Politik & Regulierung

Rassismus-Vorwurf gegen britische Kfz-Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Racial Profiling bei der Beitragskalkulation ist keine gute Idee. Mehrere britische Kfz-Versicherer verlangen von Menschen mit arabischem Namen bei gleicher Leistung weit höhere Beiträge wie bei Kunden mit englisch-klingenden Namen, sagt die britische Boulevardzeitung The Sun. So zahle ein "John Smith" für die Vollkasko eines Ford Focus bei der Admiral-Versicherung jährlich 1.333 Britische Pfund, "Mohammed Ali" muss dagegen 2.252 Pfund berappen.
Das ist schwer zu erklären, ohne die Rassismuskeule zu schwingen. Die Boulevardzeitung hat gute Argumente für ihren Vorwurf. So haben Mitarbeiter des Blattes über das Vergleichsportal "Go Compare" Angebote mehrerer Versicherer verglichen, darunter Admiral, Marks & Spencer, Bell, Elephant oder Diamond. Die Daten zu allen wichtigen Parametern wie Fahrzeug, Wohnort usw. waren identisch, das Ergebnis stets dasselbe: Mohammed muss mehr bezahlen als John. Angemerkt werden muss, dass Elephant und Diamond Schwestergesellschaften von Admiral sind.

Manchmal ist Schweigen Gold

Die Zeitung wurde durch den Fall eines "Mohammed Suleman Butt" aus Bradford auf die, drücken wir es vorsichtig aus, gewöhnungsbedürftige Preisgestaltung aufmerksam. Mr. Butt, der Name ist nicht ausgedacht, bemerkte bei der Durchsicht seiner Autoversicherungsunterlagen einen Fehler: Bei Vorname stand "Suleman" statt "Mohammed Suleman". Er meldete das Missgeschick. Das war ein Fehler, er bekam eine 166 Pfund Preiserhöhung.
Auf Nachfrage bekam der 36-jährige Anästhesie-Assistent Butt von der Versicherung zu hören, dass die "Preiserhöhung mit seinem Vornamen in Zusammenhang steht". Im Original sagt der Geschädigte: "They admitted the higher price was for no reason other than my name." Ja, bei der Admiral scheinen wirklich preisverdächtig kluge Menschen zu arbeiten – oder muss man sie wegen ihrer Ehrlichkeit loben?
Mr. Butt ist von der Preispolitik verständlicherweise wenig angetan: "It's racism, pure and simple. They cannot say Mohammed’s are worse drivers than Johns." Es ist objektiv tatsächlich schwer zu erklären, warum Mohammeds schlechter fahren sollen. Aber was sagen die Versicherer?
Der Chef von Admiral David Stevens verneint die Vorwürfe laut Sun und betont, dass die genutzte Anti-Betrugssoftware designt wurde, um die Eingabe "falscher Details" zu erkennen oder auch, wenn "Details unglaubwürdig geändert" wurden. Wahrscheinlich bezieht sich Stevens dabei auf die Namenseingabe von "Smith" auf "Ali". Auf die Begründung des Sacharbeiters geht er nicht ein.
M&S teilte mit, dass das Unternehmen nicht diskriminierend kalkulieren würde und will die Fälle prüfen.

Die richtige Mailadresse spart Geld

Wenn sie jetzt denken, unglaublicher wird es nicht, waren sie zu vorschnell. Die Sun deckte bereits auf, dass es bei der Versicherung auch auf die Emailadresse ankommt, wie Netzwelt berichtet. Mit einer Hotmail-Adresse zahlt der Kunde bei einem Versicherer 31 britische Pfund mehr als bei Gmail-Nutzung. Der Name des Versicherers, sie haben es erraten: Admiral. (vwh/mv)
Bild: Angelina Ströbel / www.pixelio.de / PIXELIO
Großbritannien · Kfz-Versicherer · KFZ-Tarife
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