29.01.2018Märkte & Vertrieb

Insurtech Hepster: "Endkunden beibringen, dass Versicherungen einfach und sexy sind"

Von Maximilian VolzVW heute
VWheute mag neue Ideen und Unternehmen. Deswegen haben wir das Gespräch mit Hepster gesucht, einem Rostocker Insurtech, das unter anderem Kurzeit- und Trendsport-Equipment-Versicherungen anbietet. Mitbegründerin Hanna Bachmann sowie die beiden CEOs Christian Range und Alexander Hornung sprechen über die Insurtech-Welt, Versicherer als Partner und den Antrieb, besser zu werden.
VWheute: Ihr sitzt im wunderschönen Rostock, bietet Kurzzeitversicherungen im Bereich Sport- und Lifestyle über das Smartphone an, die nach einer bestimmten Frist automatisch ablaufen. Dafür arbeitet dafür mit etablierten Versicherern wie der Gothaer und der Roland zusammen. Ist damit euer Wirken hinlänglich beschrieben?
Hepster: Wir haben einen Webshop entwickelt, in dem der Kunde Versicherungsprodukte kaufen kann – wie beim herkömmlichen Online Shopping. Dieser Prozess ist gelernt und dazu haben wir situationsgerechte Produkte entwickelt rum um die Themen Sport und Erlebnis. Ein Surfer kann beispielsweise für sieben Tage Surf-Urlaub sich und sein Equipment absichern. Ein Marathon Läufer bekommt von uns für einen Tag eine Unfallabsicherung, die direkt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist und kann beispielsweise seine Sportwatch auch gleich mitversichern. Dabei soll der Kunde die Laufzeit bestimmen, nicht der Versicherer.
Neben unserem Webshop verkaufen wir unsere Produkte aber auch über Kooperationspartner. Ziel ist es, die Endkunden an den relevanten Touchpoints abzuholen und ihnen genau dann den Schutz anzubieten, wenn sie einen konkreten Bedarf haben. Hierfür ist eine umfangreiche technische Infrastruktur notwendig. Beim Einkauf im Onlineshop, beim Buchen einer Reise oder während der Anmeldung zu einem Event. Hier haben wir Mechanismen geschaffen, die die direkte Integration in diese Buchungsstrecken erlaubt. Der Kunde muss nur noch ein Häkchen setzen und ist direkt bedarfsgerecht und situativ abgesichert. Und die Händler und Veranstalter freuen sich über zusätzliche Services und Wertschöpfungsketten.Man kann sagen, dass wir den gesamten Versicherungsprozess vom Abschluss bis hin zur Schadenmeldung für uns digitalisiert haben.
VWheute: Euch gibt es seit 2016, im Jahr 2017 kamen die ersten Produkte – ist das richtig? Erzählt doch mal von eurem Weg bis zur Gründung und warum ihr frecherweise nicht als Erstes VWheute informiert?
Hepster: Alles begann 2015 mit der Idee, Unfallversicherungen situationsgerecht und ab einem Tag Laufzeit anzubieten. Christian und ich kommen aus der Versicherungsbranche, haben viele Jahre Erfahrung. Irgendwann konnten wir es kaum mehr fassen, dass sich die Welt da draußen rasant verändert, man alles online kaufen kann – nur die Versicherungsprodukte und die Distribution schaffen die Anpassung nicht.
Im Bereich Sport hat es sich zuerst angeboten. Wir haben mit vielen Sportlern aus den verschiedensten Bereichen gesprochen und überall herrschte das gleiche Problem: Die Kunden hatten zum einen nicht das Gefühl, dass ihre Unfallversicherung in ihren konkreten Fällen greifen würde und zum anderen war es sehr schwer für sie, ihr materiell und emotional wertvolles Sport Equipment zu versichern. So entstanden unsere Activity-Produkte, Equipment-Produkte und später die Lebenswelten, die die Basis von Hepster bildeten. Dann ging es richtig los. Im Mai 2017 war der Launch von hepster.com – mittlerweile haben wir 22 Mitarbeiter.
VWheute: Ihr bietet auch Versicherungen für neue Lifestyle-Produkte wie Mountain-Bikes oder Surfbretter. Beschreibt doch bitte euer Geschäftsmodell, wie läuft die Kundenakquise, mit welchen Händlern arbeitet ihr zusammen, wie wollt ihr wachsen?
Hepster: Momentan arbeiten wir sehr viel mit Fahrrad-Händlern, Händlern und Herstellern im Wassersport und mit Event-Veranstaltern zusammen. Fahrräder und alles was „Board“ ist, funktioniert bei uns sehr gut. Wir erweitern die Kern-Produkte unserer Partner um individuellen und passenden Versicherungsschutz. Dabei integrieren wir unsere Produkte direkt in deren Buchungsprozess. Wir empfangen die notwendigen Daten, so dass Kunden keine weiteren Angaben machen müssen.
