Märkte & Vertrieb

"Cyber fehlt es noch an Selbstverständlichkeit"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kommentar von Sabine Pawig-Sander. Cyber-Risiken sind in aller Munde. Wirtschaftsberater, IT-Dienstleister, Parteien und Politiker warnen gleichermaßen vor einer allzu großen Sorglosigkeit im Umgang mit den unbekannten Gegnern aus dem Netz. Makler, Vermittler und auch Kunden haben verstanden, dass die Digitalisierung neue Gefahren mit sich bringt. Alle haben die Risiken im Blick.
Für die Cyber-Versicherung ist der Vertrieb daher einfacher geworden. Kunden verstehen inzwischen, dass sie grundsätzlich ein Risiko haben und fragen Versicherungsschutz aktiv nach. IT-Leiter sind angenehm überrascht, dass ihr IT-Restrisiko versicherbar ist – und dies auch noch zu günstigeren Prämien als erwartet.
Das spiegelt auch ein Blick auf Prämienvolumen und Abschlüsse von Cyber-Policen im vergangenen Jahr wider, die Branche blickt zufrieden auf eine deutlich gestiegene Abschlussquote. Doch weit vielversprechender als die Rückschau ist der Blick nach vorn. Sämtliche Prognosen zeigen: wir stehen noch ganz am Anfang. Die eigentliche Anfragewelle formiert sich erst!
Denn: In Anbetracht des sich durch sämtliche Branchen und Umsatzlagen ziehenden Risikos ist der Cyber-Versicherungsschutz ein "Must Have". Dies spräche für eine Marktdurchdringung ähnlich der Betriebs- und Produkthaftpflicht- Versicherung.
Doch hiervon ist die Cyber-Versicherung noch deutlich entfernt: über alle Branchen und Umsatzlagen dürfte der Anteil an Unternehmen, die bereits eine Cyber-Versicherung platziert haben, bei unter 20 Prozent liegen. Der Sparte fehlt es noch an Selbstverständlichkeit. Das wird sich in den nächsten Monaten ändern. Und eine noch größere Anfragewelle mit sich bringen.
Dabei sind die Voraussetzungen gut: Gerade in der Sparte Cyber sind die Akteure besonders engagiert. Sprich: Die Motivation stimmt! Das neue Risikofeld ist facettenreich, die Entwicklung dynamisch. Das zieht vor allem junge Leute in die Sparte. Genau die können durch die Versicherer nun als Cyber-Underwriter aufgebaut und qualifiziert werden.
Neben der personellen Qualifizierung sind die Prozesse der Gesellschaften erfolgsrelevant. Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben; es muss deutlich vereinfacht und standardisiert werden. Hinzu kommt: Cyber war bislang hauptsächlich ein Vertriebsthema, wenn nun aber die Bestände wachsen, müssen auch die Prozesse in der zweite Reihe nachgeführt, standardisiert und mit Personalstärke unterfüttert werden.
Denn mit der Nachfrage wird auch die Administrationslast der Bestandspflege kontinuierlich, vor allem jedoch sehr schnell wachsen. Standardisierte Prozesse fehlen aber noch häufig. Nicht alle Gesellschaften haben beispielsweise schon einen qualifizierten Prozess zur Jahresabfrage aufgelegt und umgesetzt.
Es ist nur selbstverständlich, dass bei Maklern, Vermittlern und Kunden künftig die Versicherer die Nase vorn haben werden, die auch in punkto Personal und Prozessoptimierung funktionierende Lösungen bieten können. Trotz erster Verbesserungen in diese Richtung bleibt also abzuwarten, ob es in den kommenden Monaten tatsächlich alle Gesellschaften schaffen werden, sich so aufzustellen, wie der Markt es fordert. Wer nicht Schritt hält, kann sonst nicht auf der prognostizierten Anfragewelle mitschwingen, sondern wird von ihr überrollt werden.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.
Autorin: Sabine Pawig-Sander ist Geschäftsführerin der Erichsen GmbH. (Quelle: Erichsen GmbH)
Cyberversicherung · Sabine Pawig-Sander
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