Politik & Regulierung

Naiv investiert: Diözese Eichstätt droht Millionenschaden

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Betrug oder Dummheit, das ist die Frage im vorliegendem Anlageskandal. Die Diözese Eichstätt hat ohne Grundbuchabsicherung in amerikanische Bauvorhaben investiert und dabei in 30 Fällen bis zu 60 Mio. Dollar verloren. Zwei Beschuldigte sitzen in Haft, die katholische Kirche räumt derweil ein, dass sie zeitweise "fachlich überfordert" gewesen sei.
Muss man die bayerische Diözese loben, weil der neue Bischoff von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, im Jahr 2015 eine Transparenzoffensive durchführte, woraufhin unabhängige Wirtschaftsprüfer die Verfehlungen aufgedeckten, wie die Süddeutsche Zeitung meldet? Immerhin folgte auf die Enthüllung im letzten Jahr eine Strafanzeige gegen einen Ex-Mitarbeiter und dessen Geschäftspartner in den USA, die sich aktuell in Haft befinden. Laut einem Bericht der Augsburger Allgemeinen Zeitung dementierte die Staatsanwaltschaft II in München nicht, dass es sich bei einem der Angeklagten um den früheren stellvertretenden Finanzdirektor des Bistums handelt.
Muss die Diözese wegen ihrem Transparenzstreben gelobt werden oder muss gescholten werden, weil jahrelang ein geistlicher Finanzchef beschäftigt wurde, der "ohne tiefergehende wirtschaftliche Kenntnisse" handelte. Möglicherweise war es das mangelnde Finanzverständnis, auf der der Beschuldigte Ex-Mitarbeiter seine Betrügereien aufbaute.

Großer Schaden laut Staatsanwalt

Wie dem auch sei, der Schaden ist erheblich. Staatsanwältin Karin Jung erklärt: "Wir gehen davon aus, dass der mögliche Schaden für das Bistum Eichstätt 60 Mio. US-Dollar beträgt" - das wären 15 Prozent des Anlagevermögens. Um diesen Schaden zu verursachen hatte der in Haft befindliche Mitarbeiter mit einem ihm persönlich bekannten Deutschen in den USA die Immobilien-Deals, bei der Kredite ohne Sicherheit vergeben wurden.
Mittlerweile hat die Diözese sein Finanzgremium mit Fachleuten aufgestockt, was aber am Verlust nichts mehr ändert. Ob neben dem Beschuldigten weitere kirchliche Würdenträger in den Fall verwickelt sind, wird jetzt die Justiz ermitteln. (vwh/mv)
Bild: Petersdom. (Quelle: Katharina Wieland Müller /Pixelio
Kapitalanlage · USA · Betrug · Immobilien · Diözesse · Eichstätt
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