Sie brauchen nur noch und das Häkchen setzen. Der Versicherungsschutz erfolgt dann, wenn gewünscht, sofort. Es erfolgt eine sofortige digitale Ausstellung des Versicherungsscheines, der Kunde erhält alle notwendigen Unterlagen sofort digital und ist geschützt. Kommt es dann zum Schaden, kann der Kunde über unser Portal in seinem persönlichen Kunden Konto, dass auch in den Servicebereich unserer B2B-Partner integriert werden kann, ganz bequem auf seine Versicherung zurückgreifen und den Schaden melden. Den Rest übernehmen wir.Unsere B2B Partner erhalten für jeden Verkauf natürlich eine Provision und wir übernehmen zusätzlich eine Servicefunktion.
VWheute: Wie seid ihr technisch aufgestellt, was unterscheidet euch von anderen Unternehmen wie Ergo Direkt, die ein ähnliches Konzept verfolgen. Was macht euch besonders?
Hepster: Schauen Sie sich unsere Seite an! (lacht) Nein, im Ernst. Wir haben es geschafft, mit Hepster eine für unsere Zielgruppe äußerst attraktive Lifestyle-Marke zu schaffen. Wir haben alles von Anfang an nah am Kunden und nah an den Bedürfnissen entwickelt. Wir bieten situativen Versicherungsschutz in unseren Lebenswelten für eine Vielzahl von Produkten und Bundles, nicht nur einzelne Produktlösungen. Unsere technischen Lösungen sind state of the art. Wir haben nicht nur das Portal hepster gebaut, sondern auch ein gesamtes Backend für die Verknüpfung von Versicherungen, Kooperationspartnern und Endkunden.
VWheute: Wie wählt ihr eure Versicherungspartner aus, wie kam die Kooperation mit der Gothaer zustande? Mit wem arbeitet ihr zusammen und sind weitere Kooperationen geplant?
Hepster: Wir setzten auf langfristige Partnerschaften und entscheiden uns immer und ausschließlich für verlässliche Partner. Mit der Gothaer arbeiten wir bereits auf anderer Ebene seit vielen Jahren zusammen und kennen deren Prozesse sehr gut und wissen, das Versprechen auch gehalten werden. Kommt es zu einem Schaden, werden wir unsere Kunden nicht enttäuschen und um Stich lassen. Mit der Gothaer als strategischem Partner können wir das sicherstellen.
Ähnlich verhält es sich mit Roland. Als führender Assistance-Versicherer können wir auch auf deren Infrastruktur zurückgreifen um für unsere Kunden 24/7 da zu sein. Darüber hinaus entwickeln wir mit beiden Partnern Produkte, wie zum Beispiel unser Produkt Bike Assist. Weitere Kooperationen, vor allem hinsichtlich der Skalierung auf den europäischen und internationalen Markt, sind in Planung.
VWheute: Wie läuft das Geschäft, was wollt ihr erreichen?
Hepster: Generell läuft "das Geschäft" sehr gut. Wir hatten und haben an allen Fronten viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Versicherer galt es davon zu überzeugen, dass digitale Versicherungsprodukte die Zukunft sind und die Endkunden müssen lernen und verstehen, dass Versicherungen jetzt auch einfach (und sexy) sein können. Aber es geht rasant voran bei uns. Wir haben ein großartiges Team aufgebaut dass uns jeden Tag bei der Umsetzung unserer Ziele unterstützt. Unsere Vision ist es, ein Plattform Geschäftsmodell für Versicherungsprodukte zu werden. Wie AirBnB zum Beispiel – genau so einfach, leicht nutzbar und verständlich.
VWheute: In welchen Bereichen müsst ihr noch besser werden?
Hepster: Mit wachsenden Kundenzahlen vergrößern wir zurzeit unseren Kundensupport. Das gelingt uns sehr gut, denn kein Kunden soll das Gefühl haben, Hepster sei nicht für ihn da. Und wir arbeiten täglich an technischen Innovationen.
Worin wir im Gegensatz zu anderen Insurtechs auch nicht gut sind, ist Selbstinszenierung. In Gesprächen mit Stakeholdern jeder Art sind wir immer offen, ehrlich und transparent. Uns liegt es nicht, uns selbst als Gurus der Szene zu inszenieren oder große Botschaften in den Äther zu schicken. Wir machen unsere Arbeit, testen MVPs und lernen, lernen, lernen.
VWheute: Wie ist das Leben als Insurtech, wie bewertet ihr den Markt, was könnte besser sein, was muss besser werden?
Hepster: Im Rahmen der Digitalisierung fehlen Produkte, die in einem digitalen Markt auch Anwendung finden können. Der Markt schafft es noch nicht, die wirklich relevanten Touchpoints der neuen Kundengruppen zu besetzen. Digitalisierung darf niemals um der Digitalisierung willen verfolgt werden – im Zentrum müssen immer die Bedürfnisse des Kunden stehen. Wir sehen sehr wenig Player im Markt, die das erkannt hätten.
VWheute: Viel Glück für euren Weg. Wenn ihr mögt, habt ihr die letzten Worte.
Hepster: Eigentlich müssen wir ja nicht immer das letzte Wort haben aber wir wünschen uns dringend, dass innerhalb der Versicherungsbranche ein engerer Austausch stattfindet – ohne das momentan gängige Insurtech-Bashing und die leidige Diskussion, ob nun Versicherungskonzerne oder Startups das Rennen machen werden. Weniger reden – mehr machen.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Hepster-Team: Alexander Hornung, Hanna Bachmann, Christian Range (v.l.n.r.) (Quelle: Hepster)
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