06.02.2018Köpfe & Positionen

Ex-Manager verklagt AIG wegen abgelehnter D&O

Von VW-RedaktionVW heute
Es ist ein unglaublicher Wirtschaftskrimi: Michael Woodford führte den japanischen Kameraherstellers Olympus, deckte einen Millionenbilanzbetrug auf und wurde aus Dank entlassen. Er klagte, bekam eine Million Abfindung, die er größtenteils spendete, und wird von einer Tochterfirma von Olympus wegen Bereicherung verklagt. Sein D&O-Versicherer AIG lehnt die Deckung ab und wird daraufhin von Woodford verklagt. 
Die Geschichte beginnt im Jahr 2011. Der Brite Woodford wird erster ausländischer Olympus-Vorstandschef. Der wichtigste Mann im Unternehmen war aber nach wie vor der alte CEO und damals amtierende Aufsichtsratschef Tsuyoshi Kikukawa. Der neue CEO deckt kurz nach seiner Amtseinführung auf, dass das Unternehmen seit Jahren Bilanzen fälschte. Das Ergebnis war ein Erdbeben. Elf Manager mussten in Haft, der Aktienkurs fiel um 80 Prozent, wie das Handelsblatt schreibt.
Kikukawa trug als alter CEO für viele Verfehlungen die Verantwortung, als Woodford eine Abwahl des Mächtigen Japaners vorschlug, war ein Schicksal besiegelt. Allerdings war es das des Briten, der einige Tage später von den Sicherheitsbeamten aus seinem Büro geführt wurde. Eine erfolgreiche Klage gegen die Entlassung später war Woodford um zehn Millionen Pfund Abfindung und Polizeischutz reicher, denn laut Gerüchten war auch die japanische Mafia Yakuza an der Betrügereien beteiligt.

Nachtragende Japaner, AIG lehnt ab

Damit war die Geschichte mitnichten zu Ende. Im Jahr 2015 verklagte die Olympus-Tochter Key Med Woodford. Er und ein Kollege sollen sich bei der Regelung der Altersvorsorge für Führungskräfte bereichert haben. Die Forderung: satte 60 Millionen Euro. "Es geht darum, mich wirtschaftlich fertigzumachen", erklärt der britische Ex-Manager. Der Prozess läuft seit März 2017.
Seit gestern ist der nicht zu beneidende Woodford noch in einem anderen Prozess beschäftigt. Der Versicherer AIG hatte die D&O-Deckung des Ex-Managers abgelehnt, beziehungsweise zurückgezogen, da Olympus angeblich bereits bei Abschluss der Police von den angeblichen Zuwiderhandlungen wusste und Rückfragen nicht rechtzeitig beantwortete.
Der Prozess könnte wichtig für die Zukunft der D&O-Policen sein, denn die Luft in der Wirtschaft wird für Manager rauer. Immer häufiger kommt es zu Prozessen, die Versicherer lehnen aber auch häufiger die Zahlung wegen Verstößen ab.
AIG wollte sich auf Anfrage von VWheute nicht dazu äußern. (vwh/mv)
Bildquelle: Didier Derrien / www.pixelio.de / PIXELIO
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