Schlaglicht

Wolfgang Weiler, Wogenglätter

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Jahr 2018 ist noch keinen Monat alt und schon kam es knüppeldick für die Versicherungsbranche. Nach Sturmtief "Brunhild" fegte Mitte Januar Orkantief "Friederike" durch Deutschland und hinterließ Schäden in einer Größenordnung von über einer Milliarde Euro. Mit nachhaltigen Schäden in Substanz und Image kämpft auch die Lebensversicherung. Vor der GDV-Jahrespressekonferenz ist nun Verbandspräsident Wolfgang Weiler gefragt.
Eine durchschnittliche Gesamtverzinsung von nicht einmal drei Prozent, überstarke Belastungen durch die Zinszusatzreserve, Lebensversicherer, die von ihren Konzernen in den "Run-off" geschickt werden sollen und damit die ehemaligen Kunden ausländischen Investoren überlassen. Schon melden sich erste Politiker zu Wort und wenden sich von einer Branche ab, der sie in den letzten Jahrzehnten eher freundlich zugeneigt waren.
Doch damit nicht genug: Neue teilweise durchaus überbordende regulatorische Vorschriften für den Vertrieb durch IDD, ein drohendes Provisionsverbot durch die Hintertür oder Wettbewerbsklagen wegen starker Beitragserhöhungen. Auch Maklerpools platzt inzwischen der Kragen: maxpool aus Hamburg hat Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gegen die WWK wegen überhöhter Beitragsanpassungen in der BU-Versicherung eingelegt und sucht erstmals das Gespräch mit dem Bund der Versicherten e.V. Letzterer lässt auch nicht nach, gerade die Lebensversicherung als das falsche Produkt für die Altersvorsorge anzuprangern (siehe UNTERNEHMEN & MANAGEMENT).
Zu all den negativen Schlagzeilen kommen dann auch noch vermehrt Meldungen über mir nichts Dir nichts abgelöste Vorstände. Die in den Veröffentlichungen gewählten Formulierungen über "die Trennung im beiderseitigen Einverständnis" sprechen Bände. Die Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate sorgen dafür, dass die Manager auf den Vorstandsetagen vieler Gesellschaften kaum noch zur Ruhe kommen dürften. Das alles wird begleitet durch entsprechend große mediale Aufmerksamkeit.
Nur ein Beispiel: Die bekannte ARD-Talkshow Hart aber fair gab ein bezeichnendes Bild dafür ab, was Fernsehsendungen anrichten können. Von einem "Crash" und einer "massenhaften Kapitalvernichtung" war dabei die Rede. Die durchaus prominent besetzte Gästebank outete sich nicht unbedingt als Fan des Geschäftsmodells Lebensversicherung.
Da fiel es selbst dem gut argumentierenden Vertreter des GDV nicht leicht, die Schuld für die derzeitige Misere der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank in die Schuhe zu schieben. Gleichzeitig warf er einem eingeladenen Autor, der den Rat gibt, aus der Lebensversicherung auszusteigen, unverantwortliche Panikmache vor, dessen Absicht allein darin bestehe, den Verkauf seines vermeintlich unseriösen Buchs fördern zu wollen.
Ob die Branche allerdings wirklich mit dem Rücken zur Wand steht, ist letztlich nicht ausgemacht. Denn die öffentliche Aufmerksamkeit ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite stehen zum Beispiel viele Millionen Kunden, die zu Recht für ihr eingezahltes Geld guten Versicherungsschutz erwarten können und in der Altersvorsorge die Erfüllung des Versprechens einer angemessenen Rente. Nach wie vor ist die Branche Garant für die Erfüllung von zugesagten Leistungen. Dies kaputt zu reden, wäre auch volkswirtschaftlich fatal.

GDV-Präsident gilt als Mann der leisen Töne

An diesem Mittwoch und damit vielleicht gerade zur rechten Zeit findet nun die Pressekonferenz mit dem im Herbst des vergangenen Jahres neu gewählten Präsidenten des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV), Wolfgang Weiler, statt. Zuvor war dieser erfolgreich lange Jahre Vorstandsvorsitzender der Huk-Coburg-Gruppe.
Weiler ist zwar ein Mann der leisen Töne, der die Branche wie kaum ein anderer kennt. Er weiß aber auch, dass von ihm nicht nur beschwichtigende Aussagen erwartet werden, sondern ehrliche und klare Antworten auf Fragen nach der Verlässlichkeit und Zukunftsfähigkeit eines bedeutenden Wirtschaftszweigs.
Antworten, die nicht nur die privaten und gewerblichen Kunden erwarten können, sondern auch die Vertriebe an der Front und die Beschäftigten. Das betrifft u.a. die Themen Stabilität der Lebensversicherung, die Position der Versicherer zu Run-off-Plänen, die Ausgestaltung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes (BRSG), den Komplex Digitalisierung, die Regulatorik auf deutscher und europäischer Ebene sowie die Forderung nach Streckung der Zinszusatzreserve, die die Lebensversicherung entlasten könnte.
Alles andere wäre ein fatales Signal über die Branche hinaus und würde weiteres Vertrauen kosten. Das aber ist in einem Geschäftsfeld, das im Voraus Geld für eine mögliche Zahlung in der Zukunft einnimmt, nach wie vor eines der wichtigsten Assets. Wolfgang Weiler ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. (wo)
Bild: Sitz des Branchenverbandes GDV (Quelle: GDV)
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