Märkte & Vertrieb

Rückzug aus der Klassik entbindet nicht von Transparenz

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Während die Lebensversicherer in den Erläuterungen zur aktuellen Marktstudie der Ratingagentur Assekurata hinsichtlich ihrer Stabilität vergleichsweise gut wegkommen, gibt es harsche Kritik an ihrem Publizitätsverhalten. "Jeder Lebensversicherer kann grundsätzlich mit seinen Daten zur Markttransparenz beitragen“, sagte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will bei der Vorstellung der "Marktstudie 2018".
Dabei geht es ihm nicht nur um mehr Transparenz im Neugeschäft, sondern auch bei den Run-Offs. Auch diese sollten sich Marktvergleichen stellen, damit klar sei, was der Kunde zu erwarten habe. Seit sich immer mehr Lebensversicherer von klassischen Garantien verabschieden, sinkt auch die Teilnahme an der Assekurata-Studie, die sich ja längst nicht mehr auf die Daten zur Überschussbeteiligung beschränkt.
Von den 81 Lebensversicherern, die praktisch den deutschen Markt ausmachen, nahmen 55 (52) Gesellschaften mit einem Marktanteil von 76 (78) Prozent teil. 30 (34) Teilnehmer bieten im Neugeschäft noch ein klassisches Produkt mit 0,9 Prozent Höchstrechnungszins an, weitere elf einen niedrigeren Höchstrechnungszins im Rahmen eines Tarifes der Neuen Klassik.
Im Hinblick auf den Paradigmenwechsel in der Produktlandschaft, aber auch den Bestand von 60 Mrd. Euro Zinszusatzreserve ZZR. "Mittlerweile befinden sich bereits 80 Prozent der Branchen-Bestände in der Nachreservierung. Die Garantiezinsanforderung im Bestand liegt nach ZZR nur noch bei 2,03 Prozent", hält Will die Branche für "stabiler als zuletzt im Fernsehen dargestellt wurde".
Die medialen Kündigungsaufrufe seien aus Verbrauchersicht kritisch und brächten Vermittlern, die so agierten, in Haftungsprobleme. Denn bei vielen Verträgen wären die Renditen doch noch "attraktiv und stabil". Will rechnet damit, dass die Solvenzquoten der Lebensversicherer aufgrund der gestiegenen Zinsen schon bald wieder höher ausfielen.
Ihm sei keine Gesellschaft bekannt, die unmittelbar vor Zusammenbruch stehe, aber die Ratingagentur sehe überall, wo sie hinkomme, mehr Risikosteuerung in den Häusern. In Sachen Zinszusatzreserve fordert die Assekurata jetzt eine "schnelle" Lösung. Wer zur Finanzierung der ZZR Bewertungsreserven im Umfang von 1,70 Prozent Nettozins auflösen müsse, brauche dafür den gesamten Jahresverlauf – und nicht erst die Zeit nach Bildung einer Regierung.
Bei den klassischen Produkten sinkt der Studie zufolge die laufende Verzinsung über alle Tarifgenerationen und Produktarten im arithmetischen Mittel für 2018 auf 2,83 (2,88) Prozent – und damit deutlich langsamer als im Vorjahr mit einem Minus von 23 Basispunkten. Dies liegt unter anderem auch daran, dass der Spielraum für die Verminderung der Deklaration in den Hochzinsgenerationen ab 2,75 Prozent ausgereizt sei, sagte Analyse-Leiter Lars Heermann.
Die garantierte Beitragsrendite des von Assekurata stets zugrunde gelegten Mustervertrags, der unter anderem eine 25 jährige Ansparzeit vorsieht, beträgt im Durchschnitt 0,16 (0,11) Prozent. Bei den untersuchten Tarifen der Neuen Klassik sowie der Indexpolicen ist dieser Wert aufgrund höherer Kosten mit 0,16 Prozent bzw. 0,23 Prozent negativ.
Beim klassischen Geschäft gegen Einmalbeitrag haben vier Gesellschaften (die beiden DEVK-Lebensversicherer, die Stuttgarter und der Volkswohl Bund) die Verzinsung für sofort beginnende Renten erhöht. Spekulation gegen das Kollektiv lässt sich laut Assekurata nicht bestätigen, weil die Anfangsjahre für den Kunden bei vorzeitiger Kündigung defizitär wären. Beim Mustervertrag ergibt sich hier eine Rendite von 2,62 (2,70) Prozent.
Bei der Neuen Klassik wurden die Tarife von inzwischen 27 (25) Anbietern untersucht. Nach wie vor sind die Garantieelemente sehr unterschiedlich und vielschichtig. Gleiches gilt für die Indexpolicen von 15 (13) Anbietern. (lie)
Bild: Reiner Will (Quelle: lie)
Lebensversicherer · Assekurata
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