07.02.2018Politik & Regulierung

Haftpflicht: Wenn Männer mit dem Feuer spielen

Von VW-RedaktionVW heute
Ein Schadenfall in bester Slapstick-Tradition à la Dick & Doof beschäftigt das Oberlandesgericht Hamm. Im Zentrum stehen eine gemietete Kfz-Werkstatt, vier Herren, Benzin und ein Schaden von 409.000 Euro. Wie sich der Fall zugetragen hat und was man daraus, außer dass Benzin brennt, lernen kann, erklärt Ihnen VWheute. Dabei begann die Geschichte zunächst ganz harmlos.
Ein Mann (X.) vermietet eine von ihm gemietete Kfz-Werkstatt an drei Hobbyschrauber, die eine Reparatur durchführen wollen und dafür aus einem alten Opel Corsa das Benzin ablassen. Die drei Herren nutzten die Schwerkraft und entließen das Benzin aus eineinhalb Metern aus dem Tank in einen Eimer, einem für das Auffangen von Benzin eher suboptimal geeigneten Behältnisses, das ihnen X. zur Verfügung gestellt hatte.
Da den drei Herren das Auslaufen nicht schnell genug vonstatten ging, wurde noch ein Loch in den Tank geschlagen, das im Verlauf der Prozedur noch vergrößert wurde. Auch für einen Kfz-Unkundigen ist klar, dass auslaufendes Benzin in Verbindung mit einem ungeeigneten Behälter, einer Distanz von mehr als einem Meter und mehreren Löchern im Tank zu Benzinspuren auf dem Boden und Händen führt.
Jetzt kamen zwei der drei Reparaturlaien auf die Idee eines Brennbarkeitstestes. Dafür entzündete einer der Herren die benzingetränkte Hand eines anderen aus der Mechaniker-Crew. Und tatsächlich, Benzin brennt – auch das sich auf dem Boden befindliche. Selbiges entzündete sich, als das Testobjekt das Feuer von seiner Hand abzuschütteln versuchte. Weiterhin brannten auch ein anderes Fahrzeug, ein Reifenstapel, Werkstattinventar und schließlich das komplette Gebäude. Der Schaden: 409.000 Euro.

Das Gericht spricht

Der Kläger, Besitzer des vom Brand geschädigten Gebäudekomplexes, reichte wenig überraschend Klage gegen X. und die drei Feuer- und Kfz-Experten ein. Vor dem Amtsgericht Meschede wurden sie von der fahrlässigen Brandstiftung mangels Nachweises des Tatvorwurfs freigesprochen. Kurios genug. Vor dem Zivilgericht endete das Glück aber abrupt. Das LG Arnsberg verurteilte alle vier Beschuldigten zu Schadenersatz. Der Prozess des Benzinabflusses sei grob fahrlässig gewesen, ebenso das X. den Eimer stellte und nicht eingriff.
Die beiden Brennbarkeitsexperten wären wegen dem "zündeln" an der Hand zwar die Ursache des Brandes, die anderen beiden Herren hätten das Feuer durch ihre Duldung des unkonventionellen und grob fahrlässigen Benzinablassens allerdings mit zu verantworten. Das OLG Hamm bestätigte das Urteil des Landgerichts, woraufhin das Urteil rechtskräftig wurde. (Az.: 9 U 120/15 OLG Hamm).

Springt die Haftpflicht ein?

Können die vier Herren auf ihre Haftpflicht setzen, um den Schaden wenigstens nicht selbst begleichen zu müssen? In manchen Policen ist grobe Fagrlässigkeit mitversichert, in anderen nicht. Anders ausgedrückt, zumindest ein Teil des Schadens könnten die Herren selbst begleichen müssen. Aus Schaden wird man klug. (vwh/mv)
Bild: Feuer (Quelle: 110stefan / www.pixelio.de / PIXELIO)
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