Köpfe & Positionen

Dunkle Wolken am D&O-Himmel

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Etablierte und auch weltweit seit Jahrzehnten muntere D&O-Versicherer gehen angeschlagen in das neue Jahr. Die Managerhaftpflicht hat sich für viele als verlustreich erwiesen. Und so befinden sich einige von ihnen schon auf dem Rückzug aus dem Markt. Sie kündigen bestehende Verträge und nehmen Deckungsaufträge nur dann an, wenn es sich um Unternehmen oder Branchen handelt, bei denen D&O-Haftungsfälle nahezu undenkbar sind.
Doch auch nach dem Rückzug findet für die Versicherer das Leid kein Ende. Die Bestrafung heißt "Nachmeldefrist". Wird der Versicherungsvertrag gekündigt, so lebt die Deckung für mögliche frühere Pflichtverletzungen versicherter Personen noch ein ganzes Jahrzehnt oder noch länger fort.
Bekanntlich können zwischen Pflichtverletzungen und hieraus resultierenden Vermögensverlusten viele Jahre liegen. Wird der Schaden offenbar, dann vergehen in der Regel noch weitere Jahre bis zum Entschluss der Aufsichtsräte oder Gesellschafter, den Anspruch auch außergerichtlich oder gar gerichtlich zu verfolgen. Das heißt, auch wenn das Vertragsverhältnis bereits aufgekündigt wurde – der D&O-Versicherer ist noch für einen langen Zeitraum einstandspflichtig, ganz ohne Vergütung, da nach der Kündigung jährliche Prämienrechnungen nicht mehr in den Versand gehen dürfen.
Die dunklen Wolken am ansonsten immer blauen Himmel der D&O-Versicherungsszene sind schon vor langer Zeit aufgezogen. Das sind nicht nur die großen Haftungsszenarien bei VW, der Deutschen Bank, bei Daimler, EM.TV oder Siemens, die das böse Erwachen der D&O-Versicherungswirtschaft bereits vermuten ließen. Nein, heute sind es Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Fällen im Mittelstand, in denen es um illegale Beschäftigung, Kalkulationsfehler, Datenschutzverletzungen und Cyberkriminalität, fehlerhafte Finanzanlagen oder vermehrt um Insolvenzhaftung geht.
Die D&O-Versicherungsprämie beträgt bei bestmöglicher Qualität der Versicherungsbedingungen gerade einmal 1.000 Euro für jede eine Million Euro Deckungssumme. Größere Mittelständler mit Umsätzen von bis zu einer Milliarde Euro, mit zahlreichen Tochtergesellschaften im In- und Ausland, Heerscharen von Geschäftsführern und Holding-Vorständen sowie Aufsichtsräten erhalten auch bei Deckungssummen von 20 Mio. Euro Prämienrechnungen, die mitunter weniger als 20.000 Euro im Jahr betragen. Selbst die Kunden sind irritiert und fragen, ob die Prämie für jede einzelne Gesellschaft gilt oder für jedes Mitglied der Organe. Die Antwort lautet nein. Alles inclusive bei geringstem finanziellen Aufwand.
Die Flut von Haftungsansprüchen wird weiter wachsen. Auslöser werden Cyber-Risiken oder auch die neue Dimension des Datenrechtes sein. Die Haftung im Regress für Unternehmensbußen, wie wir sie bislang nur im Kartellrecht kannten, ist eine heute noch unterschätzte Gefahr für die Unternehmensbilanz. Die hieraus entstehenden Verantwortungen der Leitungsorgane bedeuten auch neue Risiken für die D&O-Versicherer.
Manager sind allein mit der Schutzweste D&O nicht gut bedient. D&O hilft beim Absturz aus der Chefetage. Wichtiger ist aber, diesen Absturz zu verhindern. Das gelingt mit Compliance, ausgeprägtem Risikomanagement und damit verbunden angemessenem Versicherungsschutz in allen anderen Sparten, angefangen bei Produkt- und Umwelthaftpflicht bis hin zum Cyber-Schutz.
Autor: Michael Hendricks, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Hendricks + Partner Düsseldorf. (Bildquelle: Howden)
D&O-Versicherungsmarkt · Managerhaftpflicht · Michael Hendricks
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