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Wie man mit Wohngebäude wieder Geld verdient

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Die Domcura hat im Herbst des letzten Jahres eine runderneuerte Wohngebäudeversicherung auf den Markt gebracht. Rainer Brand, Vorstand des Kieler Assekuradeurs, sieht in dem sogenannten Einfamilienhauskonzept Lichtblicke für eine Sparte. Inzwischen könnte man mit Wohngebäude wieder Geld verdienen, unterstreicht er im Exklusiv-Interview mit VWheute.
VWheute: Die Wohngebäudeversicherung ist nicht unbedingt die Lieblingssparte vieler Versicherer. Warum glauben Sie, dass der Markt ein neues Wohngebäude-Versicherungskonzept überhaupt braucht?
Rainer Brand: Aus unserer Sicht als Sachversicherungs-Assekuradeur ist die Sparte Wohngebäude sehr wohl attraktiv, da wir mit unserem Konzept eine hohe Kundenbindung mit einer für das Privatkundengeschäft relativ hohen Durchschnittsprämie erreichen. Richtig ist, dass das Geschäft mit Wohngebäudeversicherungen in der Vergangenheit nicht sonderlich auskömmlich war und viele Versicherer wegen der schlechten Schadenquote tiefrote Zahlen ausweisen mussten. Dies gilt für unseren Bestand nicht. Wir haben mit unserem Portfoliomanagement deutlich bessere Quoten als der Markt.
VWheute: Warum sollte man Ihr Angebot abschließen, oder anders gefragt, wie gehen Sie mit den vielen Restriktionen um, die mittlerweile die Wohngebäudeversicherung bestimmen?
Rainer Brand: Von dem Vorwurf des Verbraucherschutzes, viele Versicherer kämen bei der erweiterten Elementarschadendeckung nur relativ langsam voran, sehen wir unser Produkt nicht betroffen. Der Elementar-Abdeckungsgrad liegt bei uns doppelt so hoch wie im Branchenschnitt mit rund 30 Prozent.
VWheute: Ihr neues Angebot kennt "keine Wetterextreme und veralteten Bausubstanzen". Was können Sie besser als andere?
Rainer Brand: Natürlich kennt unser Angebot „veraltete Bausubstanzen“. Wir gewähren für junge Gebäude bis zu einem Alter von 30 Jahren aber einen altersabhängigen Nachlass von bis zu 60 Prozent. Denn erfahrungsgemäß stagniert ab einem bestimmten Gebäudealter der Schadenbedarf. Wenn Kunden bei älteren Gebäuden nun aber Sanierungen durchführen und damit das „biologische Gebäudealter“, wie wir es nennen, reduzieren, kann es ebenfalls bis zu 60 Prozent Rabatt auf den Grundbeitrag geben. Mit einer Kernsanierung ist es sogar möglich, das Gebäude einem Neubau gleichzustellen. Das heißt, wir zeichnen jedes Alter.
Trotz immer häufiger auftretender "Wetterextreme" liegt der Elementar-Abdeckungsgrad bei unserem Einfamilienhauskonzept, ich erwähnte das gerade, deutlich höher als im Branchenschnitt. Gleichzeitig konnten wir die Prämien stabil halten. Erreicht wurde dies zum einen durch permanente Optimierung der internen Prozesse und zum anderen durch Effizienzsteigerungen im Unternehmen.
Der Anspruch der Domcura an Qualität, Aktualität und Validität ihrer Datenbanken ist ausgesprochen hoch. Das versetzt uns in die Lage, besser als andere die unterschiedlichsten Parameter eines Vertrages auswerten zu können. Ein weiteres Pro ist unser eigener Marktzugang, der dank eines weit gespannten Vertriebspartner-Netzwerkes als außergewöhnlich breit bezeichnet werden darf.
VWheute: Was sind unbenannte Gefahren und Marktgarantien?
Rainer Brand: Unser Einfamilienhauskonzept ist durch den Einschluss der drei Leistungsstufen Standard-, Komfort- und Top-Schutz sowie einige weitere optionale Bausteine individuell auf die Kundenbedürfnisse ausrichtbar. Der optionale Baustein "Unbenannte Gefahren" sichert das Gebäude gegen alle Gefahren ab, die nicht explizit im Bedingungswerk ausgeschlossen sind. Die inkludierte Marktgarantie erweitert die Versicherungsbedingungen automatisch um denkbare höhere Leistungen anderer, frei zugänglicher Tarife auf dem deutschen Markt.
VWheute: "Konditionsdifferenzdeckung"- Erklären Sie bitte diesen Zungenbrecher?
Rainer Brand: Wir leisten bereits vor dem eigentlichen Beginn der Vertragslaufzeit für den Deckungsumfang, den der Kunde bei uns versichert und der über den Leistungsumfang seines Vorvertrages bei einem anderen Versicherer hinausgeht. Nehmen wir etwa eine Satellitenschüssel, die sich sturmbedingt verschoben hat. Üblicherweise ist die Regulierung eines solchen Schadens im Vorvertrag nicht abgedeckt. Hier würde die Domcura im Schadenfall bereits vor Vertragsbeginn leisten.
VWheute: Können Sie mit dem neuen Konzept überhaupt Geld verdienen?
Rainer Brand: Das ist eine schöne, aber rein rhetorische Frage. Entsprechend einfach fällt meine Antwort aus. Wir werden nicht reich. Aber das neue Konzept ist so knallhart kalkuliert, dass unter dem Strich etwas übrigbleibt. Verbesserte Strukturen und effiziente, qualitativ hochwertige Prozesse in unserem Hause ermöglichen es uns, das Produkt vergleichsweise günstig anzubieten. Den Preisvorteil, den wir uns so gegenüber dem Wettbewerb erarbeitet haben, geben wir in Form besserer Leistungen oder günstiger Prämien an unsere Kunden weiter.
VWheute: Über welche Vertriebswege verkaufen Sie die neue Gebäudeversicherung?
Rainer Brand: Als Assekuradeur arbeitet unser Unternehmen ausschließlich mit sehr gut bewerteten Gesellschaften zusammen und ist durch diese mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet. Ein attraktiver Partner sind wir vor allem wegen unseres uneingeschränkten Zugangs zu allen unabhängigen Vertrieben in Deutschland mit Ausnahme der DVAG. Derzeit kooperieren wir bundesweit mit über 5.000 Maklern, Mehrfachagenten und Finanzdienstleistern sowie Maklerpools und Versicherungsportalen.
VWheute: Können Sie schon erste Zahlen oder einen Trend nennen, wie das Angebot ankommt?
Rainer Brand: Wir haben von unseren neuen Wohngebäudeversicherungen allein in den ersten drei Monaten seit Einführung mehr als 6.300 Verträge verkauft. Damit konnten wir die Produktion verdoppeln. Ein Trend, der hoffentlich anhält.
Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.
Bild: Rainer Brand (Quelle: Domcura)
Domcura · Rainer Brand
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