05.02.2018Köpfe & Positionen

Wenning: Munich Re versichert keine unglücklichen Ehen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das vergangene Jahr war für die Rückversicherer dank "Kathrina", "Irma" und Co. eines der teuersten in der Geschichte. So teuer, dass die Munich Re bereits ihre Gewinnziele für 2017 gefährdet sah. Wenn der Konzern morgen seine ersten Eckdaten vorlegt, rechnet Vorstandschef Joachim Wenning jedenfalls nur noch mit einem kleinen Gewinn.
"Das liegt an den Naturkatastrophen in Amerika und der Karibik. Die gewaltigen Schäden dort haben uns massiv getroffen, deswegen ist unser Ergebnis für 2017 nicht so ausgefallen wie ursprünglich erwartet", konstatiert Wenning gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dennoch will an "einer einzelnen Naturkatastrophe" kein Klimawandel festmachen, "das wäre wissenschaftlich nicht korrekt".
"Was die Wissenschaft aber sagt, was wir selbst glauben und bestätigt sehen, ist dies: Wir werden aufgrund der Erderwärmung eine höhere Frequenz von extremen Naturkatastrophen erleben", erläutert der Vorstandsvorsitzende des Münchener Rückversicherers.
Und dennoch: "Gesicherte Erkenntnis ist: Wir werden mehr Extremereignisse in der Natur erleben; Tropenstürme, Überschwemmungen, Dürren. In der Summe werden die Schäden, die wir als Versicherer zu tragen haben, dadurch steigen", so Wenning.
Selbst wenn sich konkrete Vorhersagen lassen sich nach dessen Ansicht zwar nicht treffen. "Wahrscheinlichkeiten hingegen lassen sich berechnen. Wissenschaftlich belegt ist zum Beispiel, dass durch das El-Niño-Phänomen einer wärmeren Meeresströmung im Äquatorialpazifik alle paar Jahre die Wahrscheinlichkeit dafür wächst, dass sich in der Karibik Hurrikane aufbauen", betont der Vorstandschef der Munich Re.
Allerdings machen dem Rückversicherer nicht nur die aktuellen Wetterturbulenzen zu schaffen. Auch die Gefahren zu einem zunehmenden Risiko werden: "Cyberattacken, die das gesamte Netz lahmlegen, sind nicht versicherbar. Das würde die Tragfähigkeit der Versicherer übersteigen. Wenn auf einen Schlag alle Unternehmen lahmgelegt würden, entstünden so viele Betriebsunterbrechungsschäden, dass es die Branche überfordern würde", warnt Wenning.
Dennoch würden sich die Grenzen der Versicherbarkeit ständig verschieben. "Was gestern unversicherbar war, versichern wir inzwischen. Und was heute unversicherbar ist, werden wir morgen versichern können. Den Großteil der Risiken kennen wir als Branche schon lange - Krankenversicherung, Autoversicherung, all diese Produkte. Dazu kommen immer neue Innovationen, abgeleitet vom laufenden Erkenntnisgewinn", betont der Munich Re-Chef.
Ein grundlegendes Prinzip sei dabei: "Wir versichern Zufallsrisiken". Dazu gehört nach dessen Ansicht selbst der private Flug zum Mars. Gescheiterte Ehen will der Vorstandsvorsitzende der Munich Re hingegen nicht. "Da könnte ein Ehepartner behaupten, er sei unglücklich, und sich trennen, nur um das Geld von der Versicherung einzustecken. Es wäre naiv, so etwas zu versichern", betont Wenning. (vwh/td)
Bild: Joachim Wenning (Quelle: Munich Re)
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