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Richterspruch reformiert französische Kreditversicherung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das französische Verfassungsgericht erlaubt den privaten französischen Immobilien-Kreditnehmern ein jährliches Kündigungsrecht hinsichtlich ihrer von den Banken zur Bedingung gemachten Restschulddeckungen. Nicht nur Neuverträge sind betroffen, sondern auch das gesamte Bestandsgeschäft. Diese Reform qua Richterspruch dürfte für die französischen Kreditversicherer (CNP prévoyance, la Caisse d’Épargne et Cofidis) in dreierlei Hinsicht negativ sein.
Erstens: Bei Neuabschluss dürften die betreffenden Kunden gleich mehrere Konkurrenzangebote betrachten, statt wie einst der Einfachheit halber mit dem von der eigenen, Provisionsinteresse verfolgenden, Bank wärmstens empfohlenen Versicherer abzuschließen.
Zweitens: Dadurch; dass jedenfalls hinsichtlich der möglichen jährlichen Umplatzierungen kreditgebende Banken nicht mehr als "gatekeeper" fungieren werden, ergeben sich Eintrittschancen für Newcomer.
Drittens: Im Sinne einer anti-Selektion dürften die besten Risiken auf Wanderschaft gehen, während diejenigen, unter denen sich schon Schäden abzeichnen (säumige Schuldner, kranke oder arbeitslose Kreditnehmer) in den Portefeuilles verbleiben werden.
Kläger im zehnjährigen Rechtsstreit war  der französische Konsumentenverband UFC-Que Choisir gewesen. UFC erteilt den französischen Mitgliedern bereits praktische Ratschläge was die Substitution des bisherigen Einschlusses in eine Bank-Gruppenpolice durch eine frische Individualpolice angeht. Es gelte eine zweimonatige Kündigungsfrist einzuhalten. Der Deckungsumfang der neuen Police müsse jedoch dem der bisherigen Gruppenpolice entsprechen. Ggf. müsse dies ein Mediator entscheiden.
Auch für französische Banken, die auf das Pferd der Bancassurance setzen, ist die höchstrichterliche Entscheidung ein herber Schlag. Wie die Ratingagentur S&P schreibt, dürften vielfach die Margen aus der bislang dazugehörenden Versicherungsvermittlung höher gewesen sein als die aus den Krediten selber.
Ein Drittel aller französischer Haushalte hat eine Hypothek, 87 Prozent dieser Hypotheken sind versichert. Dabei geht es um sechs Millionen Kreditkunden: So werden jedes Jahr werden eine Million neue Hypotheken abgeschlossen, von denen 98 Prozent versichert sind, davon wiederum 87 Prozent über eine Gruppenpolice des jeweiligen Kreditgebers. Die Marge unter derartigen Restschulddeckungen soll um die 50 Prozent liegen. (cpt)
Bildquelle: Torbern Wengert / PIXELIO / www.pixelio.de
Kreditversicherung
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