei der Munich Re weiter.
Die meisten Schäden verzeichnete der Rückversicherer in Nordamerika (mit Karibik und Zentralamerika): 83 Prozent der Gesamtschäden und 93 Prozent der versicherten Schäden weltweit entfielen demnach auf diese Region. Dabei verzeichnete die Munich Re rund 160 Ereignisse, 13 davon mit einem Gesamtschaden von mehr als einer Milliarde US-Dollar. In Europa verzeichnete der Rückversicherer außerdem Milliardenschäden in der Landwirtschaft durch ungewöhnlich tiefe Temperaturen im April verursachten in Europa.
Demnach fiel der Ernteertrag bei bestimmten Früchten je nach Region um bis zur Hälfte niedriger aus als sonst. Die Schäden durch den Spätfrost beziffert die Munich Re demnach auf rund 3,6 Mrd. US-Dollar (3,3 Mrd. Euro). Davon seien wegen der geringen Versicherungsdichte in der Landwirtschaft nur rund 650 Mio. US-Dollar (rund 600 Mio. Euro) versichert gewesen. Zudem hinterließen die Winterstürme "Herwart" und "Xavier" in Deutschland, Polen und Tschechien einen Gesamtschaden von rund 800 Mio. Euro, von denen etwa 600 Mio. versichert waren.
Auf Asien entfielen nach Angaben des Rückversicherers 43 Prozent aller Ereignisse, 68 Prozent aller Todesopfer, zehn Prozent aller Gesamtschäden und zwei Prozent aller versicherten Schäden. Die versicherten Schäden gehen dabei nach Angaben der Munich Re vor allem auf tropische Wirbelstürme in Japan, China und den Philippinen zurück. Die versicherten Schäden betrugen dabei rund 2,2 Mrd. US-Dollar.
"Der überdurchschnittliche Anteil der weltweiten versicherten Schäden dieses Jahr verdeckt, wie groß die Versicherungslücke in weiten Teilen der Welt noch ist. In Entwicklungsländern sind Katastrophenschäden vielfach fast überhaupt nicht versichert. Und selbst in hoch entwickelten Ländern wie den USA wäre eine stärkere Verbreitung von Versicherung volkswirtschaftlich sehr sinnvoll", betont Ernst Rauch, Leiter Climate & Public Sector Business Development, bei der Munich Re. "Die extremen Naturkatastrophen des Jahres zeigen die wichtige Rolle von Versicherung, nach schweren Katastrophen die finanziellen Belastungen abzufedern", ergänzt Vorstand Torsten Jeworrek.
Damit hat das Hurrikan-Triple der Versicherungsbranche im vergangenen Jahr neue Rekordschäden eingebrockt: Voraussichtlich rund 135 Mrd. US-Dollar müssen Versicherer nach Angaben der Munich Re für die Hurrikane und weitere Naturkatastrophen wie etwa ein schweres Erdbeben in Mexiko aufbringen, mehr als je zuvor. Die Gesamtschäden – einschließlich der nicht versicherten Schäden – betrugen 330 Mrd. US-Dollar. Schadenträchtiger war nur noch das Jahr 2011 (Tohoku-Erdbeben in Japan) mit einem Gesamtschaden von 354 Mrd. US-Dollar.

Positive Zahlen bei der Ergo

Positiv verlief hingegen das vergangene Geschäftsjahr beim einstigen Sorgenkind Ergo: So erzielte die Konzerntochter im abgelaufenen Geschäftsjahr nach Unternehmensangaben einen Gewinn von 273 Mio. Euro (2016: 41 Mio.). Dabei führt der Konzern das Gewinnplus zum einen auf niedrigere interne Kosten sowie eine geringere Schadenbelastung zurück. Die Schaden-Kostenquote sank demnach im Jahr 2017 deutlich auf 94,7 Prozent (2016: 100,2 Prozent). Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen dabei leicht auf 17,546 Mrd. Euro (2016: 17,388 Mrd.).
So scheint sich der Restrukturierungskurs von Ergo-Vorstandschef Markus Rieß nun auch in den Bilanzen des Düsseldorfer Versicherungskonzerns niederzuschlagen - und dies trotz des angedachten Verkaufs der Lebenssparte. Gleichzeitig will der Konzern bis 2020 zum führenden Digitalversicherer in Deutschland aufsteigen. Rund 140 Mio. Euro will die Ergo dafür in die Hand nehmen und kräftig investieren. Kräftig aufgeräumt hat die Ergo zum Jahresbeginn bei ihrer Rechtsschutztochter DAS. (vwh/td)
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