07.02.2018Märkte & Vertrieb

Deutsche Unternehmen bei Cyber-Schutz mangelhaft

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Aus (Cyber-) Schaden wird man in Deutschland wohl noch immer nicht klug. Dass Unternehmen hierzulande beim Thema Cyberkriminalität nicht sonderlich gut aufgestellt sind, ist hinreichend bekannt. Dass sie aber nicht bereit sind, aus ihren Fehlern zu lernen, überrascht doch sehr. Für die Versicherungswirtschaft ergeben sich daraus hingegen neue Möglichkeiten.
Der "Cyber Readiness Reports" zeigt deutlich, dass Deutschlands Unternehmen im Bereich Cyberschutz noch einen weiten Weg vor sich haben. Das Marktforschungsinstitut Forrester Consulting ermittelte im Auftrag von Hiscox die "Cyberbereitschaft" von über 4.000 Unternehmen aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden.
Die Unternehmen wurden basierend auf den Kriterien Strategie, Ressourcen, Technologie und Prozesse in Cyber-Anfänger, Cyber-Fortgeschrittene oder Cyber-Experten eingestuft. Demnach hat Deutschland 77 Prozent Anfänger, 14 Prozent Fortgeschrittene und 10 Prozent Experten – das überschüssige Prozent entsteht durch Rundungen. Besser schnitten im Vergleich Großbritannien und die US ab.
Das Ergebnis der Deutschen hat Folgen, wie Robert Dietrich, Hauptbevollmächtigter von Hiscox Deutschland, feststellt: "Die hohen Anfänger-Quoten sind alarmierend, nachdem das Thema Cyber-Sicherheit in der öffentlichen Wahrnehmung immer präsenter wird. Die Verunsicherung in den Unternehmen ist jedoch groß. Das führt in vielen Fällen dazu, dass lieber nichts getan wird, als eine falsche Entscheidung zu riskieren und diese im Zweifelsfall verantworten zu müssen. Wobei Abwarten bei diesem Thema zu deutlich schwerer wiegenden Konsequenzen führen kann. Die Ratlosigkeit der Betriebe zeigt, dass sie Hilfe von Profis für die Erstellung einer wasserdichten Cyber-Strategie brauchen." Also ein Aufruf an die Versicherer, in diesem Bereich tätig zu werden.

Die Taktik "Vogel Strauß"

Zu Unrecht sagt man dem stolzen Strauß nach, er würde bei Gefahr den Kopf in den Sand stecken. Bei deutschen Unternehmen scheint es zu stimmen. Von den befragten über 1.000 deutschen Unternehmen haben 48 Prozent in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Cyber-Zwischenfall erlebt. Fast die Hälfte der Unternehmen (45 Prozent) hat nach einem Zwischenfall nichts an ihrer Strategie geändert, 40 Prozent stehen ihrer eigenen Cyber-Strategie "nicht selbstbewusst" gegenüber. Zudem ergibt die Studie, dass viel Unternehmen ihre Präventionsbemühungen einschränken.

Sechsstellige Schäden, meist externe Angriffe

Der Gesamtschaden für alle erlittenen Attacken der letzten zwölf Monate beläuft sich bei großen deutschen Unternehmen im Schnitt auf rund 342.000 Euro, bei deutschen KMU auf durchschnittlich rund 46.000 Euro. Am häufigsten waren mit 24 Prozent externe Angriffe direkt auf das Unternehmen festzustellen, bei 14 Prozent war es eine externe Attacke auf einen Geschäftspartner. Durch Mitarbeiter verursachte Zwischenfälle waren in 15 Prozent der Schäden zu beklagen, bei zwölf Prozent handelte es sich um einen internen Zwischenfall mit einem Geschäftspartner oder Zulieferer.

Krise als Chance

Sabine Pawig-Sander, Chefin des Cyber-Spezialisten Erichsen, sieht in der mangelnden Cyberausstattung der Unternehmen vor allem eine Chance. Bisher seien nur etwa 20 Prozent der Betriebe versichert, dass werde sich "in den nächsten Monaten ändern", erklärte sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft. Sowohl Versicherer wie auch Vermittler wären gut beraten, sich "vorausschauend aufzustellen". Ein erneuter Aufruf an die Versicherungsbranche, das Defizit abzustellen.
Die Versicherer müssten allerdings auch noch Hausaufgaben erledigen: Bisher sei Cyber vor allem ein Vertriebsthema gewesen, bei steigenden Beständen müssten jetzt auch "Prozesse in der zweiten Reihe" nachgeführt, standardisiert und mit Personalstärke "unterfüttert werden", erklärt Pawig-Sander die Aufgabenstellung für die Branche. (vwh/mv)
Bildquelle: Markus Vogelbacher / PIXELIO (www.pixelio.de)
Grafikquelle: Hiscox
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